Winterbiwak auf dem Staffel

Das „Winterbiwak“ steht bei uns Geschwistern für eine schon mehr als zehn Jahre währende Tradition. Jeden Winter – um den Jahreswechsel und damit den Geburtstag meiner Schwester herum – besteigen wir mit Zelt und feinem Essen beladen einen anderen Berg in den bayerischen Voralpen. Und schlafen möglichst weit oben. Dieses Mal sind wir dem Staffel von der Jachenau aus auf den Pelz gerückt. 

Vom 28. auf den 29. Dezember war es wieder einmal so weit und das geschwisterliche Winterbiwak mit Irml und Urs stand auf dem Programm. Diesmal als Stargäste mit dabei: Neffe Thimo, dazu Felix mit Hund Ronja.

Schneearmer Start

Bei Schneelage=0cm fuhren wir von Bad Tölz aus in die Jachenau, wenigstens in Niggeln hatte es noch 5cm, allerdings bockhart gefroren. Nachdem auch Felix samt Ronja eingetroffen war, ging es gegen 18:15 Uhr am Wanderparkplatz (742m) an der Jachenbrücke los. Die Rucksäcke waren ordentlich voll, hatten wir doch auch Brennholz für ein kleineres Feuerchen mit an Bord. Zudem stellte sich bald heraus, dass auch das Frühstück üppig ausfallen dürfte, da wir (fast) alle Frühstücksutensilien doppelt dabei hatten – kleiner Planungsfehler.

Als Aufstieg wählten wir die Ostroute und wähnten uns bald in einer überdimensionierten Fangopackung, war doch der Ziehweg hinauf Richtung Raitgraben von Waldarbeiten übelst zerfurcht. Obwohl wir im Tal bei Schnee losgegangen waren, war später im Hangwald auf den ersten 200HM (also bis ungefähr 1000 Meter Seehöhe) kein bisserl Schnee mehr zu sehen. Dann wurde es aber zum Glück winterlicher und wir stapften durch Schnee, Schneematsch, Matsch und alle nur erdenklichen Winter-Aggregatzustände hinauf bis zur Staffel-Alm auf rund 1400 Meter Höhe.

Nachdem der Hunger bereits groß war und wir einen schönen Zeltplatz in einer Mulde nahe des Gipfelaufbaus fanden, war die Entscheidung schnell getroffen, die beiden Zelte im Schnee aufgebaut und mit etwas Mühe ein kleines Feuer entfacht, auf dem bald in einem Pfadi-Topf leckeres Chili con Carne schmurgelte. Der alljährliche Asti durfte natürlich auch diesmal nicht fehlen.

Niederschlag

Nach einer traumhaften Mahlzeit inklusive köstlicher Keks-Nachspeise und ausgiebiger Sternenschau begaben wir uns gegen 23 Uhr langsam in die Zelte. Irml, Thimo und Urs ins 3er-Zelt mit der großen Apside, Felix, Ronja und ich ins MSR-2er. Wider Erwarten schlief Ronja kreuzbrav langgestreckt zwischen uns beiden und rührte sich nicht oder jedenfalls so wenig, dass man kaum etwas mitbekommen hat. Braver Hund – und offenbar keine Katzenträume. Kaum im Zelt, fing es leicht zu tröpfeln, dann zu trommeln und später zu knistern an – der Regen war bald in Schnee übergegangen und bei einem ersten Blick aus dem Zelt um 6:15 Uhr hatte es uns schön eingeschneit, knappe 10 Zentimeter dürften es gewesen sein.

Zum Frühstück in der Apside des großen Zeltes gab es den obligatorischen Herrenkuchen, Instant-Kaffee, Kekse und Tee und bald waren alle auf dem Weg zum Gipfel (1532m) des Staffel. Oben schlug uns die blaue Stunde – die morgendliche Beleuchtung tauchte Jachenau, Vorberge und das Karwendel in ein blau- und graugetöntes Licht; scherenschnittartig hob sich später die nördliche Karwendelkette mit Vogelkarspitze und Östlicher Karwendelspitze vom Vorkarwendel ab.

Abstieg in den grünen Wald

Nachdem wir nach dem Frühstück schon abgebaut und gepackt hatten, waren wir im Nu auf dem Weg Richtung Tal – diesmal auf dem Westweg. Verträumt liegen die Almen im Schnee eingebettet da, zauberhafte, einsame und leise Stimmung über Tälern und Bergen. Bis zum Wilfetsgraben war noch alles leicht beschneit, später, im Wald in Talnähe, grünes Moos und eine Stimmung wie im März.

Wieder in der Jachenau, mussten wir auf den letzten zwei Kilometern noch ordentlich aufpassen, dass es uns nicht kapital auf die Sch***** lässt. Die Straße zurück zum Parkplatz war eine einzige, von wenigen Splitt-Spitzen durchbrochene Schlittschuhbahn…

Autor: Arnold Zimprich

Läufer, Radfahrer, Bergsportler

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