Heimgarten und Herzogstand by fair means

Heute gibt es mal einen Triathlon der etwas anderen Art: Anreise mit dem Rennrad, Belaufung mit den Laufschuhen – und Retour ebenfalls mit dem Rennrad. Natürlich möglichst hurtig, damit der sportliche Aspekt nicht zu kurz kommt!

4:30 Uhr. Der Mond spiegelt sich auf dem Asphalt der B11. Zwischen meinem Heimatort und Kochel am See begegne ich auf der B11 2 (!) Autos. Um diese Uhrzeit macht das Rennradeln auch auf einer tagsüber überlasteten Bundesstraße Spaß. Abgesehen davon: Wer Herzogstand und Heimgarten an einem knalligen Maiwochenende für sich haben möchte, muss früh aufbrechen.

Nach zügiger Radfahrt schließe ich das Rennrad hinter Schlehdorf ab. Punkt halb sechs wechsle ich in die Laufschuhe und nehme die Fahrstraße in den Kessel nordöstlich des Heimgarten in Angriff.

Die Sonne blinzelt durchs Buchengehölz, der Tag bricht an. Der Fahrweg wird zum Steig, steil geht es bergauf zum Nordrücken des 1790 Meter hohen Bergs. Knapp 1 1/4 Stunden nach dem Loslaufen bin ich am Gipfelkreuz. Ein schwer bepackter Wanderer ist der einzige, den ich während des Aufstiegs getroffen habe.

Nach kurzer Fotopause geht’s gleich weiter zum Herzogstand. Der Gratrücken macht Spaß, Tiefblicke zum Walchen- und Kochelsee würzen die Strecke. Auf und ab und hin und her – die Strecke lässt keine Langweile aufkommen. Kein einziger Mensch ist hier unterwegs und so bin ich direkt überrascht, im Gipfelpavillon auf dem Herzogstand zwei dick eingepackte Fotografen anzutreffen, die Fotoausrüstung im Wert eines Kleinwagens Richtung Sonnenaufgang aufgebaut haben. Es zieht wie Hechtsuppe, mir weht es fast die Flasche aus der Hand!

Also schnell weiter. Spaßig geht’s runter über das Herzogstandhaus und den Fahrweg bis zur Abzweigung des Pionierwegs, der wie bei der letzten Belaufung im Winter eine Mordsgaudi macht! Offenbar waren hier auch Mountainbiker unterwegs. Definitv ein Weg der Sorte, die mir persönlich mit Laufschuhen mehr Spaß macht…

Nach exakt zweieinhalb Laufstunden erreiche ich wieder mein Rennradl und flitze eine Alternativstrecke über Sindelsdorf und Penzberg wieder nach Hause, wo ich gut fünf Stunden nach Aufbruch ankomme. Fazit: Gerne wieder!

Gelaufen mit:

adidas Terrex X-King

Hier die GPS-Tracks:

Anreise: https://connect.garmin.com/modern/activity/1178702164

Laufrunde: https://connect.garmin.com/modern/activity/1178702257

Abreise: https://connect.garmin.com/modern/activity/1178702361

Voralpenlauf zum Rabenkopf

Trotz Eisheiligen gab es vergangenen Samstag eine kurze Schönwetterlücke. Also schnell den Rucksack gepackt und um 15 Uhr von Königsdorf los gelaufen.

Rothenrainer Moor, Fischbachmühle – die altbekannte Einstiegsroute in die Berge zu Beginn. Sonne bohrt sich durch die Wolken, trotzdem bin ich froh, mit einer langen Hose losgelaufen zu sein.

Nach fünf Kilometern realisiere ich, dass ich das GPS nicht eingeschaltet habe. Egal, es gibt wichtigeres. Über Blombergbahn-Talstation geht es zügig rauf zum Haus. Grölende Liftfahrer stören die am Blomberg eh schon gestörte Bergruhe. Ein paar Wanderer, ein Mountainbiker – mehr ist auch hier an diesem unterkühlten Pfingstwochenende nicht los.

Temperatur sinkt unter fünf Grad. Flocken mischen sich zwischen die Tropfen. Das Schönwetterfenster schließt sich wieder. Ich laufe östlich am Zwiesel vorbei Richtung Gassenhofer-, Lehenbauern- und Melcherstefflalm und turne durch den Sumpf vor der Lexenhütte. Die Konzentration ist voll beim Laufen. Kaum Fotos, keine großen Pausen…einfach nur die Kraft fließen lassen. Hört sich irendwie nach Star Wars an..

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Schon bei der zweiten Furt ziehe ich die Schuhe nicht mehr aus. Ist sowieso schon alles pitschepatschenass und damit wurscht! Also ab durch die Bäche dass es nur so spritzt. Weiter geht’s über die Sattelalm Richtung Tutzinger Hütte, allerdings vorher schon rechts ab und an der Brandenberger Hütte vorbei zur Eibelsfleckalm. Auch hier gibt es einige Genuss-Furten. Eine schöne Route, wenn auch deutlich mehr Fahrweg als bei der Alternativroute zur Glaswandscharte über die Tutzinger Hütte. Ein freundlicher Mensch grinst an einer Alm zum Fenster raus. Da drinnen ist es sicher schön warm! Ich will aber gar nicht tauschen, denn das Laufen macht auch im Regen mordsmäßig Spaß.

Glaswandscharte

Das Wetter wird grimmiger. Kein Mensch mehr weit und breit. Ich versuche, die Ideallinie zur Glaswandscharte zu laufen. Zuerst an einem breit mäandernden Bach entlang, dessen Wasserstand heute wahrscheinlich die Jahreshöchstmarke erreicht, dann querbeet. Bin ich richtig? Das letzte Mal war ich hier vor ca. 15 Jahren unterwegs. Das Gelände steilt auf, durch Schrofen erreiche ich einen zusammengesunkenen Bauwagen oberhalb des sogenannten „Bauernwurfs“. Welcher Bauer wurde hier wohl einst geworfen? Oder hat es ihn nur „gewürfelt“? Bei der Steilheit vermute ich fast letzteres…und wie der Bauwagen wohl hierher gekommen ist?! Kommt einem vor wie der Bus No. 142 aus „Into the Wild“. Solches Gelände wirft eben Rätsel auf…

Schließlich erreiche ich wieder den „Normalweg“ zur Scharte. Was für ein zerworfenes Gelände! Große Altschneeflecken säumen den Weg. Endlich, langsam neigt sich der Hang zurück. Um halb sieben bin ich oben an der Glaswandscharte. Es stürmt.

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Dicke Wolken drücken von Süden in den Hangwald. Ich trinke etwas und nehme den direkten, steilen Steig hinab Richtung Jachenau. Und zögere – soll ich nicht lieber den Fahrweg nehmen? Nö, der ist langweilig. Also geht es weiter die „Naturtreppe“ hinab. Der Weg macht Spaß! Überall Wasser, Rinnsale, Bäche und Wasserfälle, Pfützen, Regen im Gesicht, patschpitschpatsch. Plötzlich ein gehörnter Fellkörper im Weg. Ein Steinbock, der gerade das Winterfell verliert. Er lässt sich von meiner Anwesenheit nicht groß beeindrucken. Ein zweiter gesellt sich noch dazu. Sehr nett!

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Am Lainbach-Wasserfall wägt man sich in Island, soviel Wasser hat er heute. Es gischtet und sprudelt. Schließlich geht’s rechts ab zur Alm, in der meine Geschwister schon Feuer gemacht haben. Wie ist das schön! Dazu gibt’s Kartoffelpfanne mit Käswurscht. Um halb zehn sind alle im Bett.

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Am nächsten Morgen geht’s noch zügig auf den Rabenkopf. Regen, Sonnenlücken, später dann Schneefall. Einsamkeit auf einem sonst viel frequentierten Voralpengipfel. Dann hinab in die Jachenau. Wenigstens hier ein paar tapfere Wanderer. Schade, schon wieder vorbei!

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Gesamt – km: ca. 47
Gesamt – hm: ca. 2.100

GPS-Tracks (verspätete Aufzeichnung beim ersten):

https://connect.garmin.com/modern/activity/1170387239?share_unique_id=1
https://connect.garmin.com/modern/activity/1170387261?share_unique_id=2
https://connect.garmin.com/modern/activity/1170387278?share_unique_id=3

Südbad Marathon

Heute spontan in die Stadt gerannt. Dass ein Marathon draus wurde – netter Nebeneffekt!

Sahara-Sand liegt in der Luft. Ungewöhnliche Wärme. Der Horizont verschwimmt in gelbgrauem Dunst. Ich laufe in kurzer Hose und Trikot über Berg und Schuß zum Malerwinkel. Die Isar glitzert in der Tiefe.

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Über die Tattenkofener Brücke geht’s Richtung Ascholding. Wasser, alte Mühlengebäude, plätschern. Weiter auf unbekannter Route an Trillionen von Fischteichen vorbei über Egling und Dettenhausen zum Deininger Weiher. Ausflügler trinken Kaffee und mampfen Kuchen. Ich knacke die Halbmarathonmarke.

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Jetzt gibt’s, was bei keinem längeren Lauf fehlen darf – einen kleinen Verhauer. Statt gleich Richtung Straßlach-Dingharting zu laufen, folge ich dem verlockend schönen Gleißenbachtal. Der Ausflugsrummel ist wie ausgeschaltet. Ein Fotograf nestelt an seiner Ausrüstung.

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Ich muß das Tal steil und weglos nach links verlassen, um wieder auf Kurs zu kommen. Es ist inzwischen sommerlich warm geworden. Nach Dingharting folge ich einem schwach ausgeprägten Feldweg und lande – auf der Trabrennbahn. Sorry, Jockeys, heute galoppiere hier ich!

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Nun wieder bekanntes Terrain – die stark befahrene Tölzer Straße nach Grünwald. Ich hake die 30km ab. Das Wasser wird knapp. Tankstopp? Jetzt nicht. Das Isartal mit seiner Nagelfluh-Landschaft lockt zu sehr. Also an der Burg vorbei hinab zum Fluß. Und nichts wie ab zur schon so oft besuchten Quelle vor der Großhesseloher Brücke, die auch heute erquickendes, kühles Wasser spendet.

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Schließlich das Finale. München pulsiert und spuckt immer mehr Menschen auf den Pfaden Richtung Süden aus. Ich renne unter der rumpelnden Großhesseloher Brücke durch. Dann Mariensteg, Hellabrunn, Thalkirchener Brücke – und Flaucher. Endspurt, wenn man so will – oder besser gesagt, Endgang, denn der Flaucher ist überlaufen von Erholungssuchenden.

Da, der rote Bau, das Südbad, meine Familie! Und Apfelschorle, Würstel und Kuchen. Und ein Fast-Marathon mit 41,64 km und immerhin 271 Höhenmetern geht nach 3:40 Stunden Laufzeit zu Ende.

GPS-Track:
https://connect.garmin.com/modern/activity/1112787048

Laufwinter 2015 – Klimawandel im Alpenvorland

Ein eigenartiger Winter – aber vielleicht genau das, worauf wir uns die nächsten Jahre einstellen müssen. Längere Kältephasen sind die absolute Ausnahme, die Schneelage ist nur schwer vorauszusehen.

So kam es bei uns im Tölzer Land vor, dass innerhalb von nur einer Woche die Temperatur von minus 15 Grad Celsius auf plus 12 Grad Celsius stieg. Beim Laufen fallen die Temperaturschwankungen besonders drastisch auf.

Frost und Frühling

Am 22.01. lief ich bei frostigen -15 Grad in die Arbeit – beeindruckende Verhältnisse und der wohl schönste Winterlauf bisher. Ich habe den Eindruck, dass Winter-Fanatiker wie ich solche Kälteerlebnisse festhalten müssen wie einen Schatz!

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Link zum Lauf (leider musste ich den Lauf manuell eingeben, da die Datenübertragung meines Test-Forerunners gestreikt hat): http://connect.garmin.com

Eine Woche danach lief ich von Otterfing nach Bad Tölz – ein guter Halbmarathon. Der Schnee-Spuk war schon wieder komplett vorbei. Tauwetter auf einer Traumstrecke.

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Über Palnkam an den Teufelsgraben, diese sagenumwobene, ehemalige Ablaufrinne der Isar. Dann über den „Hochrain“, eine komplett bewaldete, über 750 Meter hohe Hochfläche, an die Verbindungsstraße Dietramszell-Holzkirchen. Schließlich durch den nicht minder beeindruckenden Zeller Wald hinauf zur „Grünen Marter“ und über verlassene Waldpfade zum Kogler Lack.

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Der Zeller Wald hat mich verzaubert. Definitiv einer der wildesten Flecken im Tölzer Landkreis. Man findet nur wenig darüber im Internet. Und das, was man findet, zeugt von der Wildheit des Geländes. Haberfeldtreiben, Schwedeneinfälle – ich muss glaube ich mal ins Dietramszeller Dorfarchiv gehen, um zu recherchieren.

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Schließlich Endspurt über Ellbach. Und das alles bei Temperaturen über zehn Grad! Ende Januar!

Link zum GPS-Track: http://connect.garmin.com

Nur zwei Tage später danach bei intensivem Nassschneefall ein knapper 30er via Fischbachmühle und Isarstausee rüber ans Isar-Ostufer. Dann über den „Ratzenwinkel“ und die „Sauhölle“ nach Schnaitt und Hechenberg. Runter nach Bairawies und Einöd. Retour über Tattenkofener Brücke, Malerwinkel, Schuß und Berg.

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Die Strecke war gut ausklamüsert und von anderen Läufen und Radfahrten größtenteils bekannt, trotzdem ärgerlicher Verhauer bei Schnaitt. Ich lief frei Schnauze und war schlicht zu faul um ordentlich zu navigieren. Ergebnis: Orintierungsschwierigkeiten und Wegverlust in einem Bachtälchen und später die Erkenntnis, dass ich in der verschneiten Landschaft Schnaitt mit Reut verwechselt habe. Peinlich, peinlich…da werden Erinnerungen an die Zeit der Winterausbildung bei den Pfadfindern wach!

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Die nasskalten Bedingungen machten den Lauf zudem maximal energieraubend. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Marathon mal so geschlaucht hat wie dieser 30 km-Lauf!

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Link zum GPS-Track (für die Spitzfindigen: im Ratzenwinkel hatte ich mit einem Signalverlust zu kämpfen): http://connect.garmin.com/

Was nach diesen völlig unterschiedlichen Läufen innerhalb von nur 9 Tagen bleibt, ist ein fahler Beigeschmack. Die Winter, wie sie hier im Alpenvorland typisch waren, scheinen passé zu sein. Mich macht das traurig und betroffen zugleich.

Das Absurde daran ist, dass die outdoorsportliche Menschheit (wenn überhaupt) nur sehr langsam dazu bereit zu sein scheint, Kompromisse einzugehen, sich zu bremsen, mal an einem halbscharigen (für die Nicht-Bayern: wettertechnisch nicht ganz optimalen) Wochenende daheim zu bleiben. Zwar sieht man (zumindest habe ich das Gefühl) ein paar mehr Läufer und Sportler, die bewusst ihre unmittelbare Umgebung zum Sporteln verwenden und kreativ sind, was das „Sporteln vor der Haustür“ angeht. Die klassische Skifahrer- und Skitourengeherfraktion scheint jedoch nach wie vor auch haarsträubende Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um dem Schneesport zu fröhnen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich damit eine ganze Szene langfristig ihr eigenes Grab gräbt und sehenden Auges nur noch verzweifelter weit entfernte Hänge hinunterkratzt.

Klar, Verzicht als Lifestyle ist nicht sexy. Aber klimaverwandelte Berge und Autokolonnen in die letzten verschneiten Täler sind noch viel weniger sexy.

Der Mensch war noch nie besonders gut darin zu schützen, was er liebt. Was denkt ihr? Ist Euch das zu pessimistisch? Ist alles gar nicht so schlimm? Sollen sich die Berge und die Teilzeit-Ökos mal nicht so haben? Ich freue mich über Kommentare.

Auerberg Marathon

Die laue Weihnachtszeit machte die Verwirklichung eines lange gehegten Projektes möglich – die Belaufung des 1055 Meter hohen Auerbergs von Kaufbeuren aus.

Knack – die Haustür fällt in’s Schloß. Punkt halb acht starte ich im Süden Kaufbeurens wieder einmal einen längeren Lauf, der mir schon länger im Kopf herumschwirrte.

Richtung Berg

Der Auerberg ist mit seinen 1055 Metern der nördlichste „Tausender“, der einem in der Kaufbeurer Umgebung in die Quere kommt. Bisher lief ich maximal bis zur Bergmangalpe oder zum Elbsee, Rekord war eine 33,33 km Runde vor eineinhalb Jahren. Heute soll es jedoch mal wieder die magische 42,25 km-Marke sein. Bei idealer Routenwahl ist es ein guter Halbmarathon bis auf den sagenumwobenen Gipfel, zurück will ich eine etwas weitere, andere Strecke laufen, um eine abwechslungsreiche Runde vollzumachen.

Ich wähle zunächst die gut bekannte Strecke über das Kraftwerk am Bärensee hinauf auf den Freyberg. Nicht mal Gassigeher sind unterwegs, den meisten liegt Weihnachten wohl zu schwer im Magen. Richtung Mooshütte belaufe ich schließlich „terra incognita“. Nach einigen Kilometern im morgendlich verzauberten Wald kommt einem die fette B12 mit ihren vorbeihuschenden Autos fehl am Platz vor; kurz hinter der Mooshütte tauche ich jedoch wieder in die Stille des Gennachmoores ab…und genieße jeden Schritt auf dem eisig knirschenden Boden.

Leider leiste ich mir einen kleinen Verhauer und laufe nicht ganz die geplante Ideallinie nach Bernbach. Nicht weiter schlimm, die 500 Extrameter laufe ich heute gerne. Riesige Windräder stören mit ihrem Gefauche die Morgenstille, in Bernbach selbst ist keine Menschenseele zu sehen. Das Licht der aufgehenden Sonne taucht die Landschaft in einen goldenen Farbtopf. Ich atme die beeindruckende Stimmung mit jedem Laufschritt ein. Weiter geht es über einsame Feldwege und an Einsiedlerhöfen vorbei Richtung Korbsee und Gehren (Achtung, Aggro-Hund!) und weiter zum verwunschenen Zwölfpfarrenwald – mit seinen 900 Meter „Gipfelhöhe“ ein weiteres, etwas näher liegendes Laufprojekt…aber heute will ich mehr!

Bei Oberlöchlers erblicke ich schließlich das erste Mal in ca. 4 Kilometer Entfernung den Auerberg, der sich bisher geschickt versteckt hatte. Die Motivation erreicht ungeahnte Höhen, und bald erreiche ich mit Remnatsried den letzten Ort vor dem „Gipfelanstieg“. Eine wunderbare Gegend ist das hier, einsame Laufstrecken ohne Ende…

Die finalen drei Kilometer laufe ich einfach Luftlinie über die Felder und schließlich über mit Brombeer- und anderem Gestrüpp zugewucherte Pfade und Fahrwege steil hinauf zum Ostrücken des Berges. Römische Siedlungsreste (Erdwälle) zeugen von einer abwechslungsreichen Geschichte.

Nach gut 2 Stunden Laufzeit und 22 Kilometern Strecke erreiche ich schließlich die Gaststätte und Kirche auf dem Auerberg. Die Aussichtsplattform neben dem Kirchturm bietet eine perfekte Rundumsicht mit Hohem Peissenberg, Zugspitze, Forggensee, Grünten und vielen weiteren bekannten und unbekannten Gipfeln. Ich kann mich bei dem Traumwetter gar nicht satt sehen und dezimiere parallel zur Bergschau rasch mein Proviant. Zum Glück gibt es auch noch einen Getränkeautomaten: Ehe ich mich auf den Heimweg mache, gieße ich mir eine Cola hinter die Binde und betanke meine Trinkflasche mit Apfelschorle.

Zurück mit viel Asphalt

Lag das Verhältnis von Feldweg zu Asphalt beim Hinlauf bei etwa 3/1, kehrt es sich beim Rücklauf um. Statt wie ursprünglich geplant über Stötten laufe ich über kaum befahrene, einspurige Straßen via Settele und Burk nach Bertoldshofen. Hier zeigt sich das Allgäu von seiner schönsten Seite: Einsame Gehöfte, tolle Ausblicke ins Geltnach- und Wertachtal, dahinter die Alpen. Und das bei einer Temperatur, die sich eher nach Ostern anfühlt als nach Weihnachten! An kleinen Seen vorbei, durch kleine Tälchen und Waldstücke arbeite ich mich wieder nach Norden. Oft laufe ich mit gezückter Karte, um mir keine weiteren Verhauer zu leisten. Manchmal geht es zudem die Strecke des Auerberg-MTB-Marathons entlang, der durch kleine Pfeile deutlich markiert ist.

Von Bertoldshofen geht es schließlich via Kreen und an Altdorf vorbei nach Biessenhofen – sicher der fadeste Teil der Strecke, da auf der parallel laufenden B16 viel Verkehr herrscht. Ich kürze, um der Autoflut auszuweichen, wieder quer über die arg von Wühlmäusen zerpflügten Felder ab….Achtung Umknickgefahr!

Nachdem ich zur Weihnachtsgans zurück sein möchte, spare ich mir (schöner zu laufende) Umwege über die Feld- und Waldwege der Märzenburg und folge stattdessen von Biessenhofen dem etwas monotonen Radweg neben der Bahnstrecke zurück nach Kaufbeuren. Hier ist Schritte zählen angesagt, um das Ganze nicht zu fad werden zu lassen. Nochmal kurz beissen – dann ist das Ding geschafft. Jippie!

Technische Daten:

  • Streckenlänge: ca. 44 km
  • Höhenmeter: 600
  • Zeit unterwegs: 4:55h
  • Laufzeit: 4:05h

Zu den GPS-Tracks:

Ich nutzte während es Laufs meinen Test-Forerunner 630 von Garmin. Tolle Laufuhr, keine Frage – doch leider für lange Läufe in der Kälte, bei denen man die Klamotten häufig wechselt und Rucksack/Laufweste häufig ab- und aufsetzt nur bedingt geeignet. Ich betätigte mehrmals versehentlich den Touchscreen, was dazu führte, dass der Gesamttrack in drei Einzeltracks zerhackt ist und mir zwei Kilometer völlig durch die Lappen gegangen sind. Für „harte“ Läufe lobe ich mir daher Uhren wie die Fenix 3 mit physischen Knöpfen.

Track 1/2/3:

Gelaufen mit:

  • Brooks Pure Grit 2
  • inov-8 Race Ultra Vest

 

 

 

 

 

 

 

Münchner Winterlaufserie 10k

Der Nikolauslauf am 05.12. war der Auftakt zur dreiteilligen Münchner Winterlaufserie 2015/16. Die klimafreundliche Anreise per Rad machte den Lauf zu einer konditionellen Herausforderung!

Alle reden vom Klimaschutz, und trotzdem fährt die Menschheit Auto, als ob es kein Morgen und keinen Klimawandel gäbe. Es liegt speziell an uns Sportlern und im Besonderen an den Radfahrern, für eine Minimierung des CO²- und Feinstaubaustoßes einzutreten, denn wir sind es, die den giftigen Qualm, den der Kfz-Verkehr verursacht, Tag für Tag inhalieren dürfen.

Mit diesen Gedanken schwinge ich mich um kurz nach 12 Uhr Mittags auf’s frisch reparierte Tourenrad und steuere den Münchner Olympiapark an. Gelebter Klimaschutz während des UN-Klimagipfels – was gibt es schöneres!

Teil 1: Anreise per Rad

Absurd warm ist es an diesem 5. Dezember, und ich muss sogar eine Schicht Oberbekleidung ablegen, um nicht zu sehr zu schwitzen… Auf dem Radweg Richtung Wolfratshausen ist heute reger Verkehr, erst auf der B11 Richtung Icking dünnen die Radler aus.

Ich hole aus meiner Nexus 8 Nabenschaltung raus, was ich kann, flitze den abwechslungsreichen Radweg über Hohenschäftlarn, Baierbrunn und Höllriegelskreuth nach Pullach und finde mich schließlich bei den Siemenswerken wieder. Altbekanntes Laufgelände aus meinen Münchner Jahren…

Zum Glück muss ich mich nicht zu sehr beeilen, denn der Startschuss zu den 10km knallt erst um 15 Uhr. So genieße ich ein wenig das Stadtflair, schwelge in Erinnerungen und zirkle durch Mittersendling. Bald habe ich Harras, Westpark und das Feierwerk passiert und begebe mich über die Donnersberger Brücke auf die Zielgerade zum Olympiapark. Zahlreiche Sportler in Läuferkluft machen auf das nahende Großereignis mit immerhin 1.700 Teilnehmern aufmerksam.

Schließlich erreiche ich nach knapp 50 km Radlstrecke das Olympiastadion und begebe mich nach Abholung der Startnummer gleich in den Umziehbereich, um vom Rad- in das Laufdress zu wechseln.

Teil 2: Der Lauf

Warmlaufen muss ich mich nicht, und so mache ich nur ein wenig Gymnastik, um die leicht vorbelasteten Muskeln auf die andersartige Belastung vorzubereiten.

Eigentlich bin ich der Annahme, ich hätte mich weit genug vorne eingeordnet. Als jedoch der Startschuss knallt, strömen so viele Läufer aus den beiden Starttoren auf die erste Rechtskurve zu, dass es zu einem Gerangel kommt, wie ich es selten bei einem Lauf erlebt habe…Adrenalin liegt in der Luft!

Nach 200 Metern habe ich mich jedoch freigelaufen und erschrecke direkt, als ich auf den (für mich) absurd hohen Schnitt von 3:30 min/h aufmerksam werde, den mir mein Test-Forerunner 630 meldet. Der übliche übermotivierte erste Kilometer…

Die 5km-Runde um den Olympiasee mit Abstecher zum Radstadion, die es heute zweimal zu durchlaufen gilt, zeigt sich einmal wieder von ihrer kurzweiligen Seite. Dieses Jahr wurde sie leicht modifiziert und um einen Mini-Anstieg erweitert. Nach rund 19 Minuten bin ich das erste Mal durch und merke langsam, dass ich heute schon 50 zügig gefahrene Radkilometer in den Haxn habe. Also Zähne zusammenbeissen!

Die finalen 2 km werden zu einem echten Kraftakt, und nach 38:55 min laufe ich glücklich im Ziel ein und gleich durch zum Tee im Verpflegungsbereich und weiter unter die warme Dusche, die ich heute besonders genieße. Mit dieser Zeit bin ich nach der „Radbelastung“ sehr zufrieden, schließlich war das heute ein Experiment!

Teil 3: Zurück nach Hause

Es dämmert, als ich mich um 16:30 Uhr wieder auf’s Rad Richtung Heimat schwinge. Bald habe ich den Olympiapark hinter mir gelassen, passiere die Donnersberger Brücke Richtung Süden, lasse den betriebsamen Harras hinter mir und fahre Richtung Pullach. Was mir als „Landei“ massiv auffält: Diese Ampeln! Ich hatte schon ganz vergessen, wie sehr sie einen in der Stadt ausbremsen und nerven. Echt zum Abgewöhnen…..von traumhaften Rad-Zuständen wie in Kopenhagen ist München noch Lichtjahre entfernt. Der Vorrang, der Autos nach wie vor eingeräumt wird, ist für Radler schlicht frustrierend. Immerhin, an kleinen Details wird gefeilt, so zum Beispiel am Radweg auf der Trasse der ehemaligen Isartalbahn zwischen Thalkirchen und Solln, wo ein ärgerlicher „Ausbremser“, die Einmündung auf die Heilmannstraße, endlich beseitigt wurde.

Die Temperatur bewegt sich rasant Richtung 0°C-Grenze, und nach 17,5 Kilometern beschließe ich von Höllriegelskreuth bis nach Wolfratshausen die S-Bahn zu nutzen. Auf der 20-minütigen Fahrt schlafe ich fast ein und kann die Beine soweit erholen, dass sich die finalen 12,5 km von WOR nach Hause fast wie von selbst radeln.

Fazit:

  • schöner erster Lauf der Münchner WLS mit perfekter Orga
  • im Winter per Rad an- und abzureisen verleiht dem Lauf eine besondere Würze
  • in Sachen Radfahren vermisse ich München kein bisschen
  • Leute, lasst’s ab und an einfach mal die Autos stehen

Hier die Tracks:

 

 

 

 

Fockenstein by fair Means

Die erste Oktoberhälfte zeigt sich grau in grau. Mangels schönem Wetter muss man eben schöne Lauf-Aktionen starten – zum Beispiel den 1564 Meter hohen Fockenstein von zu Hause belaufen.

Wieder einmal ist der Badepark in Bad Wiessee das endgültige Ziel und die Aussicht, dort meine Frau und meine Tochter zu treffen, die Hauptmotivation. Anstatt aber wie bei den letzten beiden Wiessee-Läufen über Gaißach und Marienstein an den Tegernsee zu gelangen, will ich heute die „hochalpine Variante“ über den Fockenstein unter die Sohlen nehmen.

Los geht’s wie schon so oft über die nie langweilig werdende Route via Hinterrothenrain, Fischbachmühle und an Vogelsang vorbei Richtung Tölz. Die Wolken hängen tief, hüllen den Wald in ein geisterhaftes Gewand. Die Kälte reduziert die Zahl der Spaziergänger auf einige wenige, erst in Tölz an der Isarlände begegnen mir eine Handvoll Gassigeher…

Das erste Mal biege ich in Tölz nicht nach links Richtung Marktstraße und Gaißach ab, sondern verharre auf dem Wanderweg Richtung Lenggries, den ich vom Tölzer Isarlauf gut kenne. Immerhin ein Läufer begegnet mir bis Schlegldorf, wo ich nach rund 17 Kilometern eine Pause einlege und mir die weitere Route auf der Karte einpräge. Die Sonne kommt raus und ich genieße die wärmenden Strahlen, denn das Thermometer kratzt heute Vormittag gerade mal an der 5° Grad-Marke.

Wenig später habe ich schon die Isar über- und die Schnellstraße unterquert und befinde ich mich auf kleineren Pfaden, die Obergries mit Lenggries verbinden. Die Sonne hat einige Spaziergänger aus ihren Häusern gelockt und ich freue mich direkt, nicht mehr ganz so alleine unterwegs zu sein!

Am Steinbach angekommen schlage ich einen kleinen Haken nach Osten und laufe schließlich in einem Bogen an einem riesigen Pferdegestüt vorbei über einen Feldweg zum Trattenbach, dem ich am südlichen Ufer bergauf folge. Langsam wird’s ernst! An der Wegkreuzung mit dem Fahrweg zur Denkalm rüste ich auf dünnere Bekleidung um, denn jetzt geht’s zur Sache.

Der Nordwestanstieg Richtung Fockenstein/Geierstein ist Neuland für mich. Steil geht es einen stark erodierten Waldpfad hinauf, immerhin kann ich bis zum Punkt 1313 auf der Karte ungefähr 80 Prozent laufen. Nur ganz zum Schluß machen mir die steilen Wurzelstufen derart zu schaffen, dass ich gehen muss…

Nasskalt ist es hier oben, Nebel wabert über Nassschneeresten. Ich versuche, die Körpertemperatur zu halten und mache nur eine kurze Gel-Pause. Auf dem abwechslungsreichen Weiterweg hinüber zum Fockenstein merke ich jedoch den hohen Energieverbrauch, zudem habe ich einfach nicht genug zum Essen eingepackt. So wechsle ich zwischen Laufen und Gehen hin- und her und verliere ganz ordentlich Zeit – schließlich wollte ich eigentlich spätestens um 12 in Bad Wiessee ankommen.

Der 1564 Meter hohe Gipfel des Fockenstein liegt heute verlassen da und ich halte mich nur kurz auf, auf dem Weg hinab zur Aueralm kommen mir schließlich ein paar Wanderer entgegen. Auf den Fahrwegen geht es endlich wieder schneller vorwärts, glitschiger Lehm hat mich am Gipfelaufbau ordentlich ausgebremst. An der Aueralm vorbei will ich eigentlich die Route über den Sonnenbichl nehmen, lasse mich aber von einem Schild abschrecken, das in dieser Richtung eine Sackgasse prophezeit. Vor drei Jahren kam man doch hier noch durch?!!?

Also laufe ich etwas verdattert die Standardauffahrt zur Aueralm hinunter in’s Söllbachtal und werde schließlich an der Hauptstraße Richtung Wiessee ausgespuckt, der ich die finalen Kilometer bis ins Ortszentrum folge. Am Ende bin ich eine ganze Stunde später dran als geplant aber trotzdem glücklich, diese ca. 36 Kilometer lange Strecke mit 1100 Höhenmetern ohne größere Einbrüche bewältigt zu haben….jetzt aber nichts wie ab in’s warme Wasser! 🙂

Hier der Link zum (etwas fehlerhaften) GPS-Track:

https://connect.garmin.com/modern/activity/931128022

Gelaufen mit: