Regensburg Marathon 2014

Ein Marathon kann lang sein, sehr lang. Erst recht, wenn man sich eine ambitionierte Zielzeit gesetzt hat und diese dann nicht einhalten kann. Der Regensburg Marathon 2014 war zwar ein erstes läuferisches Saisonhighlight, hat mir aber auch gezeigt, wo der Hammer hängen kann!

Drei Stunden. Eine geradezu magische Marke für ambitionierte Hobbyläufer. Drei Stunden im Marathon zu unterbieten, davon träumt wohl jeder, der einmal der Jagd auf die Lauf-Zeiten verfallen ist.  Bei mir ist es heute, am 04.05.2014, soweit. Der große Tag ist gekommen. Was haben 10 Wochen systematisches Training mit rund 1000 Laufkilometern und jede Menge Lampenfieber gebracht? Kann ich die drei Stunden beim Regensburg Marathon 2014 unterbieten?

Ich nehme heute nicht das erste Mal die 42,195km unter die Laufschuhsohlen. Ich bin die Strecke zum einen bereits vier mal im Training für den 52 Kilometer langen Karwendelmarsch gelaufen, dabei sind Zeiten zwischen 3:25h und 3:40h herausgekommen. 2013 habe ich zudem beim München Marathon mitgemacht und konnte mich über eine Zeit von 3:13h bei meinem ersten Straßenmarathon-Wettbewerb freuen.

Dass es beim Regensburg Marathon eine Zeit unter der 3h-Marke werden soll, ist also klar. Ich habe das ganze Training auf eine Zeit zwischen 2:50h und 3h abgestimmt. Bei meinen beiden Testläufen konnte ich auf die zehn Kilometer eine Zeit von 37min und 15sec und auf den Halbmarathon eine Zeit von 1:21:36 „einfahren“. Alles Indizien, dass es sich heute eigentlich souverän mit einer Zeit von unter 3h ausgehen müsste.

Erste Hälfte hui, zweite Hälfte pfui

Es ist ein glasklarer und kühler Morgen in Regensburg, als schließlich die Startpistole knallt. Ich habe mich unter den ersten 50 eingereiht, nach etwas Gedränge am Anfang finde ich mich in etwa auf Höhe der ersten Halbmarathon-Frau wieder, die von einem Radler mit Hinweisschild begleitet wird. Mein Ziel ist es, zunächst einen Pace von etwa 4:06min durchzuziehen. Damit stehen mir alle Optionen offen. Ich könnte auf diese Weise nach der Hälfte noch eine Zeit über der 2:50h-Marke anpeilen oder mich zurückfallen lassen um wenigstens die 3h noch zu unterbieten. Ich will das Rennen in vier 10km-Abschnitte einteilen und meinen Pace je nachdem anpassen. Wie ich die finalen 2km angehe, will ich spontan entscheiden.

Das erste Viertel gehe ich, wie zu erwarten, etwas zu schnell an. Die parallel gestarteten Halbmarathonläufer ziehen die etwas langsameren Marathonis ein wenig mit und ich muss mich einbremsen. Den ersten Zehner beende ich nach 40:48 Minuten und bin damit fast genau im Soll, denn das entspricht einem Schnitt von 4:05min/km. Doch schon jetzt merke ich, dass ich heute nicht die „Hammerbeine“ für eine Zeit unter 2:50h habe. Ich lasse mich daher auf dem zweiten Zehner zurückfallen und beende den Halbmarathon schließlich nach 1:27:17h. Die 3h bleiben jedoch (noch) in Reichweite.

Jetzt wäre es jedoch an der Zeit, den Pace entweder zu halten oder wieder ein wenig anzuziehen, um den langsamen finalen Zehner auszugleichen. Von hinten kommt plötzlich die schnellste Marathonfrau und mit ihr der Zugläufer mit dem 3h-Ballon. Die „Ballonläufer“ sind ein Service des Veranstalters und markieren exakte Zielzeiten, also 3h, 3:15h, 3:30h und so weiter. Ich hänge mich ein wenig an den aus Miesbach stammenden Zugläufer und lasse mich mitschleifen. Er läuft stets mit ein wenig Sicherheitspolster. Man geht also kein Risiko ein, wenn man sich so mitziehen lässt.

Kein Saft mehr

Was sich bei km22 schon als leichtes Ziehen bemerkbar machte, wird ab km24 schließlich zum bitteren Ernst. Meine Beine wollen mir heute, nach all dem erfolgreichen Training, einfach nicht folgen. Die Muskeln werden steif und beginnen zu schmerzen. Zudem streiken meine Zehenballen ob der etwas gewagten Sockenwahl und, so mutmaße ich, wegen des vielen Kopfsteinpflasters. Ich schleppe mich mühsam noch mit einem 4:15er Pace weiter, muß aber schließlich abreißen lassen. Die 3h-Marke läuft förmlich vor mir davon…..

Bei km28 streiken die Beine endgültig und ich verziehe mich hinter einer Industriehalle um so gut wie es geht zu stretchen. Nach zwei Minuten schleppe ich mit weiter, der Pace sinkt nun auf jenseits der 5min/km-Marke. Auch wenn ich jetzt noch ein fulminantes Finale laufe, kann ich die 3h vergessen. Sch****! Das kann doch nicht wahr sein!!! Doch ich will nicht aufgeben und wenigstens meine bisherige Marathonbestzeit von 3:13h einstellen.

Bei km32 löst sich jedoch auch dieser Traum in Luft auf. Meine Beine fühlen sich wie Beton an und ich habe Angst, dass ich auch noch Krämpfe bekomme. Also setze ich mich für 4-5min neben die zu durchlaufende Continental-Teststrecke und strecke alle Viere auf dem angewärmten Asphalt von mir. Warum mache ich das hier eigentlich? Weil es möglich ist. Oder eben auch nicht. Verdammt, nicht aufgeben! Innerlich spiele ich schon mit dem Gedanken, einfach im Gehtempo zurückzuwatscheln. Doch nein, das kann es auch nicht sein! Dafür bin ich ganz sicher nicht nach Regensburg gekommen.

Mühsam taste ich mich also wieder an einen 5er-Pace heran, rede mir Mut zu, schleppe mich zurück in die Altstadt und lasse mich von den vielen Zuschauern durch die kopfsteingepflasterten Regensburger Gassen tragen. Ich werde erstaunlicher Weise kaum mehr überholt, kann sogar noch ein paar Plätze gut machen. Leider habe ich meine GPS-Uhr nach einer Pause nicht mehr korrekt gestartet und bekomme daher nur peripher mit, dass ich irgendwo zwischen km40 und km41 die 3:13h „überschreite“. Nach 3:21:23h geht die Tortour de Regensbourg für mich zu Ende. Einmal auf die Schulter geklopft. Immerhin durchgekämpft!!!

Ursachenforschung

Keine Ahnung, ob ich das „Projekt 3h“ noch einmal in Angriff nehme. Nach so einer Quälerei habe ich darauf eigentlich keine Lust mehr, zudem machen mir das Laufen im Gelände und Trailrunning-Wettbewerbe mehr Spaß als das knallharte Asphalt-Gebolze. Auf der anderen Seite – ich hatte ausreichend und gezielt trainiert, alles sprach für den 3h-Erfolg. Vielleicht war es der kleine Infekt, den ich mit mir herumschleppe? Vielleicht waren es die 4km etwas zu schnelles Warmlaufen? Vielleicht war es auch zuviel Ehrgeiz? Um die 3h zu knacken, hätte ich im Grunde nur stupide einen Pace von 4:15:5min halten müssen. Aber ich wollte eben noch ein bisschen mehr, hatte mir das aber auch gut überlegt – und die beiden schnellen Testrennen sprachen ihre eigene Sprache. Trotzdem – was nach der 25km-Marke bei schnell gelaufenen Rennen passiert, ist für relative Neulinge wie mich noch ein wenig Terra Incognita. Ein 10km-Rennen hat man im Griff, auch ein Halbmarathon ist eine übersichtliche Distanz. Der berüchtigte „Mann mit dem Hammer “ kann bei einem Marathon eben recht erbarmungslos sein…

Ich werde in diesem Jahr keinen Straßenmarathon mehr laufen. Dafür einige Trailrennen und als Herbst-Highlight vermutlich wieder den Karwendelmarsch. Entscheidend ist, sich von solch „Mißerfolgen“ nicht den Spaß rauben zu lassen – und auch im Hinterkopf zu behalten, dass eine 3:13h und eine 3:21h bei den ersten beiden Straßenmarathons eben auch ganz respektable Zeiten sind!

Mehr Infos zum Regensburg Marathon unter: http://www.regensburg-marathon.de/

GPS-Track auf Garmin Connect: http://connect.garmin.com/activity/493832886

Autor: Arnold Zimprich

Läufer, Radfahrer, Bergsportler

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