Von München mitten ins Karwendel

Das Roßloch und seine Umgebung ist für mich ein echter Sehnsuchtsort. Das Karwendel zeigt sich hier von seiner wilden und einsamen Seite. Reist man von München per Rad an, verleiht das der Tour eine ganz neue Dimension!

Es ist Juni 2011, ich starte in der Münchner Lindwurmstraße um sechs Uhr früh. Alles ist gepackt, das Rad ist durchgecheckt. Die Stadt ist noch verschlafen, allein im Schlachthofviertel ist schon etwas mehr los. Aufwachen, Leute, es wird ein schöner Tag!

Ich nehme die gut bekannte Route über Flaucher, Zoo und Grünwald zum steilen Straßlacher Berg und zum Mühltalkraftwerk. Entlang des Isarkanals geht es zur Aumühle und nach Puppling, die kleine und neu hergerichtete Straße durch die Isarauen leitet mich nach Ascholding. Nach rund 50 Kilometern Fahrtstrecke schaue ich schließlich noch vor 9 Uhr bei meinem Bruder in Bad Tölz vorbei. Zeit für ein zweites Frühstück!

Die Isar hinauf

Gegen 11 Uhr geht es weiter. Ich nehme den wunderbaren Isarradweg hinauf nach Lenggries und zum Sylvenstein. Frühsommerliche Hitze liegt über dem Stausee, zwischen Vorderriss und Wallgau lasse ich die Mautstraße rechts liegen und halte im Schatten eines Busches am Isarufer eine Siesta.

Allzu lange strecke ich alle Viere jedoch nicht von mir und schmeiße mich bald wieder auf den Asphalt. Noch vor Wallgau fahre ich nach links über die Isar und folge dem schönen Feldweg am Südufer. In Krün treffe ich schließlich wieder auf die Standardroute Richtung Mittenwald….weißblaues Ausflugswetter!

Im Kiosk an der ehemaligen Grenzstation in Scharnitz lade ich die Akkus geschwind mit zwei Schokoriegeln auf und mache mich an den finalen Teil der Route, das Hinterautal. Die Hitze nimmt wieder ab, zügig bin ich an den Isarquellen angekommen und folge dem schwächer ausgeprägten Fahrweg, der links vor dem Forsthaus Kasten abzweigt.

Jetzt wird’s steil!

Der Weg ist unterhalb des ehemaligen Silberbergwerks „Beim silbernen Hansl“ noch gut zu fahren, fordert aber später den versierten Mountainbiker. Steilere Rampen wechseln mit ausgewaschenen Wegabschnitten ab. Die Szenerie wird spektakulärer – das Karwendel zeigt sich hier von seiner besten Seite! Rechts steile, wilde Plattenfluchten, links die schmalen Südkare an den Sonnenspitzen.

Eine knappe halbe Stunde nach der Abzweigung am Kasten lange ich an einer echten „Märchenwiese“ an. Ein zauberhafter Flecken Erde, an dem der Fahrweg endet. Hier wird umgebaut, denn mit dem Rad kommen hier nur Trial-Profis weiter! Es geht auf 17 Uhr zu, und ich habe bis zum Hans-Schuster-Biwak an der Lalidererspitze noch knapp 1100 Höhenmeter vor mir. Offenbar bin ich nicht allein, denn ich entdecke einige andere Bikes, die hinter Steinen und Latschen versteckt wurden.

Um nichts anbrennen zu lassen, gebe ich so gut es geht Gas. Schließlich will ich noch in der Helligkeit beim Biwak ankommen und idealerweise noch einen Abstecher auf den Gipfel der Laliderer Wand machen. Es ist etwas mühsam, die richtige Route durch den Latschengürtel zu finden – nach ungefähr fünf Besuchen auf dem Biwak geht mir die Routenfindung jedoch einigermaßen leicht von der Hand.

Full House

Steilhänge leiten zu flacheren Böden, Schrofengelände wechselt mit Karrenfeldern ab. Schneller als gedacht taucht das silbern schimmernde Biwak schließlich an der Hangkante auf. Über letzte Schneefelder erreiche ich zwei Stunden nach Aufbruch beim Rad das auf 2495 Metern Höhe gelegene „Ufo“.

Und siehe da – es ist richtig was los hier oben! Es sind bereits vier Leute da – vier richtig nette. Sie bieten mir noch etwas zu essen an, dankend wird der Bergschmaus verspeist. Wenig später sprinte ich noch die knapp 130 Höhenmeter hinauf zum 2620 Meter hohen Gipfel der Laliderer Wand. Nebelfetzen umspielen die Karwendelgipfel. Leider ist vom Sonnenuntergang nicht allzu viel zu sehen, trotzdem ist die Stimmung zauberhaft.

Zurück beim Biwak, begeben wir uns nach einem netten Tratsch alle in die Kojen. Ganze Wälder werden diese Nacht umgesägt!

Mieses Wetter

Am nächsten Tag ist, wie angekündigt, das schlechte Wetter da. Im Nassschneetreiben stapfe ich noch hinauf auf die 2588 Meter hohe Lalidererspitze. Der Wind peitscht kleine Schneekristalle wie Nadeln in mein Gesicht, und schnell bin ich wieder unten am Biwak, packe mein Zeug und mache mich im Schneeregen an den Abstieg. Nässe überall!

Beim Rad angekommen, lasse ich es erst einmal rollen. Wie angenehm! Bald wird mir klar, dass es heute mit der geplanten Radelung zurück nach München nix wird. Ich habe heute nicht den Drive, um noch einmal 130 Kilometer, diesmal mit Regen, wegzustecken.

So steuere ich nach 25 Kilometern Fahrtstrecke den Mittenwalder Bahnhof an und nehme die nächste Regionalbahn zurück in die Landeshauptstadt. Wie nach jedem  Karwendelbesuch empfinde ich ein tiefes Gefühl der Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Danke, Bergwelt, für diese tollen Eindrücke!

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