Auf den Lerchkogel

Das Dürrachtal und seine Nebentäler ist ein ganz besonderes Stück Karwendel. Das hauptsächlich zu Tirol gehörige Talsystem ist, ähnlich wie die Eng, nur über Bayern zu erreichen. Durch seine relative Abgelegenheit hat es einen ganz besonderen Reiz. Der 1688 Meter hohe Lerchkogel ist ein wunderbarer Aussichtsberg inmitten dieses Gebiets.

Heute geht’s endlich mal wieder mit Gunther in die Berge, mit dem Lerchkogel haben wir uns ein für diese Jahreszeit eher selten besuchtes Ziel ausgesucht. Das merkt man schon auf dem Parkplatz in Fall. Wir sind die einzigen, die sich auf dem sonst doch recht gut besuchten Wanderausgangspunkt einfinden.

Die Teerstraße Richtung Forsthaus Aquila ist spiegelglatt, die Schneedecke neben der Straße dünn. Sie dürfte unter der 10cm-Marke liegen – ein enorm magerer Wert für dieses ansonsten so niederschlagsreiche Schneeloch. Eigentlich wollen wir heute auf den Kotzen gehen, sind jedoch so flotten Schrittes unterwegs, dass wir die Abzweigung aus Versehen rechts liegen lassen (ich war vor 20 Jahren mal auf dem Kotzen und kann mich nicht mehr genau an den Weg erinnern) und schließlich auf dem Weg zum Lerchkogel landen. Vielleicht lag es auch an der Straßenglätte, dass wir an der Abzweigung vorbeigeschlittert sind… Uns ist das aber gar nicht so unrecht, denn auf dem Lerchkogel waren wir beide noch nicht. Und außerdem: Wer will schon zum Kotzen gehen? 😉

April-Wärme im Januar

Einsam ist es hier hinten, einige wenige Skispuren auf dem Weg über die Dürrach zeugen von geringer Frequentierung. Es lohnt es sich heute nicht, die Ski überhaupt dabei zu haben. Die Schneeauflage ist auch hier hinten im schattigen Tal extrem dünn, Steine und Baumstümpfe schauen überall heraus, von der Qualität des Schnees ganz zu schweigen. Diese changiert zwischen bockhart gefroren und breiig und feucht. Wir nehmen den Fußweg hinauf Richtung Almen, die Abschnitte durch den Wald sind sogar komplett schneefrei. Erst auf 1300m Höhe legen wir die Schneeschuhe an und stapfen hinauf zum Lerchkogel-Niederleger, wo wir in der Sonne kurz pausieren. Es stellt sich ein Wärme-Feeling ein wie bei der Venter Runde im Spätapril. Die Demeljoch-Südflanke ist bis etwa 1700 Meter hinauf komplett aper. Absurd, aber wahr. Nirgendwo sonst als in den Bergen wird es ähnlich deutlich, wie sich die Klimaerwärmung auswirkt.

Bald nehmen wir die finalen 350 Höhenmeter unter die Schneeschuhe und folgen einer einsamen Skitourenspur hinauf zum Lerchkogel-Hochleger, der idyllisch zwischen Lerchkogel und Östlichem Torjoch eingebettet liegt. Den Plan, letzteres zu besteigen, lassen wir fallen. Zu verlockend ist der etwas näher gelegene Gipfel des Lerchkogels, den wir gegen halb zwölf erreichen.

Karwendelblick

Die Karwendel-Gipfelschau ist, ohne zu übertreiben, auch für Karwendel-Kenner atemberaubend – was am einsetzenden Föhnsturm liegt, der die Luft ordentlich durchputzt. Die Karwendelkämme liegen in all ihrer Pracht zum Greifen nah aufgefächert da. Der Wind weht Schneefahnen von den Gipfeln, die gerade-so-Zweitausender Fleischbank, Hölzelstaljoch und Grasberg sehen heute fast wie mächtige Hauptkamm-Dreitausender aus, wenn da die hohe Waldgrenze nicht wäre. Nur schwer können wir uns von der Aussicht trennen.

Während des Abstiegs treffen wir dann doch noch zwei Tourengeher (hoffentlich haben sie „gute“ Steinski) und einen Schneeschuhgeher. Runter geht es immer schneller, und bald haben wir wieder die gewaltige Geschiebesperre an der Dürrach erreicht. Ein wildes Tal ist das und kaum einer weiß, dass es hier Anfang des 20. Jahrhunderts sogar eine Schmalspurbahn gab, die den Abtransport des geschlagenen Holzes Richtung Fall erleichterte.

Der Weg zurück Richtung Sylvenstein zieht sich, wenigstens ist die Straße nicht mehr so a****glatt. Immerhin haben wir am Ende rund 16 Kilometer und 1000 Höhenmeter in den Beinen. Und jede Menge Erinnerungen an ein notorisch unterschätztes Eck des Vorkarwendels, das uns mit seiner Abgelegenheit heute auch ein wenig verzaubert hat.

Autor: Arnold Zimprich

Läufer, Radfahrer, Bergsportler

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