Trailrun auf den Monte Vioz

2000 laufbare Höhenmeter auf einen prominenten Ostalpengipfel – der 3645 m hohe Monte Vioz südlich des Ortlers war ein echter Saisonhöhepunkt!

Peio, Trentino, 4:30 Uhr morgens. Noch ein kurzer Ausrüstungscheck, und schon kann es losgehen. Ich knipse meine Stirnlampe an, orientiere mich kurz und nehme schließlich den 105er Weg, einen komfortablen Ziehweg Richtung Malga Salina.

„Rifugio Vioz: 6 h“ – das sagt zumindest der Wegweiser. Mal gucken, was man bis zum Gipfel des Monte Vioz, der hundert Meter höher liegt als das spektakulär gelegene Rifugio, auf die Beine stellen kann. Er ist einer der prominenteren Gipfel, die den Fornokessel, eines der beliebtesten Skitourengebiete der Ostalpen, eingrenzen. Rund 2000 Höhenmeter liegen heute auf dem Servierteller, ohne große Schnörkel, immer schön rauf, rauf, rauf.

Der Ziehweg fordert gleich zu Beginn die ganzen Läuferbeine, eine lange, betonierte Rampe zieht hinauf zu vereinzelten Almhütten. Der Weg wird jedoch nie langweilig. Er schlängelt sich, mit Rampen garniert, durch den Wald, und bald stehe ich vor dem Brunnen der Malga Salina und nehme einen tiefen Zug kühlen Quellwassers. Die Kühe sind noch im Stall, langsam beginnt es jedoch zu dämmern und der Tag bricht an.

Der Ziehweg wird schmaler, im ersten Morgenlicht komme ich auf dem wenig attraktiven Pistengelände von Peio heraus. Der Ausblick macht jedoch auch die plattplanierten Hänge wett, die Bäume weichen zurück und geben dem Blick frei auf das Val di Peio, die Presanella und Konsorten.

Kehre um Kehre

Wenig später, auf etwa 2200 Metern, verlasse ich die Ziehwege und laufe den nun langsam zum schmalen Pfad werdenden 105er steil hinauf zum Gratrücken, an dessen oberstem Ende auch das Rifugio Vioz thront. Das Pistengelände bleibt zurück, schroffe und hochalpine Bergwelt tritt an seine Stelle. Zeitlich bin ich gut dran, und bald erreiche ich mit 2900 Metern die Höhe des Dente del Vioz, einem schroffen Felszahn. Fotopause!

Wenig später komme ich bereits zur „Schlüsselstelle“ der Strecke, einer leicht exponierten Querung in die Ostflanke des Gratrückens. Zum Glück findet sich nur wenig Schnee, die Verhältnisse sind perfekt. So schraube ich mich mit einem Schnitt von ca. 1000 HM/Stunde höher und höher hinauf und stehe schließlich nach 2 1/4h (2h ohne Pausen) vor dem 3535 Meter hohen Rifugio Vioz und eine viertel Stunde später um exakt 7 Uhr Früh nach einer kurzen, harmlosen Firnpassage auf dem 3645 Meter hohen Gipfel des Monte Vioz. Eine harte Nuss ist geknackt, ca. 95 Prozent der Strecke konnte ich laufen. Schon ein spezielles Gefühl, auf einem recht saftigen Ostalpen-3000er mit Laufschuhen zu stehen. Ein früh aufgestandenener Bergsteiger mit Pickel&Co am Rucksack schaut mich ein wenig verdattert an, wie ich meine Wechselklamotten aus der Laufweste ziehe.

Der Ausblick ist überwältigend: Brenta, Presanella, Adamello, Punta San Matteo, Cevedale, Palon de la Mare, Königsspitze..um nur einige wenige zu nennen. Ich stehe und staune.

Hinab, hinab, hinab

Nach einer kurzen Fotosession jogge ich die rund 100 Höhenmeter wieder hinab zur Hütte und gieße einen richtig schön großen Kaffee in mich hinein, genieße den Augenblick mit ein paar Keksen und laufe dann hinab in die Tiefe, was besser geht als erwartet. Die Stollen meiner Laufschuhe bohren sich in den Untergrund, dass es eine Freude ist, und die Beine sind heute absolut auf meiner Seite. An ein paar kniffligen Stellen muss ich das Tempo rausnehmen, sonst kann ich es aber laufen lassen und komme schnell nach unten voran.

In der Nähe der Bergstation des Lifts zum Rifugio Doss dei Cembri kommen mir erste Bergwanderer entgegen, die berglaufbegeisterten Italiener feuern mich freudig an. Nach einem Tankstopp an einem Brunnen laufe ich schließlich nach exakt 5 Stunden (davon ca. eineinviertel Stunden Pause) um 9:30 Uhr wieder beim Ausgangspunkt ein.

Fazit: Der Monte Vioz ist ein echter Geheimtipp für alle ambitionierten Berglaufbegeisterten. Es gibt in den Ostalpen keinen anderen Berg dieser Höhe, der ohne Gletscherberührung auf einem derart gut laufbaren Weg belaufen werden kann. Ideal ist auch die Hütte kurz unter dem Gipfel, die Schutz und Nahrung bietet!

Trotzdem weise ich sicherheitshalber alle potentiellen Vioz-Beläufer darauf hin, dass man über ein gerüttelt Maß an Trittsicherheit und alpiner Erfahrung und über einen Satz wärmender Wechselklamotten verfügen sollte, um dem Vioz derart ad hoc auf den Pelz zu rücken. Alles andere wäre Leichtsinn.

Technische Daten:

  • Ausgangspunkt: Peio (Wanderparkplatz am k.u.k. österreichischen Soldatenfriedhof) ca. 1660 Meter
  • Gipfelhöhe: 3645 Meter
  • Höhenmeter: mit kleinen Zwischenabstiegen ca. 2000
  • Unterkunft: Rifugio Vioz (3535 m)
  • Kartenmaterial: Tabacco Karte No. 048 Val di Peio – Val di Rabbi – Val di Sole

GPS-Track: https://connect.garmin.com/modern/activity/836177831

Hinweis zum Track: Meine Garmin Fenix 3 hat mir leider ein paar Höhenmeter unterschlagen, zudem ist die Trackaufzeichnung fehlerhaft. Der Höhenmesser hängt sich an der höchsten erreichten Höhe auf, die ebenfalls fehlerhaft angezeigt wird. Zudem ist die Autostop-Funktion völlig unbrauchbar, was das Ermitteln der Nettozeiten schwierig macht. Eine schwache Leistung für das aktuelle Topprodukt, Garmin! Ich hoffe sehr, dass die Bugs mit dem Update auf Firmware-Version 3.80 beseitigt wurden, denn sogar ältere Versionen funktionierten/harmonierten schon besser..

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