Hochtouren/Laufen/Trailrunning

Habicht in a Nutshell

Der 3.277 Meter hohe Habicht in den Stubaier Alpen ist ein Aussichtsgipfel erster Güte. Rückt man ihm zum Sonnenaufgang im Trailrunning-Modus auf den Pelz, entfaltet sich ein ganz besonderer Zauber… 

Der Mond spiegelt sich auf der silbrig schimmernden Oberfläche des Walchensees. Kein Mensch ist um diese Uhrzeit auf der B11 Richtung Tiroler Grenze unterwegs. In Scharnitz dann ein Zeitungsausträger, auf der Inntalautobahn ein paar Nachtschwärmer, dann bin ich wieder mit meinen Gedanken allein….welcher Dreitausender soll es sein?

Ein stattlicher Tiroler Berg, mal schnell am Morgen – die Aktion will gut überlegt sein. Zwieselbacher Rosskogel im Sellrain? Nicht schon wieder. Hoher Riffler vom Schlegeisspeicher im Zillertal? Lüsenser Fernerkogel? Alles alte Bekannte. Ich will einen für mich neuen, unbekannten, unbelaufenen, spektakulären Berg. Schnell dort, schnell oben, schnell wieder weg – das sind die Kriterien.

Der Habicht ist das Ziel

Bis Seefeld in Tirol zögere ich noch, dann kristallisiert sich der 3.277 Meter hohe Habicht heraus. Als Leistungstest und zum schnellen Höhenluft-Schnuppern ist der auffällige, mächtige Klotz, der einem von vielen Seiten ins Auge sticht, ideal.

Ein kurzer, steiler Anstieg aus dem Gschnitztal über die Innsbrucker Hütte. Kein Gletscherkontakt. Ausgezeichnete Aussicht. Nur 15 km für Auf- und Abstieg. 

Und danach wieder relativ zügig in der Arbeit, schließlich ist der Urlaub für 2016 schon verbraten. Dazu knackige 2.000 Höhenmeter – und eine offene Rechnung. Denn der Habicht bewarf mich und meine Kameraden vor rund 20 Jahren am Mischbachferner derart mit Geröll, dass wir mit der AV-Jungmannschaft unverrichteter Dinge wieder den Rückzug antraten. Um halb sieben geht die Sonne auf – Auftrag angenommen!

Auffi über die Innsbrucker Hütte 

Um kurz nach vier sperre ich am Gasthof Feuerstein das Auto ab, schultere den Laufrucksack und verlaufe mich. Sch***! Das kommt davon, wenn man die Karte daheim vergisst. Der Irrtum ist bald bemerkt und die richtige Route eingeschlagen. Wenn man die mal hat, braucht es hier – gute Orientierung vorausgesetzt – auch keine Karte mehr.

Der Anstieg zur Innsbrucker Hütte über rund 1.100 Höhenmeter ist ein nicht enden wollender Kehrensteig. Linksrum. Rechtsrum. Linksrum. Rechtsrum. Linksrum. Rechtsrum. Linksrum. Rechtsrum. Es sind mehr als hundert Kehren, ehe es das erste mal länger geradeaus geht. Ich habe gezählt!

Zwischendrin riecht es nach Aas, dass mir die Luft wegbleibt. Irgendwo gammelt etwas vor sich hin. Die Höhenmeter purzeln, die Stirnlampe bohrt sich durch die Dunkelheit. Endlich, da oben, ein Lichtschein. Die Innsbrucker Hütte. Eine gute Stunde ist vergangen. Ich bin im Plan!

Über abgeschliffene Felsplatten geht es weiter – es beginnt zu dämmern. An Laufen ist hier streckenweise nicht mehr zu denken. Eher ist es eine anregende Turnübung mit gelegentlichen Drahtseil-Intermezzi, wobei das Drahtseil eher Luxus als notwendig ist. Wenigstens muss man so nicht lange nach der richtigen Route suchen…

Bald arbeite ich mich die Nordostflanke des Habicht weit über dem Pinnistal empor. Die Aussicht entschädigt für den frühen Aufbruch. Plötzlich erscheinen über mir zwei Lichtkegel. Es sind Mainzer, die auf ca. 3.000 Meter gebiwakt haben.

Auf dem Gipfel des Habicht

Schließlich ist es hell genug. Die Lampe wandert in den Laufrucksack, das Gelände neigt sich zurück. Da taucht der Habichtferner auf. Es wird reichen mit dem Sonnenaufgang. Eine kurze Hangelei noch, und nach 2h 20 Minuten stehe ich oben auf diesem Bollwerk aus Fels und Eis.

Egal, wie oft man schon zum Sonnenaufgang auf einem Gipfel stand, es ist immer wieder ein Erlebnis. Erst recht, wenn so viele alte Stubaier Bekannte wie Wilder Freiger, Zuckerhütl, Ruderhofspitze u.v.m. wie auf dem Servierteller vor einem ausgebreitet liegen. 

Der Habicht, ein Aussichtsberg – dem kann ich nur zustimmen. Die etwas vorgelagerte Position bietet Tiefblicke ins Tiroler Unterland und Weitblicke bis zur Weißkugel.

Ein Ratsch mit den Mainzern, ein kleines Frühstück, und schon mache ich mich an den Abstieg/ Ablauf. Um neun Uhr bin ich wieder unten am Auto und um elf in der Arbeit.

Technische Daten kurz&knapp:

  • Ausgangspunkt: Parkplatz hinter dem Gasthof Feuerstein im Tiroler Gschnitztal (1280 m)
  • Streckenlänge: 15 km (rauf&runter)
  • Höhenmeter: ca. 2.000 
  • Laufzeit 2 h 20 min / Gehzeit laut Führer insgesamt 5 – 6 Stunden
  • EinkehrInnsbrucker HütteGasthof Feuerstein 

Gelaufen/Gegangen mit:

Hier geht es zum GPS-Track:

Für eine reibungslose Rückfahrt bedanke ich mich bei:

  • 1,5 Liter Schwipp-Schwapp
  • 4 Billo-Nussecken vom Penny
  • 1h FM4 (warum in aller Welt gibt es in Bayern immer noch kein per UKW empfangbares Äquivalent?)

2 Kommentare zu “Habicht in a Nutshell

  1. Hallo, schöne Tour! Es sieht so aus, als ob man bei Strava den GPX-Track nur runterladen kann, wenn man Premium-Member ist.  Könnten Sie mir bitte den Track zuschicken? Vielen Dank im Voraus! Mit besten Grüßen aus München, Achim Müller — Achim F. MuellerBertelestr. 8681479 Muenchen / GermanyPhone: +49-179-7949175e-mail: achim_m@yahoo.com

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