Zwieselbacher Rosskogel by fair means

By fair means auf den Zwieselbacher Rosskogel und zurück: 235 km und ca. 3.800 Höhenmeter mit dem Rad, 1.400 Höhenmeter zu Fuß, 19 Stunden.

Mal schnell auf einen Dreitausender laufen und mit dem Rennrad anreisen – das gehört zu den Projekten, die lange im Kopf herumgeistern und irgendwann gemacht werden müssen. Wenn dann noch alles wie am Schnürchen klappt – umso besser!

9. Juli 2018, 3 Uhr morgens. Alles ist vorbereitet, ich greife nur schnell zu meinem kleinen Rucksack, in dem ich Wechselshirt, Trailrunningschuhe und Proviant verstaut habe, gieße mir noch einen schnellen Kaffee rein und nehme ein ebenso kleines Müsli zu mir – und bin unterwegs.

Um diese Uhrzeit ist es einsam auf der B11, ich habe die Bundesstraße ganz für mich allein, fahre Schlangenlinien, „spiele“ mit den Mittelstreifen … und bin doch wieder schnell bei der Sache, denn ich hab‘ noch was vor: Über Walchensee, Mittenwald und Seefeld ins Inntal, dann weiter durch das Sellraintal bis nach St. Sigmund zu meinem Spezl Lukas Ruetz, mit Lukas durch das Gleirschtal und über die Pforzheimer Hütte auf den Zwieselbacher Rosskogel (3.082 Meter) und über Kühtai, das „Sattele“, den Telfser Berg und Mittenwald, Walchen- und Kochelsee wieder retour nach Königsdorf.

Weiterlesen „Zwieselbacher Rosskogel by fair means“

Heimgarten und Herzogstand by fair means

Mit Rennrad und Laufschuhen auf Heimgarten und Herzogstand – eine by fair means-Aktion wie aus dem Bilderbuch.

Heute gibt es mal einen Triathlon der etwas anderen Art: Anreise mit dem Rennrad, Belaufung mit den Laufschuhen – und Retour ebenfalls mit dem Rennrad. Natürlich möglichst hurtig, damit der sportliche Aspekt nicht zu kurz kommt!

4:30 Uhr. Der Mond spiegelt sich auf dem Asphalt der B11. Zwischen meinem Heimatort und Kochel am See begegne ich auf der B11 2 (!) Autos. Um diese Uhrzeit macht das Rennradeln auch auf einer tagsüber überlasteten Bundesstraße Spaß. Abgesehen davon: Wer Herzogstand und Heimgarten an einem knalligen Maiwochenende für sich haben möchte, muss früh aufbrechen.

Nach zügiger Radfahrt schließe ich das Rennrad hinter Schlehdorf ab. Punkt halb sechs wechsle ich in die Laufschuhe und nehme die Fahrstraße in den Kessel nordöstlich des Heimgarten in Angriff.

Die Sonne blinzelt durchs Buchengehölz, der Tag bricht an. Der Fahrweg wird zum Steig, steil geht es bergauf zum Nordrücken des 1790 Meter hohen Bergs. Knapp 1 1/4 Stunden nach dem Loslaufen bin ich am Gipfelkreuz. Ein schwer bepackter Wanderer ist der einzige, den ich während des Aufstiegs getroffen habe.

Nach kurzer Fotopause geht’s gleich weiter zum Herzogstand. Der Gratrücken macht Spaß, Tiefblicke zum Walchen- und Kochelsee würzen die Strecke. Auf und ab und hin und her – die Strecke lässt keine Langweile aufkommen. Kein einziger Mensch ist hier unterwegs und so bin ich direkt überrascht, im Gipfelpavillon auf dem Herzogstand zwei dick eingepackte Fotografen anzutreffen, die Fotoausrüstung im Wert eines Kleinwagens Richtung Sonnenaufgang aufgebaut haben. Es zieht wie Hechtsuppe, mir weht es fast die Flasche aus der Hand!

Also schnell weiter. Spaßig geht’s runter über das Herzogstandhaus und den Fahrweg bis zur Abzweigung des Pionierwegs, der wie bei der letzten Belaufung im Winter eine Mordsgaudi macht! Offenbar waren hier auch Mountainbiker unterwegs. Definitv ein Weg der Sorte, die mir persönlich mit Laufschuhen mehr Spaß macht…

Nach exakt zweieinhalb Laufstunden erreiche ich wieder mein Rennradl und flitze eine Alternativstrecke über Sindelsdorf und Penzberg wieder nach Hause, wo ich gut fünf Stunden nach Aufbruch ankomme. Fazit: Gerne wieder!

Gelaufen mit:

adidas Terrex X-King

Hier die GPS-Tracks:

Anreise: https://connect.garmin.com/modern/activity/1178702164

Laufrunde: https://connect.garmin.com/modern/activity/1178702257

Abreise: https://connect.garmin.com/modern/activity/1178702361

185er mit dem Rennrad

Mit dem Rennrad im März durch die Voralpen nach Kaufbeuren – unten Frühling, oben Winter

Dass es lang werden würde, war klar. Dass die Strecke von Königsdorf nach Kaufbeuren mit dem Rad so schön abwechslungsreich sein kann, war etwas Neues. Dass die Menschheit kurz davor ist, dem Autowahn auch noch die letzten zauberhaften Ecken zu opfern, leider nicht…

Krach, die Tür fällt in’s Schloß. Kein zurück. Heute durch die Berge ins Allgäu zu radeln – eine sehr spontane Entscheidung.

Über die alte Tölzer Straße geht’s nach Tölz, dann via Arzbach nach Lenggries. Seltsame Windverhältnisse, um die Null Grad. Hoffentlich bleibt das nicht so, denn die Füße sind bereits nach 10k tiefgefroren.

Nach Wegscheid dann Schnee auf der Fahrbahn. Die Jachenau eingehüllt in Sonnenstrahlen und Wasserdampf. Langsam wird’s wärmer.

Am Walchensee nach 45 Kilometern ein erstes Päuschen. Angler sind die einzigen, die diesen frostigen Ostersamstag für einen Ausflug an den See nutzen. Ansonsten freie Fahrt auf der Mautstraße.

image

Ich radle weiter über Einsiedl auf den Radweg nach Wallgau und kürze ab Richtung Klais. Wahnsinnsverkehr auf der B2. Bettenwechsel macht sich bemerkbar. Mühsam reihe ich mich ein, um mich herum schwer beladene Familiengefährte mit Berliner, Essener und Dortmunder Kennzeichen.

image

Zügig geht’s runter nach Partenkirchen, das ich über gewundene Wege links liegen lasse. Nach Farchant dann die Ernüchterung. Mit dem Rennrad müsste man, um auf Teer nach Oberau zu kommen, durch den Gegenverkehr für kurze Zeit auf die B2 einfädeln. Bei der Blechkolonne ein Ding des Unmöglichen. Ich fahre kurz Retour um mir eine Alternative zu suchen.

Schließlich geht’s auf Schotter an der Loisach entlang. Dabei traumhaften Pausenplatz entdeckt mit Blick auf den Wetterstein. Kurze Verschnaufpause mit Cranberries und Schoki.

image

Schließlich geht’s zügig rauf nach Ettal und gleich weiter ins Graswangtal nach Linderhof. Die Hoffnung, hinter dem Königssschloss möge sich die Autoflut ein wenig dezimieren, zerschlägt sich schnell. Vor allem die fetten SUVs machen einem als Radler auf der schmalen Bergstraße zu schaffen. Ein unangenehmes Gefühl, wenn ein mehr als zwei Tonnen schweres Ungetüm überholt, während parallel noch Gegenverkehr unterwegs ist.

image

Dafür ist die Aussicht auf Kreuzspitze und Geierköpfe um so atemberaubender….das hat heute durch den Neuschnee eine zentralalpine Optik.

image

Kurz hinter dem höchsten Punkt der Strecke, dem rund 1120 Meter hohen Ammersattel, mache ich nach 120 km eine Mittagspause und lasse die Blechlawine an mir vorbeirauschen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier noch vor zehn Jahren deutlich weniger los war.

image

Dann geht es hinab über den Plansee nach Reutte. Ich kehre im Eurospar-Café ein und gönne mir eine schön salzige Bruschetta. Eine Flüchtlingsgruppe betritt den Laden und wünscht der Verkäuferin „Frohe Weihnachten“.

Schließlich geht’s via Pinswang Richtung Bayern. Ich bestaune den Lechfall und versuche, das gnadenlos überlaufene Füssen durch die Fußgängerzone zu durchqueren. Vergeblich.

image

Über einen etwas chaotischen Hinterhof-Weg inklusive Geländeeinlage erreiche ich schließlich den schnellen Bahntrassen-Radweg und flitze an Stötten vorbei nach Kaufbeuren. Gegen Ende fühlt sich die Tour so richtig nach Frühling an!!

image

Fazit:

Tolle Strecke mit mehr als 185km und immerhin 1500 Höhenmetern. Leider ist mir an diesem Ostersamstag erneut klar geworden, dass wohl nur wenige das Auto auch mal bewusst stehen lassen. Eine schmerzhafte Erkenntnis – denn das Ergebnis ist, dass „schwache“ Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger immer mehr an den Rand gedrängt werden. Klar, jeder will Spaß haben an Ostern. Dass man dafür aber nicht zwangsweise durch die halbe Weltgeschichte kutschieren muss…naja, anderes Thema.

image

Einige autofahrende Zeitgenossen scheinen zudem nicht ganz zu verstehen, was ein Miteinander mit Radfahrern auf der Straße bedeutet. Frustrierend ist auch der (subjektiv) immer höhere Anteil an SUVs, raumverschlingenden Minibussen und Vans, die für schmale alpine Straßen denkbar ungeeignet sind. Wie haben das eigentlich unsere Eltern damals gemacht?!

Zwei Tage später ging’s dann eine etwas direktere Route über Ammer- und Starnberger See wieder zurück – immerhin nochmal gute 100 Kilometer.

Hier geht’s zum GPS-Track:
https://connect.garmin.com/modern/activity/1099669745

Und die Rückroute :
https://connect.garmin.com/modern/activity/1102165590

Hitzefahrt

Von Kaufbeuren nach München sind es knapp 90 Kilometer. Die Welligkeit des Geländes ergibt zudem rund 450 Höhenmeter. Bereits mehrmals habe ich auf der Strecke mit dem Rennrad in beide Richtungen einen 30er Schnitt halten können.

Heute jedoch nicht. Die Hitze hat hat mir bereits den Tag über die Energie aus den Knochen gesaugt. Weiterlesen „Hitzefahrt“