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Sportlicher Jahresrückblick 2016

2016 war geprägt von – der Geburt unserer zweiten Tochter und dem Umbau unseres Hauses. Trotzdem ging es sich mit rund 1.450 Lauf – und 4.300 Radkilometern aus, worüber ich selbst ein wenig überrascht bin.

Laufen und Radeln zu „abstrakten“ Tageszeiten – das ist es wohl, was 2016 gekennzeichnet hat. Stehe ich von Haus aus selten nach 6 Uhr auf, war es dieses Jahr oft schon fünf Uhr – um noch schnell eine Runde in den Laufschuhen zu drehen oder rechtzeitig für die Anfahrt in die Arbeit mit dem Rennrad „betriebsbereit“ zu sein.

In die Arbeit Radeln – Kilometerproduzent Nummer 1

Ich gebe zu – was Autofahren angeht, bin ich ein Öko. Erst recht, wenn es sich um Solo-Fahrten in die Arbeit handelt, die nun mal ökologisch fragwürdig sind, um es mal in der gebotenen Härte zu sagen.

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4.300 Kilometer – mit diesem km-Ergebnis bin ich 2016 ganz zufrieden.

Als Anfang 2016 klar wurde, dass meine äußerst geschätzte Mitfahrgelegenheit meinen Arbeitgeber verlassen würde und ich mein Mobilitätsverhalten überdenken muss, kam eigentlich nur eines in Frage: Rauf aufs Rad! Denn alleine im Auto zu sitzen…macht (zumindest mir) auf Zweckfahrten wie der Arbeitsstrecke keinen Spaß. Es sei denn, man erarbeitet es sich und freut sich dann nach ein paar Tagen auf dem Rad wieder darauf. Nota Bene: Zum Glück hat sich inzwischen wieder eine MFG ergeben!

Langstrecken jenseits der etwa 50km, die eine Hin&Rückradelung zur/von der Arbeit bedeuten, waren hingegen selten. Die einzige Langstrecke war eine Fahrt von zu Hause nach Kaufbeuren – immerhin 185 km. Wieder einmal bin ich die Strecke Königsdorf-Bad Tölz-Jachenau-Wallgau-Garmisch-Oberau-Ettal-Linderhof-Plansee-Reutte-Füssen-Kaufbeuren geradelt, die schöner nicht sein könnte. Extrem abwechslungsreich und sehr fotogen.

Wettkämpfe 2016 – Reinfälle und Stockerlplätze

2016 als erfolgreiches Wettkampfjahr zu bezeichnen, ist übertrieben. Zwar habe ich bei der Raiffeisen Oberland Challenge den dritten Platz in der AK-Gesamtwertung gemacht, das aber nur, weil mehrere deutlich schnellere Kandidaten nicht in die Gesamtwertung gekommen sind. Aber immerhin!

Für Langstrecken und/oder Ultras fehlte 2016 die Zeit. Familie geht vor – und etliche Stunden (während der sowieso schon knappen Freizeit) durchs Gelände zu schlurfen, während die Lieben zu Hause Däumchen drehen ist nicht gerade fair, zumindest nicht in meinen Augen.

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Spontanlauf statt Wettkampf: Wie hier im Dietenhausener Forst waren es 2016 eher die kurzfristig geplanten Laufaktionen, die für Euphorie sorgten.

Trotzdem – ein bis zwei Trainings-Ultras jenseits der 45 km so wie in den vergangenen Jahren würde ich 2017 schon ganz gerne wieder einbauen, eventuell auch wieder einen „kurzen“ Wettkampf-Ultra wie den Karwendelmarsch. Auf jeden Fall werde ich wieder einen Versuch unternehmen, die Birkkarspitze von zu Hause zu belaufen. Solche Zielsetzungen sind einfach schön!

So war 2016 der einzige Wettbewerb jenseits der 20k-Marke der Salzburg Marathon am 4. Mai. Okay, ich gebe zu – ohne systematisches Training einen Marathon unter 3h laufen zu wollen, ist für einen mittelalten Läuferknochen wie mich, der noch dazu noch nie einen Marathon unter 3:12 gelaufen ist, ambitioniert. Aber warum nicht einfach ausprobieren?

Schließlich habe ich eine HM-Bestzeit von 1:24 min undeinpaarzerquetschten und auf 10k bin ich schon mehrmals unter 39 und einmal unter 38 min geblieben, und das auch ohne verzweifeltes Trainieren. Aber es hätte eben nicht sollen sein. Bis km 32 sah alles nach einer Sub 3h-Zeit aus und der Pacemaker war in unmittelbarer Nähe – dann, ja dann verließen sie ihn, die Beine.

Fazit: Abbruch bei km 34, DNF, Schwamm drüber. Und die Erkenntnis: Keine Ahnung, ob ich nochmal einen Marathon in Sub 3h anpeilen will. Dafür bin ich vielleicht trainings- und esstechnisch zu chaotisch, undiszipliniert und spontan unterwegs – was mir ja selbst herrlich viel Spaß bereitet!

Hoch- und Alpines

Alpinistische Highlights dieses Jahr waren ganz klar die Belaufung des Habicht zum Sonnenaufgang im September und ein traumhaftes Biwak am Vorderen Brochkogel im August – und, ja und die Kraxentour mit Mathilda auf die Tutzinger Hütte nur einen Tag nach Geburt meiner zweiten Tochter Luise. Selten bin ich so viel Schmetterlingen im Bauch in den Bergen unterwegs gewesen! Für weitere „Großtaten“ in den Zentralalpen fehlte schlicht die Zeit…ich vermisse sie auch gar nicht großartig. Tempora mutantur.

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Unterwegs auf einem unbekannten Ötztaler: Der Vordere Brochkogel bot Bergspaß vom Feinsten.

Im Rahmen mehrerer „kurz&knackig-Trailruns“ bin ich dafür – zum Teil vor der Arbeit – auf die Linderspitze, den Mittenwalder Höhenweg und die Rappenspitze gerannt. Das läuferische Highlight war für mich 2016 jedoch die Belaufung des gesamten Kammes vom Galgenstangenjoch über Fermerskopf, Dreierspitze, Krapfen- und Gumpenkarspitze, Soiernspitze und Schöttelkarspitze. Ein tranceartiger Lauf über etliche Gipfel bei traumhaftem Wetter, von dem ich immer noch zehre – auch wenn der Rückweg zum Auto durch das verwachsene Fischbachtal mit einem unschönen Irrweg endete.

Achja – jetzt hätte ich es fast vergessen. Aufgrund des Schneemangels ging es sich im Dezember noch mit einer großartigen Runde durch das Estergebirge aus, neben meinem „Schnupperkurs Allgäuer Hochalpen“ im Oktober eines der einsamsten sportlichen Unterfangen 2016 und ein echter Lauftraum!

Laufen und Depression

Warum fällt es schwer, über Depression zu schreiben? Vielleicht ist es nur die negativ konnotierte Bezeichnung. Vielleicht sollte man Depression lieber Guinza Hermosa nennen, und alle würden drüber reden. Wie dem auch sei – ich möchte in diesem Jahresrückblick auch darauf zu sprechen kommen.

Einige mögen sich wundern, warum ich über Depressionen reden kann/will. Depressionen und Sport – das sind doch zwei Paralleluniversen, oder etwa nicht? Im Gegenteil – Depressionen und Sport können sehr eng zusammenhängen.

Dazu ein paar kompakte Infos: meine Mutter erkrankte bei meiner Geburt 1978 an Multipler Sklerose (MS), ihr Zustand verschlechterte sich Schritt für Schritt – im wahrsten Sinne des Wortes. Gehprobleme führten zum Gehen am Stock, nach dem Stock kam der Rollator, ab ungefähr 1986 dann der Rollstuhl.

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Dezembersonne auf dem Krottenkopf

Meine Familie war mit der Betreuung meiner Mutter zunehmend be- und schließlich überlastet. Als ich zwölf war, wurde sie in ein Heim eingeliefert. Neun Jahre später starb sie an den Folgen der Krankheit.

Die Situation zu Hause wurde zunehmend schwierig, ich bekam enorme Probleme in der Schule. Schulwechsel, Schulabbruch, Fachabi nicht bestanden. Ich brauchte mehrere Anläufe auf das Abi und nahm schließlich den „Umweg“ über Lehre/Berufsschule sowie Berufsoberschule.

Gemäßigter Sport = Therapie

Die chaotische Kindheit und Jugend blieb nicht ohne seelische Begleiterscheinungen. Mehrmals verlor ich aus den Augen, wofür es sich eigentlich zu leben lohnt. Ziellosigkjeit, Perspektivlosigkeit, Freudlosigkeit – ich erfuhr bereits mit 16 Jahren was es bedeutet, wenn man seines Lebens müde ist. Mehrere Therapien und medikamentöse Behandlungen halfen mir dabei, die schwierigen Zeiten und den frühen Tod meiner Mutter zu verarbeiten.

Nicht die Schulkarriere und das Vorankommen im jugendlichen Leben standen über mehrere Jahre im Vordergrund, sondern die seelischen Probleme, die mich mehrmals beinahe erdrückt hätten.

Was jedoch stets half, war Sport. Schon mit 10 Jahren begann ich, durch die 7 km-Radstrecke in die Schule Ausgleich zur problematischen Situation zu Hause und zu den immer drängender werdenden Problemen mit Lerninhalten, den Lehrkräften und Mitschülern zu suchen und zu finden. Zwar schaffte ich es nicht immer, Sport als Ventil/Katalysator einzusetzen, aber immer häufiger und immer „besser dosiert“.

Inzwischen bin ich (fast) beschwerdefrei, also ohne ernsthafte depressive Phasen, ohne Medikamente. Und wenn ich doch einmal merke, dass die Stimmung in die falsche Richtung zu kippen droht, heißt es „Überwinden, Loslaufen/radeln, Verarbeiten“. 

So einfach ist das! Die Beobachtung, dass sich die Stimmung während des Sportelns im Grunde immer zum Positiven verändert – das hört sich nach einer trivialen Erkenntnis an. Und doch ist es eine der entscheidensten Tatsachen/Erkenntnisse/Regeln/Naturgesetze, die mir in meinem Leben geholfen haben.

Als Begleiterscheinung ist bei mir der Berg-, Lauf- und Radsport zu einer echten Leidenschaft geworden. Anstatt aus einer Not heraus zu sporteln, dient der Sport längst als Selbstzweck. Am Ende also so etwas wie eine Liebesgeschichte mit therapeutischem Hintergrund. Was ich damit sagen will? Geht’s Dir mal seelisch nicht so gut, gib Dir einen Ruck. Schnür die Laufschuhe. Radel eine Runde. Mach wenigstens einen Spaziergang. Wirst sehen – es hilft!

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Morgenstimmung am Habicht – eines der Highlights 2016.

Jahresrückblicke – ja braucht’s denn das?

„Warum denn noch so ein dämlicher Jahresrückblick?“ mögen sich einige fragen. Nun, warum nicht, sage ich, wenn ich ein paar Leute dadurch zum Sporteln animieren kann und vielleicht dazu, beim Pendeln in die Arbeit mal aufs Auto zu verzichten und stattdessen auf Öffis oder Fahrrad umzusteigen. Für mich einer der Gründe überhaupt, Sport zu treiben!

Ich wünsche allen, die diese zwischen Lebkuchen und Keksen zurechtgezimmerten Zeilen lesen, ein unfallfreies und schönes Sportjahr 2017!

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