Zwieselbacher Rosskogel by fair means

By fair means auf den Zwieselbacher Rosskogel und zurück: 235 km und ca. 3.800 Höhenmeter mit dem Rad, 1.400 Höhenmeter zu Fuß, 19 Stunden.

Mal schnell auf einen Dreitausender laufen und mit dem Rennrad anreisen – das gehört zu den Projekten, die lange im Kopf herumgeistern und irgendwann gemacht werden müssen. Wenn dann noch alles wie am Schnürchen klappt – umso besser!

9. Juli 2018, 3 Uhr morgens. Alles ist vorbereitet, ich greife nur schnell zu meinem kleinen Rucksack, in dem ich Wechselshirt, Trailrunningschuhe und Proviant verstaut habe, gieße mir noch einen schnellen Kaffee rein und nehme ein ebenso kleines Müsli zu mir – und bin unterwegs.

Um diese Uhrzeit ist es einsam auf der B11, ich habe die Bundesstraße ganz für mich allein, fahre Schlangenlinien, „spiele“ mit den Mittelstreifen … und bin doch wieder schnell bei der Sache, denn ich hab‘ noch was vor: Über Walchensee, Mittenwald und Seefeld ins Inntal, dann weiter durch das Sellraintal bis nach St. Sigmund zu meinem Spezl Lukas Ruetz, mit Lukas durch das Gleirschtal und über die Pforzheimer Hütte auf den Zwieselbacher Rosskogel (3.082 Meter) und über Kühtai, das „Sattele“, den Telfser Berg und Mittenwald, Walchen- und Kochelsee wieder retour nach Königsdorf.

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Sportlicher Jahresrückblick 2016

Trailrunning, Hochtouren, Wettbewerbe – 2016 war sportlich wieder eine Menge geboten. Ein kompakter Rückblick.

2016 war geprägt von – der Geburt unserer zweiten Tochter und dem Umbau unseres Hauses. Trotzdem ging es sich mit rund 1.450 Lauf – und 4.300 Radkilometern aus, worüber ich selbst ein wenig überrascht bin.

Laufen und Radeln zu „abstrakten“ Tageszeiten – das ist es wohl, was 2016 gekennzeichnet hat. Stehe ich von Haus aus selten nach 6 Uhr auf, war es dieses Jahr oft schon fünf Uhr – um noch schnell eine Runde in den Laufschuhen zu drehen oder rechtzeitig für die Anfahrt in die Arbeit mit dem Rennrad „betriebsbereit“ zu sein.

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Habicht in a Nutshell

Der Habicht ist ein Stubaier Aussichtsberg erster Güte. Erst recht, wenn man zum Sonnenaufgang hinaufturnt.

Der 3.277 Meter hohe Habicht in den Stubaier Alpen ist ein Aussichtsgipfel erster Güte. Rückt man ihm zum Sonnenaufgang im Trailrunning-Modus auf den Pelz, entfaltet sich ein ganz besonderer Zauber… 

Der Mond spiegelt sich auf der silbrig schimmernden Oberfläche des Walchensees. Kein Mensch ist um diese Uhrzeit auf der B11 Richtung Tiroler Grenze unterwegs. In Scharnitz dann ein Zeitungsausträger, auf der Inntalautobahn ein paar Nachtschwärmer, dann bin ich wieder mit meinen Gedanken allein….welcher Dreitausender soll es sein?

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Vorderer Brochkogel, 3565 Meter

Der Vordere Brochkogel ist ein erstaunlich selten begangener, traumhafter Wander-Dreitausender in den Ötztaler Alpen.

Der Vordere Brochkogel in den Ötztaler Alpen ist nicht nur vergleichsweise einfach zu besteigen, sondern erstaunlicherweise auch vergleichsweise selten besucht. Im Rahmen eines Geburtstagsbiwaks war der 3.565 Meter hohe Berg nun fällig. 

Um viertel nach sechs Uhr abends starten wir die Tour in Vent. Es wölkt, es nebelt – keine Ahnung, ob das mit dem Wetter so klappen wird wie wir uns das vorstellen. Wenigstens zum Fotos schießen ist die Stimmung einmalig!

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Dufourspitze 4637 Meter

Besteigung der Dufourspitze 2003 mit Übernachtung im Zelt.

Mit der Dufourspitze im Wallis will will ich eine kleine Serie beginnen, in der ich alle Viertausender vorstelle, die ich zwischen dem 18. und 26. Lebensjahr bestiegen habe. Los geht es mit einer der schönsten Touren.

Im Jahr 2003 ging es Ende August/Anfang September mit meinem Cousin auf die Dufourspitze, den zweithöchsten Berg der Alpen. Wie bei uns üblich mit dem Zelt und auf eigene Faust.

Wir starten von der Station Rotenboden der Gornergratbahn. Sauteuer das Bähnli, aber den Luxus gönnen wir uns dann doch mit den fetten Rucksäcken. Dann geht es den langen, fast auf Höhenlinie verlaufenden Weg zum Gornergletscher entlang, fantastische Ausblicke auf Lyskamm, Breithorn und Zwillinge…

Schließlich die relativ harmlose Querung über den mächtigen Gletscher. Ein Mann mit einer Katze kommt uns entgegen. Ein Mann mit einer Katze auf dem Gletscher? Wir reiben uns die Augen. Sachen gibt’s in der Schweiz!

Die damals noch alte Monte Rosa-Hütte lassen wir links liegen und stiefeln hinauf Richtung Grenzgletscher. Unter einem gigantischen Steinblock errichten wir das Zelt auf ca. 2900 Meter. Blick in die Runde – umwerfend.

Wie in den Westalpen so üblich starten wir am kommenden Tag ordentlich früh – gegen drei Uhr geht es los. Immerhin liegen noch mehr als 1700 HM vor uns. Bis zum Beginn des Monte-Rosa-Gletschers finden wir den Weg leicht, dann verhauen wir uns jedoch übelst im Gletscherbruch. Wir finden den richtigen „Einstieg“ nicht, verlieren die Spur und sind nur am Fluchen. Ein echter Irrgarten! So geht eine knappe Stunde nur mit der Wegsuche flöten. Zum Glück finden wir dann aber doch die korrekte Spur Richtung Nordend und Dufour.

Wir sind die ersten heute – und werden es auch bleiben. Es wölkt und wettert – offensichtlich haben sie viele Seilschaften auf der Monte Rosa-Hütte entschlossen, nicht loszugehen. Langsam merken wir die Höhe, langsam geht es auch voran. Schließlich erreichen wir die zum Teil blank geblasenen Abschnitte rechts hinauf auf den Sattel (4359 Meter). Hier ist Vorsicht geboten, wir drehen auch mal eine Eisschraube für eine Durchlaufsicherung in das Blankeis.

Jetzt nur noch der Gipfelgrat. Uns wird ob der Einsamkeit mulmig zumute. Der Grat ist zwar kein ausgesetztes Monstrum, aber so ganz alleine bekommen wir ein wenig Muffensausen. Wir lassen daher alles zurück, was wir an Gewicht entbehren können – inklusive Kamera. Hier soll uns nichts meher behindern. Kletterstelle für Kletterstelle tasten wir uns vor – der Grat entpuppt sich als spannend, aber machbar. Sichern müssen wir nirgends.

Und dann – das Gipfelkreuz. Geschafft! Wir fallen uns in die Arme. Einen so bedeutenden 4000er ganz alleine für sich zu haben, kommt dann doch selten vor. Angenehm warm ist es hier oben, wie genießen die Sonne und Windstille. Doch siehe da – von der Zumsteinspitze kommen zwei Italiener zu uns rüber. Wir freuen uns über das gemeinsame Gipfelglück!

Das Wetter weiß nicht so genau, was es will. Zwar gibt es dann und wann den Blick frei, die dauerhafte Rundumsicht bleibt uns aber verwehrt. Nix für ungut. Beim Rückweg zum Zelt kommen uns noch zwei Schweizer entgegen, die einzige Seilschaft, die wir auf dem Normalweg Richtung Monte Rosa-Hütte heute treffen. Am Zelt angelangt steht schnell die Entscheidung fest, noch eine Nacht zu bleiben. Uns ist nach Entspannung zu Mute…und nach schlafen, viel schlafen. Zwölf Stunden werden es schließlich.

Tags drauf packen wird unsere Sachen, lauschen ganz verdattert den Bayern 3-Klängen an der Hütte (geht denn da kein Couleur 3 rein?!) und geben das allerletzte Geld für Ovomaltine und Kuchen aus. Schließlich hatschen wir wieder komplett bis runter nach Zermatt. Genialer Berg!

Technische Daten:

 

 

 

 

Ein Tag in der Rieserfernergruppe

Eigentlich hätte es auf den Schneebigen Nock (3359 m) in der Südtiroler Rieserfernergruppe gehen sollen. Der viele Neuschnee und das wechselhafte Wetter bremsten mich jedoch rund 30 Höhenmeter unter dem Gipfel aus. Zum Glück ist auf dem Gipfel stehen nicht alles und die Rieserfernergruppe zeigte sich trotz (oder gerade wegen) gelegentlicher Schneeschauer von ihrer fotogensten Seite!

Rein in Taufers, halb acht Uhr morgens. Ich starte mit leichtem Gepäck Richtung Kasseler Hütte. Wegen des „späten“ Aufbruchs nehme die die Füße in die Hand und stehe bereits eine gute Stunde nach dem Start vor der heute recht einsamen Hütte. Nur der Hüttenwirt ist da, keine Übernachtungsgäste, niemand….

Einen Kaffee später stiefle ich bereits den Weg Richtung Malersee hinauf. Beinahe hätte ich mich verstiegen, meiner Kompass-Karte sei Dank. Habe ich bereits erwähnt, dass eigentlich alle Kompass-Karten in den Papiermüll gehören? Falsche Höhenangaben, falsche Wegverläufe…aber ich bin ja selbst schuld. Tabacco hätte es sicher besser gewusst und der Hüttenwirt wies mich lautstark von unten auf die richtige Route.

Eine Bachschlucht querend geht es langsam steiler werdend in das breite Hochtal, das einst das Schneebige-Nock-Kees zierte. Von ihm ist nur Toteis, ein beeindruckender Gletschersee und ein kleiner Rest oberhalb einer Geländekante geblieben. Sah es in der Früh noch nach Aufklarung aus, pressen nun Schlechtwetterreste über den Hauptkamm und hüllen die Rieserfernergruppe in gespenstisch wirkende Schneeschauer.

Hinauf in die Einsamkeit

Ich lasse die Abzweigung zum Malersee rechts liegen und steige steil die alte Randmoräne das Hochtal hinauf. Ab 2700 Metern herrscht eine geschlossene Schneedecke und ich lege so gut als möglich eine schöne Spur durch das grobe Blockgelände. Hie und da verliere ich die Markierungen völlig aus den Augen und verbringe einige Zeit mit der Routenfindung. Nachdem sich die Sonne jedoch einige Male durch die Wolkendecke bohrt bin ich guter Dinge. Zudem soll der „Schneebige“ ja ein recht einfacher Dreitausender sein…

Eine Scharte wird durchschritten, ich habe die 3000 Meter-Grenze hinter mir gelassen. Groberes Blockwerk verlangt den sicheren Tritt, eine kurze seilversicherte Passage entschärft eine leicht ausgesetzte und heute etwas rutschige Stelle. Wieder setzt dichtes Schneetreiben ein, ein strenger Wind pfeift von Norden her und nimmt mir zeitweise die Luft.

Schließlich neigt sich das Gelände zurück, an einem großen Steinmann vorbei erreiche ich die Stelle, wo noch bis vor kurzem der Rest des Schneebigen Nock-Kees gequert werden musste. Die Steigeisen bleiben jedoch im Rucksack, denn trotz der ca. 15 Zentimeter hohen Schneeauflage ist gut zu erkennen, dass man hier inzwischen völlig gletscherfrei zum Gipfelrücken des Nocks queren kann…tempora mutantur.

Umdrehen will gelernt sein

Nun geht es Richtung Ostansatz des Gipfelrückens, wo glücklicherweise ein kleines Fähnchen im Wind auf die richtige Ausfstiegsroute aufmerksam macht. Ich quere vom Gletscher völlig plattgeschliffene, rutschige Platten und hangle mich schließlich hinauf zu den letzten Aufschwüngen in Richtung Gipfel.

Wolken und Sturmböen machen das Vorankommen mühsam, ich verliere jedoch (noch) nicht den Mut und taste mich langsam vor. Eine kleine Verschneidung wird gequert, schließlich stehe ich an einer „Schlüsselstelle“ unter den Gipfelfelsen. Eine etwas schmalerer Gratabschnitt muss passiert werden, ein Ausrutschen hätte unangenehme Folgen. Bei trockenen Verhältnissen, Windstille und „motivierendem“ Wetter ist das wahrscheinlich kein Problem, heute entscheide ich mich jedoch zur Umkehr. Zwar könnte ich noch die Steigeisen anlegen – auf der anderen Seite ist es aber völlig egal, ob ich bei Null Sicht auf dem Gipfel sitze und dafür ein gewisses Risiko in Kauf nehmen muss oder 30 Höhenmeter unterhalb bei Null Sicht umdrehe und dafür eine risikofreie Tour habe…

Also nichts wie wieder runter vom Berg zur Kasseler Hütte, die ich bereits um 13 Uhr erreiche. Nach einem weiteren Kaffee samt Apfelstrudel (sehr empfehlenswert!) entschließe ich mich, noch den Arthur-Hartdegen-Höhenweg Richtung Ursprungtal und Lenkstein zu gehen. Vielleicht ergibt sich ja noch ein „Absackergipfel“. Das Wetter hat sich deutlich gebessert, Hochgall und Konsorten präsentieren ihr eingeschneites Antlitz in frühwinterlicher Pracht. Der Höhenweg ist ein echter Traum, quert Gletscherschliffe hier und Bächlein da und bietet abwechslungsreiche Blicke in alle Richtungen.

Weg mit Ausblick

Während ich so unterwegs bin spiele ich mit dem Gedanken, dem 3236 Meter hohen Lenkstein noch einen Besuch abzustatten. Als ich jedoch bei der Abzweigung des Weges in der Nähe der Ursprungalm feststellen muss, dass Richtung Lenksteinjoch heute niemand unterwegs war, ist mir das 800 Höhenmeter-Unterfangen (samt erneuter Spurarbeit) einfach zuviel. Stattdessen folge ich weiter dem Höhenweg, der das gesamte Bachertal auf einer Höhe zwischen 2200 und 2400 Meter umrundet.

Hier mangelt es nicht an Impressionen und schönen Wegabschnitten. Zwar ist der Gipfel „meines“ Schneebigen Nock immer noch in Wolken, Hochgall, Wildgall, Magerstein und viele andere 3000er hat der Wind jedoch freigeblasen. Ich komme aus dem Schauen und Fotografieren gar nicht mehr raus!

Weidende Kühe, ein einsamer Esel, plätschernde Bachläufe, kleine sumpfige Tümpel und der bezaubernde Ausblick – auf solchen Höhenwegen fühlt sich die Seele wohl. Fast wünsche ich mir, ich wäre mehere Tage unterwegs. Bei einer Alm unterhalte ich mich kurz mit dem Senn. Nur noch drei Tage sind die Kühe hier heroben auf gut 2200 Metern, dann ist Abtrieb und Saisonende.

Zum Schluß geht es einen abwechslungsreichen Pfad durch wilden Zirbenwald hinab nach Rein in Taufers. Beinahe leiste ich mir am Ende noch einen Verhauer, lande aber nach gut zehn Stunden in den Bergschuhen dann doch im örtlichen Gasthaus bei einer großen Ladung Spaghetti!

Technische Daten (inkl. Abstecher Richtung Lenkstein):

  • Länge ca. 30 Kilometer
  • Höhenmeter ca. 2400
  • Ausgangspunkt Rein in Taufers (1538 Meter)
  • Höchster erreichter Punkt ca. 3320 Meter am Schneebigen Nock (3359 Meter)

Unterkunftsmöglichkeit: Kasseler Hütte

Auf den Wilden Freiger

Der Wilde Freiger (3.418 m) ist einer der facettenreichsten 3000er in den Stubaiern Alpen in Tirol. Gletscher, Seen, Grate, mehr als vier Anstiegsmöglichkeiten – wir haben uns letztes Wochenende eine überaus schönes Set aus dem Freiger-Baukasten zusammengestellt.

Wilder Freiger, die dritte! War ich das erste Mal 1995 mit meiner Schwester und meinem Schwager von der Müllerhütte aus oben und habe die Tour das zweite Mal 2000 mit einem Alpenvereinskollegen von der Nürnberger Hütte aus gemacht, geht es heute wieder einmal mit meinem Cousin Martin und Gunther in’s Hochgebirge. Wir wollen den Freiger vom Stubaital aus angehen und an einem kleinen See oberhalb des Grünausees biwaken.

Los geht’s an der Ruetz

Parkplatz vor der Grawa-Alm, ca. 1.500 Meter Seehöhe. Um viertel nach elf Uhr ist alles gepackt, und wir wuchten unsere recht beeindruckenden Rucksäcke auf den Rücken. Eine Holzbrücke leitet uns über die Ruetz, danach geht es den WildeWasserWeg Richtung Grawa-Wasserfall hinauf. Erstaunlich, was hier heute los ist – und es wird bis zur Sulzenauhütte auch nicht weniger. Wanderer reiht sich an Wanderer, besonders viele Italiener sind unterwegs. Auf ein „Servus!“ folgt ein „Salve!“, irgendwann sind wir des Grüßens fast schon überdrüssig. An der Aussichtsplattform am Wasserfall genießen zahlreiche Erholungssuchende den Blick auf die beeindruckenden Wassermassen und lassen sich von der Gischt besprenkeln…

Wir halten jedoch nur kurz inne und nehmen nach dem Wasserfall scharf links den neu angelegten Weg hinauf Richtung Sulzenauhütte. Die Art und Weise, wie der aus zahlreichen Brettern und Bohlen durch den steilen Bergwald führende Weg angelegt wurde, gibt mir zu denken. Nachhaltig ist etwas anderes – die zum Teil recht filigran wirkenden „Bauteile“ müssen sicher oft ausgetauscht werden, zudem ist der Untergrund zum Teil von den vielen Wanderern schon übelst in Mitleidenschaft gezogen worden…Berg-Vermarktung und Umweltschutz sind zwei nahezu unvereinbare Größen. Doch ich will ja nichts sagen –  denn auch wir profitieren heute von diesem Weg-Ungetüm.

Im Zickzack geht’s bergauf, wir schwitzen uns ordentlich einen ab und sind direkt froh, als wir auf den „alten“ Hüttenanstieg ausgespuckt werden, der uns hinauf in den wunderschönen Kessel der Sulzenaualm führt. An einem weiteren beeindruckenden Wasserfall vorbei zirkeln wir die unzähligen Kehren hinauf zur Sulzenauhütte (2191 m), wo wir uns nach den ersten knapp 700 Höhenmetern kurz vor 14 Uhr ein feines Mittagessen schmecken lassen und die Sonne genießen.

Aufstieg zum Biwakplatz

Nach kurzer Zeit zieht es uns jedoch weiter, und wir wandern entlang des Stubaier Höhenwegs hinüber Richtung Grünausee. Die Mägen haben ordentlich zu arbeiten, und so wird dieser Abschnitt eher zum Fresskoma-Spaziergang….

Vorbei am grünblau schimmernden Grünausee und zahlreichen Schafen steuern wird ein Gebiet mit kleineren Seen und Tümpeln an, wo wir auf ca. 2500 Meter Höhe ein nettes Plätzchen auf einem Hügel ausfindig machen, das Zelt aufstellen und eineinhalb Stunden in der Sonne vor uns hindösen.

Gegen 18 Uhr ringen wir uns zu einer kleinen Feierabendtour auf die Mairspitze (2775 Meter) durch, dem Hausberg der Nürnberger Hütte. Wellige Wiesenhänge und Schrofen querend erreichen wir ein weiteres Seengebiet, schließlich geht es in Kehren und über seilversicherte Schrofen hinauf zum Gipfel, der einen schönen Rundumblick mit Inntal-Tiefblick, Feuersteinen, Freiger, Zuckerhütl und Ruderhofspitze bietet. Leider befinden sich die meisten höheren Gipfel in Wolken…trotzdem genießen wir den Rundumblick in vollen Zügen und können uns nur aufgrund des wachsenden Hungers vom Ausblick trennen.

Hochtour ohne Seilbenutzung

Zurück beim Zelt gibt’s eine feine Abendmahlzeit (Reis&Gemüse) samt Nachspeise, wenig später verkriechen wir uns im Zelt bzw. in den Biwaksäcken. Die sternenklare Nacht wird durchbrochen von starken Windböen, die uns hin und wieder wachrütteln, trotzdem kommt jeder auf ein ausreichendes Pensum Schlaf. Als um fünf Uhr der Wecker klingelt, sind wir schnell wieder auf den Beinen – denn noch liegen rund 1.000 recht abwechslungsreiche Höhenmeter vor uns.

Nach Kaffee (Espresso aus der Espressomaschine!), Müsli und Kuchen geht es um viertel nach sechs auch schon los. Um den markierten Weg auf die Seescharte zu erreichen, müssen wir zunächst recht mühsam eine halbe Stunde lang einen steilen Blockhang queren – immerhin sparen wir uns dadurch mehr als 100 Höhenmeter. Dann geht es den kleinen, unscheinbaren Pfad hinauf Richtung Scharte. Unterwegs erspähen wir einen schönen Biwakplatz nach dem anderen, allerdings allesamt ohne „Wasseranschluss“. Vom kleinen Ferner kurz unterhalb der Scharte sind nur klägliche (Toteis)Reste geblieben, und schon nach einer Stunde stehen wir oben in der Seescharte auf 2762 Metern und lassen uns vom aufkommenden Nebel umwabern.

Durch Wolken zum Gipfel

Der Weg, der von der Nürnberger Hütte kommt, ist jedoch mehr als gut markiert. Trotz dichtem Nebel geht es daher zügig hinauf zum kleinen Selen-See und zur Abzweigung zum Gamsspitzl. Und siehe da – blauer Himmel! Hin und wieder reisst es auf und unsere Motivation steigt. Wir sind uns sicher, dass es mit dem Gipfel des Wilden Freiger heute klappen wird.

Über einen weiteren Gletscherrest erreichen wir einen felsdursetzten Steilhang, der uns hinauf zum Punkt 3.127m leitet. Das erste Mal erblicken wir andere Bergsteiger, die sich im Aufstieg Richtung Grüblferner und Signalgipfel befinden. Sie scheinen unentschlossen, denn oben Richtung Signalgipfel verschwinden alle Konturen in dichten Wolken.

Nach einer kleinen Stärkung kraxeln wir unbeirrt weiter hinauf. Zwei entgegenkommende Bergsteiger, die am Becherhaus aufgebrochen sind, berichten von einem problemlosen Anstieg, ein entgegenkommendes Pärchen hat jedoch angesichts des Nebels umgedreht. Schließlich betreten wir auf ca. 3.220 Metern den obersten Teil des Grüblferners. Seil, Gurt und Steigeisen lassen wir heute im Rucksack. Die Aufstiegsspur befindet sich sehr nah am Westrand des Gletschers, die Spaltengefahr ist gering, eine dünne Neuschneedecke hat die Oberfläche recht griffig gemacht.

Wir überholen im dichten Nebel eine größere Jugendgruppe aus Neustift und verlassen auf gut 3300 Metern den Gletscher wieder, um über harmloses Gehgelände und ein verfallenes Zollhüttchen den Gipfelgrat des Freiger knapp westlich des Signalgipfels (3392 Meter) zu betreten. Harmlose Kraxelei mit dem ein- oder anderen Tiefblick zum Übeltalferner auf der Südtiroler Seite leitet uns zum 3418 Meter hohen Hauptgipfel, wo wir um 9:15 Uhr, exakt 3 Stunden nach dem Aufbruch am Biwak, ankommen. Jippie, geschafft!

2000 Meter Abstieg

Nach zwanzig Minuten Wolkenlücken abwarten und Brotzeit inhalieren überlassen wir den Gipfel des Wilden Freiger wieder sich selbst. Der Blick nach Süden auf das Becherhaus blieb uns leider verwehrt, auch der Blick auf den höchsten Stubaier Gipfel, das Zuckerhütl, und den benachbarten Wilden Pfaff bleiben uns verwehrt.

Auf dem Normalweg von der Nürnberger Hütte ist jetzt etwas mehr los, ein paar Bergsteiger erkundigen sich nach den Bedingungen, wir können Entwarnung geben. Trotzdem kommen uns einige entgegen, denen wir angesichts des Wetterberichts (am Nachmittag soll es gewittern) am liebsten zur Umkehr raten würden. Doch darf man das allein wegen eines „unfitten“ Aussehens und einer späten Aufbruchzeit?

Die ein- oder andere Rutschpartie über Firnfelder beschleunigt unsere „Abfahrt“, und gegen 12 Uhr mittags treffen wir wieder am Basislager ein. Ein kurzer Snack, ein paar Fotos, Zelt abbauen – und schon geht es runter zur Sulzenauhütte, wo erneut Schnitzel, Spaghetti, Bier und g’spritzter Holler auf hungrige und durstige Mäuler warten. Es fällt uns fast schon schwer, das Hochgebirge wieder hinter uns zu lassen….die Faszination Zentralalpen-Dreitausender hat einen schnell gepackt!

Aber es hilft alles nix – wir müssen wieder runter ins Stubaital. Zur Feier des Tages nehmen wird den kleineren Steig, der näher an den großen Wasserfall unterhalb der Sulzenauhütte heranführt, lassen uns von der Gischt benetzen und steuern wieder den Talgrund des Stubaitals an. Wenigstens ist auf dem Holzbohlen-Weg (der mich an einen Westcoast-Trail erinnert) hinab zur Grawa-Alm weniger los als am Tag zuvor, und es macht direkt Spaß, die unzähligen Stufen hinabzutänzeln. Um 16:30 Uhr geht eine schöne, anstrengende und inspirierende Hochtour zu Ende.

Infos zum Wilden Freiger (3.418m)

  • Lage: Stubaier Alpen, Tirol, Österreich
  • Ausgangspunkt: Grawa-Alm, Stubaital
  • Benachbarte Touren: Stubaier Höhenweg, Zuckerhütl, Habicht u.v.m.
  • Karte: AV-Karte Hochstubai (bei bergzeit.de)
  • Gehzeit: Grawa-Alm-Sulzenauhütte: 2,5 h; Sulzenauhütte-Gipfel: 4h