Dezember-Laufrunde im Estergebirge

Dem Schneemangel sei dank ging es sich Mitte Dezember mit einer hübschen Laufrunde durch das Estergebirge aus. Beeindruckender Föhnsturm auf dem Krottenkopf inklusive.

Mit einem dumfpen „Klock“ fällt die Autotür ins Schloß. Die Entscheidung, nach Wallgau zu fahren, fiel quasi unterwegs – ein Phänomen, dass ich seit Geburt unserer Kinder häufig beobachtet habe. Für Planung bleibt wenig Zeit und wenig Muße. Meist schwirren mir glücklicherweise mehrere Projekte im Kopf herum, ich muss also nur in den „Fundus“ greifen und eines herausfischen. Was dann tatsächlich in Angriff genommen wird, entscheidet das Bauchgefühl während des Aufbruchs.

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Laufwinter 2015 – Klimawandel im Alpenvorland

Ein eigenartiger Winter – aber vielleicht genau das, worauf wir uns die nächsten Jahre einstellen müssen. Längere Kältephasen sind die absolute Ausnahme, die Schneelage ist nur schwer vorauszusehen.

So kam es bei uns im Tölzer Land vor, dass innerhalb von nur einer Woche die Temperatur von minus 15 Grad Celsius auf plus 12 Grad Celsius stieg. Beim Laufen fallen die Temperaturschwankungen besonders drastisch auf.

Frost und Frühling

Am 22.01. lief ich bei frostigen -15 Grad in die Arbeit – beeindruckende Verhältnisse und der wohl schönste Winterlauf bisher. Ich habe den Eindruck, dass Winter-Fanatiker wie ich solche Kälteerlebnisse festhalten müssen wie einen Schatz!

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Link zum Lauf (leider musste ich den Lauf manuell eingeben, da die Datenübertragung meines Test-Forerunners gestreikt hat): http://connect.garmin.com

Eine Woche danach lief ich von Otterfing nach Bad Tölz – ein guter Halbmarathon. Der Schnee-Spuk war schon wieder komplett vorbei. Tauwetter auf einer Traumstrecke.

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Über Palnkam an den Teufelsgraben, diese sagenumwobene, ehemalige Ablaufrinne der Isar. Dann über den „Hochrain“, eine komplett bewaldete, über 750 Meter hohe Hochfläche, an die Verbindungsstraße Dietramszell-Holzkirchen. Schließlich durch den nicht minder beeindruckenden Zeller Wald hinauf zur „Grünen Marter“ und über verlassene Waldpfade zum Kogler Lack.

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Der Zeller Wald hat mich verzaubert. Definitiv einer der wildesten Flecken im Tölzer Landkreis. Man findet nur wenig darüber im Internet. Und das, was man findet, zeugt von der Wildheit des Geländes. Haberfeldtreiben, Schwedeneinfälle – ich muss glaube ich mal ins Dietramszeller Dorfarchiv gehen, um zu recherchieren.

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Schließlich Endspurt über Ellbach. Und das alles bei Temperaturen über zehn Grad! Ende Januar!

Link zum GPS-Track: http://connect.garmin.com

Nur zwei Tage später danach bei intensivem Nassschneefall ein knapper 30er via Fischbachmühle und Isarstausee rüber ans Isar-Ostufer. Dann über den „Ratzenwinkel“ und die „Sauhölle“ nach Schnaitt und Hechenberg. Runter nach Bairawies und Einöd. Retour über Tattenkofener Brücke, Malerwinkel, Schuß und Berg.

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Die Strecke war gut ausklamüsert und von anderen Läufen und Radfahrten größtenteils bekannt, trotzdem ärgerlicher Verhauer bei Schnaitt. Ich lief frei Schnauze und war schlicht zu faul um ordentlich zu navigieren. Ergebnis: Orintierungsschwierigkeiten und Wegverlust in einem Bachtälchen und später die Erkenntnis, dass ich in der verschneiten Landschaft Schnaitt mit Reut verwechselt habe. Peinlich, peinlich…da werden Erinnerungen an die Zeit der Winterausbildung bei den Pfadfindern wach!

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Die nasskalten Bedingungen machten den Lauf zudem maximal energieraubend. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Marathon mal so geschlaucht hat wie dieser 30 km-Lauf!

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Link zum GPS-Track (für die Spitzfindigen: im Ratzenwinkel hatte ich mit einem Signalverlust zu kämpfen): http://connect.garmin.com/

Was nach diesen völlig unterschiedlichen Läufen innerhalb von nur 9 Tagen bleibt, ist ein fahler Beigeschmack. Die Winter, wie sie hier im Alpenvorland typisch waren, scheinen passé zu sein. Mich macht das traurig und betroffen zugleich.

Das Absurde daran ist, dass die outdoorsportliche Menschheit (wenn überhaupt) nur sehr langsam dazu bereit zu sein scheint, Kompromisse einzugehen, sich zu bremsen, mal an einem halbscharigen (für die Nicht-Bayern: wettertechnisch nicht ganz optimalen) Wochenende daheim zu bleiben. Zwar sieht man (zumindest habe ich das Gefühl) ein paar mehr Läufer und Sportler, die bewusst ihre unmittelbare Umgebung zum Sporteln verwenden und kreativ sind, was das „Sporteln vor der Haustür“ angeht. Die klassische Skifahrer- und Skitourengeherfraktion scheint jedoch nach wie vor auch haarsträubende Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um dem Schneesport zu fröhnen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich damit eine ganze Szene langfristig ihr eigenes Grab gräbt und sehenden Auges nur noch verzweifelter weit entfernte Hänge hinunterkratzt.

Klar, Verzicht als Lifestyle ist nicht sexy. Aber klimaverwandelte Berge und Autokolonnen in die letzten verschneiten Täler sind noch viel weniger sexy.

Der Mensch war noch nie besonders gut darin zu schützen, was er liebt. Was denkt ihr? Ist Euch das zu pessimistisch? Ist alles gar nicht so schlimm? Sollen sich die Berge und die Teilzeit-Ökos mal nicht so haben? Ich freue mich über Kommentare.

Münchner Winterlaufserie 10k

Der Nikolauslauf am 05.12. war der Auftakt zur dreiteilligen Münchner Winterlaufserie 2015/16. Die klimafreundliche Anreise per Rad machte den Lauf zu einer konditionellen Herausforderung!

Alle reden vom Klimaschutz, und trotzdem fährt die Menschheit Auto, als ob es kein Morgen und keinen Klimawandel gäbe. Es liegt speziell an uns Sportlern und im Besonderen an den Radfahrern, für eine Minimierung des CO²- und Feinstaubaustoßes einzutreten, denn wir sind es, die den giftigen Qualm, den der Kfz-Verkehr verursacht, Tag für Tag inhalieren dürfen.

Mit diesen Gedanken schwinge ich mich um kurz nach 12 Uhr Mittags auf’s frisch reparierte Tourenrad und steuere den Münchner Olympiapark an. Gelebter Klimaschutz während des UN-Klimagipfels – was gibt es schöneres!

Teil 1: Anreise per Rad

Absurd warm ist es an diesem 5. Dezember, und ich muss sogar eine Schicht Oberbekleidung ablegen, um nicht zu sehr zu schwitzen… Auf dem Radweg Richtung Wolfratshausen ist heute reger Verkehr, erst auf der B11 Richtung Icking dünnen die Radler aus.

Ich hole aus meiner Nexus 8 Nabenschaltung raus, was ich kann, flitze den abwechslungsreichen Radweg über Hohenschäftlarn, Baierbrunn und Höllriegelskreuth nach Pullach und finde mich schließlich bei den Siemenswerken wieder. Altbekanntes Laufgelände aus meinen Münchner Jahren…

Zum Glück muss ich mich nicht zu sehr beeilen, denn der Startschuss zu den 10km knallt erst um 15 Uhr. So genieße ich ein wenig das Stadtflair, schwelge in Erinnerungen und zirkle durch Mittersendling. Bald habe ich Harras, Westpark und das Feierwerk passiert und begebe mich über die Donnersberger Brücke auf die Zielgerade zum Olympiapark. Zahlreiche Sportler in Läuferkluft machen auf das nahende Großereignis mit immerhin 1.700 Teilnehmern aufmerksam.

Schließlich erreiche ich nach knapp 50 km Radlstrecke das Olympiastadion und begebe mich nach Abholung der Startnummer gleich in den Umziehbereich, um vom Rad- in das Laufdress zu wechseln.

Teil 2: Der Lauf

Warmlaufen muss ich mich nicht, und so mache ich nur ein wenig Gymnastik, um die leicht vorbelasteten Muskeln auf die andersartige Belastung vorzubereiten.

Eigentlich bin ich der Annahme, ich hätte mich weit genug vorne eingeordnet. Als jedoch der Startschuss knallt, strömen so viele Läufer aus den beiden Starttoren auf die erste Rechtskurve zu, dass es zu einem Gerangel kommt, wie ich es selten bei einem Lauf erlebt habe…Adrenalin liegt in der Luft!

Nach 200 Metern habe ich mich jedoch freigelaufen und erschrecke direkt, als ich auf den (für mich) absurd hohen Schnitt von 3:30 min/h aufmerksam werde, den mir mein Test-Forerunner 630 meldet. Der übliche übermotivierte erste Kilometer…

Die 5km-Runde um den Olympiasee mit Abstecher zum Radstadion, die es heute zweimal zu durchlaufen gilt, zeigt sich einmal wieder von ihrer kurzweiligen Seite. Dieses Jahr wurde sie leicht modifiziert und um einen Mini-Anstieg erweitert. Nach rund 19 Minuten bin ich das erste Mal durch und merke langsam, dass ich heute schon 50 zügig gefahrene Radkilometer in den Haxn habe. Also Zähne zusammenbeissen!

Die finalen 2 km werden zu einem echten Kraftakt, und nach 38:55 min laufe ich glücklich im Ziel ein und gleich durch zum Tee im Verpflegungsbereich und weiter unter die warme Dusche, die ich heute besonders genieße. Mit dieser Zeit bin ich nach der „Radbelastung“ sehr zufrieden, schließlich war das heute ein Experiment!

Teil 3: Zurück nach Hause

Es dämmert, als ich mich um 16:30 Uhr wieder auf’s Rad Richtung Heimat schwinge. Bald habe ich den Olympiapark hinter mir gelassen, passiere die Donnersberger Brücke Richtung Süden, lasse den betriebsamen Harras hinter mir und fahre Richtung Pullach. Was mir als „Landei“ massiv auffält: Diese Ampeln! Ich hatte schon ganz vergessen, wie sehr sie einen in der Stadt ausbremsen und nerven. Echt zum Abgewöhnen…..von traumhaften Rad-Zuständen wie in Kopenhagen ist München noch Lichtjahre entfernt. Der Vorrang, der Autos nach wie vor eingeräumt wird, ist für Radler schlicht frustrierend. Immerhin, an kleinen Details wird gefeilt, so zum Beispiel am Radweg auf der Trasse der ehemaligen Isartalbahn zwischen Thalkirchen und Solln, wo ein ärgerlicher „Ausbremser“, die Einmündung auf die Heilmannstraße, endlich beseitigt wurde.

Die Temperatur bewegt sich rasant Richtung 0°C-Grenze, und nach 17,5 Kilometern beschließe ich von Höllriegelskreuth bis nach Wolfratshausen die S-Bahn zu nutzen. Auf der 20-minütigen Fahrt schlafe ich fast ein und kann die Beine soweit erholen, dass sich die finalen 12,5 km von WOR nach Hause fast wie von selbst radeln.

Fazit:

  • schöner erster Lauf der Münchner WLS mit perfekter Orga
  • im Winter per Rad an- und abzureisen verleiht dem Lauf eine besondere Würze
  • in Sachen Radfahren vermisse ich München kein bisschen
  • Leute, lasst’s ab und an einfach mal die Autos stehen

Hier die Tracks: