Mittenwalder Höhenweg auf Speed

Im Rahmen eines Klettersteigset-Tests ging es auf die Schnelle den Mittenwalder Höhenweg entlang. Bis mich der Schnee ausbremste.

Jetzt schon aufstehen? Nein. Ich schalte den Wecker um vier Uhr wieder aus. Heute wird es nichts mit dem Sonnenaufgang, heute bin ich zu müde. So schwinge ich mich erst um viertel vor sieben ins Auto und fahre nach Mittenwald, wo ich kurz nach halb acht am Parkplatz der Brunnsteinhütte losstarte.

Das Ziel: mindestens Kirchlspitze, eventuell Sulzleklammspitze, vielleicht sogar der ganze Mittenwalder Höhenweg. Im Gepäck: ein funkelnagelneues Edelrid Klettersteigset, das ich kurz für meinen Arbeitgeber Bergzeit testen werde. Der Clou: Um zügig oben zu sein, werde ich das ganze mit einem ausgewachsenen Berglauf kombinieren, von daher ist die restliche Ausrüstung sehr leicht.

Entsprechend schnell geht’s die Serpentinen rauf zur Brunnsteinhütte, wo ich nach einer guten halben Stunde durchlaufe. Zwei Leute sitzen mit Kaffee auf der Terrasse, ich grüße und renne gleich durch. Möge der Kaffee mit Euch sein! Die Kehren werden länger und flacher – optimales Laufgelände hier oben. Erst ganz zum Schluß, kurz unter dem Brunnsteinanger, wird der Lauffluß durch schrofige Abschnitte durchbrochen. Eineinviertel Stunden nach dem Start am Auto komme ich am Beginn des Mittenwalder Klettersteigs auf ca. 2250 Metern Höhe an, ein weiterer Aspirant gesellt sich dazu. Toller Blick Richtung Osten ins Karwendeltal!

Nach kurzer Umrüstung gehen wir gemeinsam los. Ich schieße immer wieder Bilder meines „Testgeräts“ und munter geht es über Gratkuppen, versicherte Stellen und Gehgelände hinauf zur Kirchlspitze auf 2301 Meter. Wir sind guten Mutes, dass wir den kompletten Steig packen können, und so turnen wir gleich auf der anderen Seite steil hinab zur Einschartung Richtung Sulzleklammspitze, deren 2321 Meter hohen Gipfel wir wenig später erreichen. Halbzeit, wenn man so will – denn ab hier strukturiert sich der Steig Richtung Linderspitzen, das Ziel liegt greifbar nahe.

Als wir uns jedoch an den Abstieg von der Sulzleklammspitze machen, werden erste steilere Schneefelder gequert. Die von Süden her erste Klettersteig-Leiter führt in eine breite Rinne, die noch gänzlich von tiefem, sulzigem Schnee ausgefüllt ist. Schnell ist die Entscheidung gefallen, hier nicht weiterzugehen. Erstens ist unklar, was danach noch an Hindernissen folgen könnte, zum anderen ist die Gewitterneigung heute nicht zu unterschätzen. Und drittens habe ich nicht das nötige Schuhwerk dabei, um so eine Stelle mit der nötigen Sicherheitsreserve queren zu können.

So turnen wir zurück Richtung Süden, verabschieden uns und ich laufe zügig wieder hinab zum Parkplatz, wo ich noch vor 12 Uhr mittags eintreffe. Bis zur Brunnsteinhütte begegne ich nicht einer einzigen Person, zwischen Hütte und Parkplatz sind es ungefähr 50 (!). Alles in allem eine gelungene Aktion mit zwei hübschen Zweitausendern!

Hier gibt’s die GPS-Tracks:

Website der Brunnsteinhütte: http://www.brunnsteinhuette.de

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