Gotzenalm im Schnee

Das miese Wetter, das ganz Oberbayern die letzten beiden Wochen fest im Griff hatte, hat Bewegungsfanatiker wie mich vor fast unlösbare Aufgaben gestellt. Immerhin hat sich oberhalb von 1450m wieder eine schöne Winterstimmung eingestellt, wie eine hübsche 23km-Runde letzten Samstag am Königssee beweisen konnte!

Am Königsee war ich läuferisch noch nie unterwegs. Auf dem Weg nach Wien biege ich daher Richtung Bad Reichenhall von der Autobahn ab. Mehrere Projekte gurken mir im Kopf herum: Hochstaufen von Piding, Stöhrhaus von Ettenberg oder, ja oder eine Königssee-Umrundung….

Ein Blick aus dem Autofenster macht jedoch deutlich, dass es heute wohl eher was kleines wird. Zudem meinte der Wirt vom Stöhrhaus am Telefon, oben auf knapp 1900m würden 20-25cm Schnee liegen. Nach gefühlten Tausend Hin- und Herüberlegungen entscheide ich mich schließlich, das Auto am Königssee stehen zu lassen und zu versuchen, das Kärlinger Haus laufenderweise zu erreichen, um dann mit dem Schiff über den Königssee wieder zurück zu fahren. Schließlich liegt es nicht ganz so hoch wie das Stöhrhaus.

Als ich an der Jennerbahn-Talstation loslaufe, habe ich meine Laufweste vollgestopft mit Wechselklamotten. Es regnet, es hat unter 10 Grad und ich will auf Nummer sicher gehen. Bei einem derart besch***** Wetter zu starten kostet ein bisschen Überwindung, als ich jedoch die ersten paar hundert Meter Richtung Hochbahnweg hinauf schnaufe, passt alles und sämtliche skeptischen Gedanken sind beiseite gewischt.

„Irgendwo unter dem Nebel muss der Königssee sein“ – diesen Gedanken habe ich heute mehrmals. Zügig führt der Hochbahnweg Richtung Königsbachalm, quert die Piste, auf der wohl der legendäre Jennerstier stattfindet, erreicht einen Aussichtspunkt und mündet schließlich in den Fahrweg, der von Hinterbrand hier hinauf führt.

Ein Traktor mit Viehanhänger rauscht an mir vorbei, die Königsbachalm wird saisonfertig gemacht. Ich lasse die Büchsenalm rechts liegen, laufe kurz hinab Richtung „Kessel“ und erreiche schließlich die Gotzentalalm, die zauberhaft vernebelt und heute sehr einsam in einem Wiesengrund da liegt…von Schnee ist hier noch keine Spur.

Jetzt geht es ordentlich aufwärts, Kehre reiht sich an Kehre, und als ich eine viertel Stunde später an der Seeaualm vorbei laufe, sind erste Schneeflecken im Wald zu erkennen. Wenig später stapfe ich durch Nassschnee und muss mir eingestehen, dass es mit dem Kärlingerhaus heute wohl nichts wird. Denn ich bin der erste, der hier heute spurt, und die Strecke von der Gotzenalm bis Kärlingerhaus ist deutlich anspruchsvoller als das hier..

Der Schnee wird immer höher. Oben, am rund 1700m hohen Sattel neben dem Feuerpalfen, sind es rund 20cm. Von der Gotzenalm (auf einem Hinweisschild steht „2 min“) ist heute rein gar nichts zu sehen, und als ich in Nebel und Niederschlag tatsächlich vor der Alm stehe, denke ich zunächst, dass sie noch geschlossen hat. Das wäre nicht weiter schlimm, habe ich doch Wechselklamotten und Verpflegung dabei. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich jedoch ein paar Fußspuren und wenig später sitze ich bei Kaffee und Schokolade alleine in der Wirtsstube und höre mit an, wie ein Gast nach dem anderen wegen des miesen Wetters telefonisch absagt bzw. umbucht. Gemütlich ist es hier oben und ich versuche den Ausblick, den man von hier bei schönen Wetter auf die Ostwand des Watzmann haben muss, zu imaginieren..

Exakt eineinhalb Stunden habe ich für die knapp 11 Kilometer ab Jenner Talstation bis hierher gebraucht, zurück soll es über die ähnlich lange Strecke über den „Unteren Hirschenlauf“, Branntweinbrennhütte und Brandkopf gehen. Der Hirschenlauf wird wegen zahlloser umgestürzter Bäume jedoch zu einem echten Hindernislauf, zudem nimmt der Regen zu. Spaß macht das kurzfristig nicht mehr, aber die Hoffnung auf einen barrierefreien Pfad stirbt zuletzt. Ich komme zum Teil nur extrem langsam vorwärts und bin heilfroh, als ich mich nach einigen schönen Trail- und Fahrwegabschnitten endlich vor der Mittelstation der Jennerbahn befinde. Das Wasser läuft mir zum Kragen rein und an den Beinenden wieder raus, zudem ist es immer noch empfindlich kalt. Kurz spiele ich daher mit dem Gedanken, mich mit der Bahn wieder gen Tal gondeln zu lassen, reiße mich aber zusammen und folge kurz dem Fahrweg Richtung Hinterbrand. Am Brandkopf vorbei geht es zum Schluß die zahllosen Stiegen durch den Kraulkasergraben wieder hinab zum Nordende des Königssees und nach 3 Stunden Nettolaufzeit, rund 1350 Höhenmetern und gut 23 Kilometern komme ich pitschepatschenass wieder am Parkplatz an.

Fazit: Knackpunkt der Strecke war der fast unlaufbare weil von umgefallenen Bäumen verbarrikadierte Hirschenlauf, der noch dazu bei nassen Verhältnissen ein gerüttelt Maß an Vorsicht verlangt. Sonst hat mich die Landschaft trotz Nebel und Regen schwer beeindruckt. Das nächste Mal bei schönem Wetter!

Gelaufen mit:

GPS-Track gibt es hier:

https://connect.garmin.com/modern/activity/782150691

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