Laufwinter 2015 – Klimawandel im Alpenvorland

Drei Läufe innerhalb einer Woche verdeutlichen den Klimawandel im Voralpenland

Ein eigenartiger Winter – aber vielleicht genau das, worauf wir uns die nächsten Jahre einstellen müssen. Längere Kältephasen sind die absolute Ausnahme, die Schneelage ist nur schwer vorauszusehen.

So kam es bei uns im Tölzer Land vor, dass innerhalb von nur einer Woche die Temperatur von minus 15 Grad Celsius auf plus 12 Grad Celsius stieg. Beim Laufen fallen die Temperaturschwankungen besonders drastisch auf.

Frost und Frühling

Am 22.01. lief ich bei frostigen -15 Grad in die Arbeit – beeindruckende Verhältnisse und der wohl schönste Winterlauf bisher. Ich habe den Eindruck, dass Winter-Fanatiker wie ich solche Kälteerlebnisse festhalten müssen wie einen Schatz!

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Link zum Lauf (leider musste ich den Lauf manuell eingeben, da die Datenübertragung meines Test-Forerunners gestreikt hat): http://connect.garmin.com

Eine Woche danach lief ich von Otterfing nach Bad Tölz – ein guter Halbmarathon. Der Schnee-Spuk war schon wieder komplett vorbei. Tauwetter auf einer Traumstrecke.

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Über Palnkam an den Teufelsgraben, diese sagenumwobene, ehemalige Ablaufrinne der Isar. Dann über den „Hochrain“, eine komplett bewaldete, über 750 Meter hohe Hochfläche, an die Verbindungsstraße Dietramszell-Holzkirchen. Schließlich durch den nicht minder beeindruckenden Zeller Wald hinauf zur „Grünen Marter“ und über verlassene Waldpfade zum Kogler Lack.

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Der Zeller Wald hat mich verzaubert. Definitiv einer der wildesten Flecken im Tölzer Landkreis. Man findet nur wenig darüber im Internet. Und das, was man findet, zeugt von der Wildheit des Geländes. Haberfeldtreiben, Schwedeneinfälle – ich muss glaube ich mal ins Dietramszeller Dorfarchiv gehen, um zu recherchieren.

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Schließlich Endspurt über Ellbach. Und das alles bei Temperaturen über zehn Grad! Ende Januar!

Link zum GPS-Track: http://connect.garmin.com

Nur zwei Tage später danach bei intensivem Nassschneefall ein knapper 30er via Fischbachmühle und Isarstausee rüber ans Isar-Ostufer. Dann über den „Ratzenwinkel“ und die „Sauhölle“ nach Schnaitt und Hechenberg. Runter nach Bairawies und Einöd. Retour über Tattenkofener Brücke, Malerwinkel, Schuß und Berg.

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Die Strecke war gut ausklamüsert und von anderen Läufen und Radfahrten größtenteils bekannt, trotzdem ärgerlicher Verhauer bei Schnaitt. Ich lief frei Schnauze und war schlicht zu faul um ordentlich zu navigieren. Ergebnis: Orintierungsschwierigkeiten und Wegverlust in einem Bachtälchen und später die Erkenntnis, dass ich in der verschneiten Landschaft Schnaitt mit Reut verwechselt habe. Peinlich, peinlich…da werden Erinnerungen an die Zeit der Winterausbildung bei den Pfadfindern wach!

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Die nasskalten Bedingungen machten den Lauf zudem maximal energieraubend. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Marathon mal so geschlaucht hat wie dieser 30 km-Lauf!

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Link zum GPS-Track (für die Spitzfindigen: im Ratzenwinkel hatte ich mit einem Signalverlust zu kämpfen): http://connect.garmin.com/

Was nach diesen völlig unterschiedlichen Läufen innerhalb von nur 9 Tagen bleibt, ist ein fahler Beigeschmack. Die Winter, wie sie hier im Alpenvorland typisch waren, scheinen passé zu sein. Mich macht das traurig und betroffen zugleich.

Das Absurde daran ist, dass die outdoorsportliche Menschheit (wenn überhaupt) nur sehr langsam dazu bereit zu sein scheint, Kompromisse einzugehen, sich zu bremsen, mal an einem halbscharigen (für die Nicht-Bayern: wettertechnisch nicht ganz optimalen) Wochenende daheim zu bleiben. Zwar sieht man (zumindest habe ich das Gefühl) ein paar mehr Läufer und Sportler, die bewusst ihre unmittelbare Umgebung zum Sporteln verwenden und kreativ sind, was das „Sporteln vor der Haustür“ angeht. Die klassische Skifahrer- und Skitourengeherfraktion scheint jedoch nach wie vor auch haarsträubende Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um dem Schneesport zu fröhnen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich damit eine ganze Szene langfristig ihr eigenes Grab gräbt und sehenden Auges nur noch verzweifelter weit entfernte Hänge hinunterkratzt.

Klar, Verzicht als Lifestyle ist nicht sexy. Aber klimaverwandelte Berge und Autokolonnen in die letzten verschneiten Täler sind noch viel weniger sexy.

Der Mensch war noch nie besonders gut darin zu schützen, was er liebt. Was denkt ihr? Ist Euch das zu pessimistisch? Ist alles gar nicht so schlimm? Sollen sich die Berge und die Teilzeit-Ökos mal nicht so haben? Ich freue mich über Kommentare.

Autor: Arnold Zimprich

Läufer, Radfahrer, Bergsportler

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