100km-Radrunde durchs Oberland

Das Alpenvorland südlich von München hält viele radfahrerische Leckereien bereit. Das schöne dabei ist, dass man keinen Meter mit dem Auto fahren muss, um eine facettenreiche Tour mit ordentlich Höhen- und Kilometern zusammenzubekommen. Ein Serviervorschlag.

Alle schönen Radfahr-Wege beginnen und enden in München an der Isar. Ich schlängele mich also zunächst durch den Westpark und das Dreimühlenviertel an den Flaucher und folge dann dem Radweg entlang des Zoos zur Großhesseloher Brücke. Man kann nicht oft genug erwähnen, wie lohnenswert der Fahrweg entlang der Ostseite der Isar zwischen Großhesseloher und Grünwalder Brücke ist. Ein echter landschaftlicher Leckerbissen, wenn auch fahrerisch einfach.

Hinter Grünwald wird es etwas anspruchsvoller. Die „Isartrails“ warten. Ein wirres Wegenetz aus Singletrails zieht sich hier durch die Isarauen. Wie man an vielen absichtlich in den Weg gezogenen Ästen und kleinen Bäumen unschwer erkennen kann, ein nicht ganz konfliktfreier Ort. Ich bin jedoch so früh dran, dass ich weder militante Wanderer noch militante Mountainbiker erblicke. Alles ist friedlich, zwischen Grünwald und Mühltalkraftwerk ist kein Mensch unterwegs. Wer sich hier nicht grob verhaut und immer dem Ostufer der Isar folgt, kommt nach einer halben bis dreiviertel Stunde ab Grünwalder Brücke beim Mühltalkraftwerk an. Hier ist erst mal Schluß mit Trail und Schotter.

Schnee!

Da ich heute noch mehr vorhabe, folge ich der geteerten Werksstraße entlang des Isarkanals über die Aumühle bis Puppling, überquere die Isar auf der Marienbrücke und mache direkt nach der Brücke einen scharfen Schlenker nach rechts. Die Floßlände bleibt links liegen, die Brücke wird unterquert und dann dem Radweg am Isar-Westufer gefolgt. Wer möchte, kann nach gut einem Kilometer (der Radweg macht hier einen markanten Linksknick) ein wenig abkürzen und im 90 Grad-Winkel auf den Loisach-Isarkanal zufahren, der an einem Wehr überquert wird.

Nun geht es den Radweg Richtung Geretsried entlang. Der Weg schlängelt sich durch den lichten Kiefernwald, mal geschottert, mal mit Wurzeln gespickt. Ist wie jetzt wenig los, kann man ihn recht zügig fahren und bekommt fast schon so etwas wie ein „Pumptrack-Feeling“. Wenige Kilometer folgt man nun dem Isardamm in Geretsried, ehe es links Richtung Königsdorf und Tölz wieder in den Wald geht.

Ich folge heute der Radwegbeschilderung, fahre jedoch nach der Überquerung der Jeschkenstraße nicht rechts Richtung Königsdorf weiter sondern geradeaus zum Isarhochufer nahe der Tattenkofener Brücke. Hier trifft man auf einen nicht ganz so ausgefahrenen Schotterweg. Folgt man ihm nach rechts, kommt nach ca. 1,5 km ein (meist geschlossenes) Gatter. Kurz vor dem Gatter zweigt rechts ein kleiner Singletrail ab, der am Zaun des Einödhofs entlang führt, die Hauptzufahrt zum Hof (eine alte Bunkerstraße) quert und schließlich steil das Isarhochufer erklimmt. Hier muss man zwangsläufig eine kleine Tragepassage einlegen – nur Trial-Profis könnten das noch fahren! Oben angekommen, führt der Weg erneut als wurzeliger Singletrail durch den lichten Wald, ehe er wieder auf den Hauptradweg trifft. Heute liegt bereits hier auf knapp 700 Metern so viel Restschnee, dass ich mich dazu entschließe, nicht wie geplant auf den Zwiesel bei Tölz zu radeln. Die Runde soll stattdessen nach Westen ausgeweitet werden!

Gute Aussichten

Einige Minuten später lohnt sich ein Abstecher nach links zum sogenannten Malerwinkel, einem Aussichtspunkt, der rund 70 Meter steil über der Isar aufragt. Eine tolle Sicht auf das Alpenvorland öffnet sich! Ich lege mich auf die Bank und mache einen kleinen Nicker. Wenig später geht es jedoch weiter auf dem Radweg Richtung Tölz, bis er auf die Verbindungsstraße Königsdorf-Rothmühle stößt. Ich wende mich nach rechts und fahre in meinen Heimatort. Hier bietet sich das erste Mal seit München die Option, direkt an der Route beim kleinen Hofherr-Supermarkt etwas zum Essen einzukaufen. Die 50km-Marke und damit fast die Hälfte der Tour ist hier geknackt.

Nach der Shopping-Pause folge ich der Teerstraße zum Segelflugzentrum Königsdorf, lasse den Flugplatz jedoch links liegen und fahre einen Feldweg entlang, der zum auffälligen Hangwald am Westende des Platzes führt. Der Fahrweg macht direkt am Hang einen Schlenker nach links, ich folge jedoch dem Singletrail nach rechts, der steil den Hang hinaufführt. Nach wenigen Minuten stößt man im 90 Grad-Winkel auf einen Fahrweg, dem man nach rechts folgen sollte. Ehe er nach ein paar Kurven den Wald verlässt, sieht man bereits linkerhand den Fahrweg Richtung Babenstuben. Ist genug Schmalz in den Haxen, kann man diesen nach links quer über die Wiese direkt ansteuern und spart sich so den kleinen Umweg zur „offiziellen“ Abzweigung.

Von Gehöft zu Gehöft, von Dorf zu Dorf

Was jetzt folgt, kann nur als „Oberbayern von seiner besten Seite“ bezeichnet werden. Von Babenstuben geht es den Fahrweg entlang nach Westen, dann nach rechts Richtung Haag und schließlich wieder gen Westen Richtung Unterherrnhausen. Postkarten-Idylle! Nach einem kleinen Rechtsschwenk geht es gleich wieder links hinunter über Baierlach nach Eurasburg.

Der nun folgende Wegabschnitt an der „Schwarzen Wand“ vorbei Richtung Degerndorf ist nicht ganz leicht zu finden. Am besten, man hält sich in Eurasburg an den Straßenverlauf von „Am Gasteig“ und sucht in der nordwestlichsten Kurve (also dort, wo die Straße leicht abfallend wieder zur Staatsstraße Richtung Wolfratshausen führt) nach einem Fahrweg, der die Straße wiederum nach Nordwesten in den Hangwald verlässt. Beeindruckend steil führt der Feldweg über rund 100 Höhenmeter das Loisachhochufer hinauf. In Degerndorf angekommen, geht es die Straße nach Münsing entlang.

Folgt man in Münsing der Radweg-Beschilderung Richtung Starnberg und Höhenrain, erlebt man erneut einen wundervollen Streckenabschnitt durch ur-oberbayerische Kulturlandschaft. Er führt mit angenehmen Gefälle entlang des Lüßbachs nach Norden, touchiert mal ein Gehöft hier und eine Lichtung dort und wird garantiert nie langweilig! Stößt man nach der Querung des Lüßbachs schließlich auf die Verbindungsstraße Höhenrain-Aufkirchen, so empfiehlt es sich diese direkt zu überqueren und der Straße nach Biberkor zu folgen. An der Montessori-Schule kann man dann entweder links abbiegen oder weiter dem „Lüßbachtal“ folgen, Hauptsache, am Ende kommt man in Farchach an!

Nun lohnt es sich, nach links der Kempfenhausener Straße zu folgen, die an einem Aussichtspunkt (Pausenplatz!) kurz in den Wald ansteigt und dann steil Richtung Manthal abfällt. Nun ist es nicht mehr weit bis Starnberg, das man über einen kleinen Gegenanstieg bei Percha ereicht. Hat man die Tour früh gestartet, ist Starnberg nach rund 80 Kilometer Fahrstrecke der ideale Ort zur Einkehr!

Endspurt!

In Starnberg bietet sich als weiterführende Route der ausgeschilderte Radweg Richtung Gauting durch das Würmtal an. Zwar führt er teilweise direkt an der Bundesstraße entlang, ab dem (ehemaligen?) Gasthaus Würmtal gibt es jedoch Würm-Idylle pur. Der glasklar schillernde Fluß schlängelt sich durch eine Urlandschaft und tut ganz so, als ob es die Bundesstraße am gegenüberliegenden Ufer nicht geben würde.

In Gauting angekommen, führen im Grunde alle (Rad)Wege nach München. Bis nach Pasing sind es immerhin noch 13 Kilometer, ich lasse es jedoch in Planegg gut sein und nehme die Würmtalstraße Richtung Großhadern, schlängele mich durch Nord-Hadern zur Fürstenrieder Straße und lasse diese große Runde im Westpark ausklingen.

Angaben zur Tour:

Strecke: 108km; Höhenmeter: 800; Zeit: 5-8 Stunden (ohne Pausen);  Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Mühltal (an der Isar), Supermarkt und Gasthaus Hofherr in Königsdorf, Wirtshäuser in Eurasburg, Manthal, Starnberg uvm.

Link zum GPS-Track auf Garmin Connect

Autor: Arnold Zimprich

Läufer, Radfahrer, Bergsportler

2 Kommentare zu „100km-Radrunde durchs Oberland“

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