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Dezember-Laufrunde im Estergebirge

Dem Schneemangel sei dank ging es sich Mitte Dezember mit einer hübschen Laufrunde durch das Estergebirge aus. Beeindruckender Föhnsturm auf dem Krottenkopf inklusive.

Mit einem dumfpen „Klock“ fällt die Autotür ins Schloß. Die Entscheidung, nach Wallgau zu fahren, fiel quasi unterwegs – ein Phänomen, dass ich seit Geburt unserer Kinder häufig beobachtet habe. Für Planung bleibt wenig Zeit und wenig Muße. Meist schwirren mir glücklicherweise mehrere Projekte im Kopf herum, ich muss also nur in den „Fundus“ greifen und eines herausfischen. Was dann tatsächlich in Angriff genommen wird, entscheidet das Bauchgefühl während des Aufbruchs.

Entsprechend gespannt bin ich, ob ich die Strecke (die ich nie zuvor gelaufen bin), in der Dezember-Dunkelheit auch auf die Schnelle finde. Darüber hinaus habe ich (bitte nicht nachmachen!!) keine Karte dabei, kann also alles nur „aus dem Kopf“ laufen. Immerhin habe ich mir die Route auf allen möglichen verfügbaren Kartenwerken gut eingeprägt.

Letzten Endes ist das Relief des Estergebirges auch nicht so verwirrend, dass man sich – zumindest bei gutem Wetter – großartig verlaufen könnte.

Zum Wildsee

Der Plan in groben Zügen: Vom Wanderparkplatz an der B11 kurz vor Wallgau über den sogenannten „Wallgauer Steig“ auf die Hohe Kiste, danach via Weilheimer Hütte auf den Krottenkopf und über den „Krüner Steig“ wieder retour.

Zunächst schlapfe ich über breite Ziehwege und einen von beeindruckenden Eisformationen „überbackenen“ Karrenweg hinauf in den „Schwarzen Graben“. Treffender könnte ein Flurname kaum sein, an diesem 11. Dezember ist es hier um zwanzig nach sechs wirklich stockfinster. Durch Holzarbeiten ist der Pfad zudem abschnittsweise völlig unter Geäst verschwunden. Ein ganz besonderes läuferisches Schmankerl zu dieser frühen Stunde!

Der Raureif glitzert im Schein meiner nagelneuen Petzl-Stirnlampe, Sterne funkeln über den Baumwipfeln – was für eine Entschädigung für die Strapazen. Schließlich geht es recht steil am „Kirchstein“ vorbei zum Wildsee, den ich links liegen lasse. Langsam setzt die Dämmerung ein…

Die Orientierung im Wildseetal ist im Halbdunkel schwierig – besonders durch die leichte Schnee-Anzuckerung. Markierungen sind stark ausgeblichen, der Steig verliert sich mitunter zwischen Felsen und Fichten. Mehrmals wähne ich mich schon auf dem Holzweg, als jedoch das weite Becken der Kühalm vor mir liegt, kann ich beruhigt weiterlaufen.

Hohe Kiste – und weiter

Langsam aber sicher schraube ich mich höher, laufe schließlich steil hinauf zum Gipfel der Hohen Kiste. In der Tiefe huschen andere Berg-Aspiranten über die A95 Richtung Garmisch. Kurz ein paar Fotos geschossen, und schon geht es hinüber Richtung Weilheimer Hütte. Ein großes Gamsrudel harrt der Dinge, die da kommen, und kurz vor acht stehe ich vor der „Weilheimer“, die sich tapfer gegen die stärker werdenden Sturmböen wehrt.

Wer pausiert, verliert (zumindest Zeit) und so laufe ich gleich durch zum Gipfel des Krottenkopf. Allerdings kann von Laufen bald keine Rede mehr sein, denn der Föhnsturm wird so stark, dass er mich fast vom Berg bläst. Ich muss direkt überlegen, ob ich in meiner inzwischen doch schon 32 Jahre währenden alpinsportlichen „Karriere“ – schließlich stand ich mit 6 auf meinem ersten 3.000er – in den Nordalpen schon mal so einen Föhnsturm erlebt habe.

Zweieinviertel Stunden nach Aufbruch stehe ich auf dem Gipfel des 2.086m hohen Krottenkopf und muss Stecken und Ausrüstung im Zaum halten, sonst würde alles waagerecht Richtung Krün das Weite suchen.

Der Sturm rüttelt an den Klamotten und faucht um das Gipfelkreuz, dass einem bange wird. Der höchste Berg der Bayerischen Voralpen fühlt sich heute an wie ein ausgewachsener Viertausender. Zum Glück findet sich ein leidlich windgeschütztes Plätzchen. Ich mache ein paar Schnappschüsse.

Runter über den „Krüner Steig“

Lange hält es mich nicht, und so steuere ich den Vorraum des Winterraums (der WR selbst ist nur mit AV-Schlüssel zugänglich) der Weilheimer Hütte an, um mich umzuziehen. Danach geht es zum Glück etwas windgeschützter hinab auf das „Michelfeld“, ein geologisch hochinteressantes Karst-Hochplateau, das Laufgelände vom Feinsten bietet.

Am 1.829 Meter hohen Klaffen vorbei erreiche ich schließlich die Krüner Alm, die in beeindruckender Lage hoch über dem Wallgau-Krüner Becken thront. Zeit für einen kleinen Snack, diesmal in absoluter Windstille!

Das ursprüngliche Ziel, um halb zehn wieder beim Auto zu sein, zerläuft mir sozusagen unter den Füßen. Ich habe festgestellt, dass sich die Zeitangaben auf der Wander-Beschilderung ziemlich genau durch drei teilen lassen, um auf das/mein Lauftempo zu kommen. Trotzdem – heute war ich etwas arg optimistisch.

Außerdem: Wenn schon die „Basiswerte“ auf der Beschilderung nicht stimmen, können auch die errechneten „Laufwerte“ nicht korrekt sein. Ich komme auf der Runde mehrmals an Schildern vorbei, auf denen sich die Zeitangaben nicht unterscheiden – soll heißen, obwohl ich dem Ziel näher komme, bleiben die Stundenangaben auf den Schildern gleich.

Wie dem auch sei – nur wer läuft, kommt dem Ziel näher. Von daher macht es auch keinen Sinn, sich zu lange mit der  Wallgauerisch-Krünerischen Beschilderungsphilosophie aufzuhalten.

Zurück über den „Magdalena Neuner-Fanweg“

Ein hübsch geschwungener Steig führt von den Krüner Alm hinab zu einem eher faden Fahrweg. Umso glücklicher bin ich, als nach der Wildbädermoos-Diensthütte wieder ein hübscher Pfad nach links im Hangwald verschwindet, dem ich, auch als er sich erneut in einen Fahrweg verwandelt, bis hinab nach Wallgau folge.

Ein echtes Highlight ist der finale „Panoramaweg“, der mich aussichtsreich unterhalb des Wallgauer Hausbergs Krepelschrofen zurück zum Auto leitet. Alle  ca. 100 Meter wird hier der Großtaten (und Lebensstationen) der Wallgauer Lokalheldin Magdalena Neuner gedacht. Interessante Form, einer(m) ansässigen Sportler(in) zu huldigen! Schließlich laufe ich nach gut 24 Kilometern Strecke um viertel nach zehn wieder beim Auto ein. Schöne Runde – im Sommer mal wieder laufen!

Technische Daten:

  • Strecke: 24,3 km (Fenix 3); 24,9 (outdooractive)
  • Höhenmeter: 1.401 (Fenix 3); 1.470 (outdooractive)

–> Das GPS hatte ab und an Aussetzer, daher die Divergenzen

Hier geht es zum GPS-Track:

https://www.strava.com/activities/799209401

Homepage der Weilheimer Hütte:

http://www.dav-weilheim.de/content/weilheimerhuette.html

Homepage von Christian Weiermann, Wirt der Weilheimer Hütte und Fotograf:

http://www.weiermann-foto.de/ueber-mich/

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