Laufen/Trailrunning/Winter

Trailrunning-Runde über Blomberg und Zwiesel

Als leidenschaftlicher Läufer ist man ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen, Zielen, Möglichkeiten. Als ich gestern so im Fahrradsattel saß und Königsdorf in Sichtweite kam, dachte ich an den Blomberglauf und welche Routen man denn noch so über den Berg und seine Nachbarn legen könnte. Lest, was dabei herausgekommen ist!

Es ist drei Uhr nachts. Eine Windböe reißt mich jäh aus dem Schlaf. Eigentlich will ich mich nochmal umdrehen, aber eine halbe Stunde später dampft schon der Kaffee auf dem Tisch und kurz vor halb fünf schwinge ich mich bereits in den Fahrradsattel und radle bei traumhaftem Mond Richtung Bad Heilbrunn. Eine freche Wolke lässt sogar einige Schneeflocken fallen!

Unterwegs treffe ich den Zeitungsausträger, in einigen Kuhställen ist auch schon was los. Kurz vor fünf Uhr verstecke ich mein Rad hinter einem Holzstoß am Beginn des Aufstiegs zum Stallauer Eck, packe ein wenig um, schultere meinen Laufrucksack und nehme den Radweg Richtung Tölz in Angriff. Erstaunlich, wie viele Leute um diese Zeit schon in die Arbeit fahren! Ich bin froh, als ein riesiger beleuchteter Schlitten und damit auch die Talstation der Blombergbahn aus der Nacht auftaucht. Denn jetzt wird’s ernst! Ich reduziere meine Oberbekleidung auf Funktionsunterhemd und Langarm-Merino, stelle die Stirnlampe enger und ab geht die Post.

Illegal auf dem Rodelweg

Eigentlich darf ich das ja gar nicht sagen, aber was ich die nächsten zehn Minuten tue, ist illegal. Große Schilder weisen extra darauf hin. Ich laufe den Rodelweg entgegen der regulären Rodelrichung hinauf! Was für ein Frevel. Ist mir aber herzlich wurscht heute, um kurz nach fünf Uhr morgens wird mir schon keiner entgegendonnern, und auf Hornschlitten rodelnde Rehe sind selten geworden. Also rauf da!

Nach einigen saftig steilen Rampen kommt die Sessellift-Mittelstation in Sicht, hier hört es mit der planierten Rodelpiste, die sich wie eine weiße Riesenschlange durch ansonsten völlig aperen Wald schlängelt, auf. Stattdessen habe ich es ab jetzt mit Eisplatten zu tun, die zum Glück von gut laufbaren Kiesabschnitten unterbrochen werden. Sackerl Zement, der Anstieg zieht sich – doch ich gebe was ich kann und 25 Minuten nach dem Start neben der Talstation spuckt mich der Wald unterhalb des Blomberghauses wieder aus.

Da schau her – hier liegt sogar frischer Neuschnee! Das man so etwas diesen Winter in den Nordalpen noch erleben darf. Ich wische mir fast schon Tränen der Rührung aus den Augen. Damit wird die Querung hinüber zur Bergstation des Blomberg-Sessellifts und zum Blomberggipfel eine hübsche Stapferei. Ich halte das Tempo so hoch, wie ich eben kann. Für einen 7er Pace reicht es. Nun gut.

Oben angekommen, bietet sich ein romantischer Blick auf das beleuchtete Tölz, das Isartal mit seinen kleinen Dörfern und Weilern und weiter hinten Lenggries. Ich starte jedoch gleich durch, nehme im Sattel Richtung Heiglkopf Schwung und komme schließlich um Punkt 6 Uhr, also eine Stunde nach dem Start am Rad, auf dem Gipfel des Berges an. Jetzt gibt’s was zu trinken – und sogar einen Gipfelbucheintrag!

Glatt hinab, schnell hinauf

Jetzt geht’s ordentlich runter. Bis ungefähr 1100 Meter bietet der Neuschnee noch einen anständigen Grip, im Wald ist es stellenweise aper. Auf dem Weg Richtung Waldmeisteralm – pardon – Waldherrenalm wird es jedoch sakrisch glatt. An einer Stelle sehe ich den Sturz schon kommen, gehe mit dem Oberkörper niedriger, um die Fallhöhe zu verringern und *pardauz*, schon schlittere ich in den recht rauh gepolsterten Graben des sowieso schon groben Ziehwegs. Zum Glück ist weder an Mensch noch Material etwas passiert, und so nehme ich den Rest des Weges mit etwas mehr Vorsicht unter die Sohlen meiner inov8s.

Nun steht der zweite Hauptanstieg des heutigen Lauf-Ausflugs auf dem Programm, schließlich will ich über den 1348 Meter hohen Bieselzwerg – pardon – Zwieselberg zurück zum Rad rennen. Ich wähle den etwas weiter ausladenden Anstieg über die Nigglalm, da ich keine Lust auf den womöglich recht eisigen Steig hinter der Metallbrücke im Großbachtal habe. Bald ist der niedrigste Punkt kurz vor dem Wanderparkplatz an der Waldherrenalm erreicht, und ich mache einen scharfen Rechtsknick und folge dem Fahrweg nach Südwesten.

Holzarbeiter haben hier wüste Spuren hinterlassen und es ist knifflig, eine griffige Route durch die vereisten Traktorspuren zu finden. Kurz überlege ich, ob es nicht geschickter gewesen wäre, meine mit Spikes bewährten Oroc anzuziehen, die völlig trockenen Abschnitte im Wald belehren mich jedoch eines besseren. Hier würde ich mir nur die Spikes ruinieren, wie an anderer Stelle schon geschehen. Ein Riesenspaß ist das hier und ich vergesse die Zeit. Wenig später reibe ich mir verwundert die Augen, als ich früher als gedacht die Nigglalm links liegen lasse und sich der Fahrweg langsam in den weiten Sattel südlich des Blomberg-Zwiesel-Stocks schlängelt. Das dürfte nun knapp die Hälfte des zweiten Anstiegs gewesen sein.

Oben!

Von vielen Rad-Befahrungen kenne ich den steilen Ziehweg gut, und so bin ich nicht weiter geschockt, welch‘ steile Rampen der Weg noch in petto hat. Siehe da – kaum erreiche ich die 1200 Meter-Marke, ist er plötzlich wieder da, der Schnee. Und zwar nicht zu knapp. Es wird immer mühsamer, die optimale Spur auf dem Ziehweg zu finden, ich breche hie und da bis zum Unterschenkel ein. An der finalen Querung zur Almhütte kurz unterhalb des Zwieselgipfels ist der Ziehweg so verblasen, dass ich stellenweise gehen muss. Immerhin nehme ich mir ein Herz und nehme die letzten 50 Höhenmeter wieder im Laufschritt in Angriff, und um kurz nach sieben erreiche ich den heute recht sturmumtosten Gipfel des Tölzer Hausbergs. Zwei Stunden ab Rad! Damit bin ich ganz zufrieden. Leider hat sich die Sonne hinter grauen Wolken versteckt, dafür ist der Blick nach Süden zur Benewand, in’s Karwendel und Richtung Zugspitze umso klarer.

Damit ich nicht auskühle, belasse ich es bei einem Schluck aus der Flasche und hechte zügig den Westrücken Richtung Stallauer Eck hinunter. Auch hier: Verblasener Schnee, eine alte Spur und fiese Untiefen, in die ich hie und da einbreche. Noch ein kurzer Gegenanstieg und schon geht es recht steil hinab nach Norden. Die Strecke bin ich auch schon mit dem Rad gefahren – mit Laufschuhen macht sie aber fast noch mehr Spaß. Allerdings gilt: Mind the Roots! Die Wurzeln hier haben es in sich und ich habe die Killerwurzel, die vor fast einem Jahr zwei meiner Außenbänder im Münchner Westpark den Garaus machte, noch lebhaft in Erinnerung….

Richtung Tengelmann

Das Stallauer Eck nehme ich ehrenhalber auch noch mit, verspeise oben sogar eine Banane. Dann geht’s in einer guten Viertelstunde hinunter zum Rad, das immer noch brav hinter dem Holzstoß auf mich wartet. Effektiver als hier lassen sich Höhenmeter kaum vernichten! Nun lockt der Tengelmann in Bad Heilbrunn gewaltig, und ich fahre eine Extraschleife, um mich mit diversen Köstlichkeiten einzudecken. Über den gleichen Weg geht es nun mit dem Rad mehr oder weniger dynamisch wieder nach Hause.

Fazit: Eine wunderschöne Runde über etwas mehr als Halbmarathondistanz direkt vor der Haustür. Sehr abwechslungsreiche Wegbeschaffenheit, vom flachen Teer-Radweg bis zum gachen Wurzeltrail ist alles dabei. Würde mich mal interessieren, was da ohne Schneeauflage zeitlich so drin wäre…man wird sehen!

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