Vorderer Brochkogel, 3565 Meter

Der Vordere Brochkogel in den Ötztaler Alpen ist nicht nur vergleichsweise einfach zu besteigen, sondern erstaunlicherweise auch vergleichsweise selten besucht. Im Rahmen eines Geburtstagsbiwaks war der 3.565 Meter hohe Berg nun fällig. 

Um viertel nach sechs Uhr abends starten wir die Tour in Vent. Es wölkt, es nebelt – keine Ahnung, ob das mit dem Wetter so klappen wird wie wir uns das vorstellen. Wenigstens zum Fotos schießen ist die Stimmung einmalig!

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Soiern Solo

Ein lang gehegtes Laufprojekt im Karwendel wurde heute in die Tat umgesetzt: Die ganze Kette ab Galgenstangenkopf bis zur Gumpenkarspitze am Gratrücken entlang ablaufen, dann Soiernspitze mitnehmen und über die Reißende Lahnspitze und die Schöttelkarspitze zum Soiernhaus. Zurück über das Fischbachtal. Das ganze recht kompakt als Früh- und Vormittagstour.

Rauf auf den Kopf

Die Laufrunde gurkte mir schon lange im Kopf herum. Der Versuch, sie noch zu Zeiten vor meiner „Laufkarriere“ als Bergtour zu bewältigen, endete im Soiernkessel in einem Gewitter. Doch heute habe ich die Zeit und hoffentlich auch das Wetter auf meiner Seite. Jedenfalls glitzern die Sterne am Himmel, als ich um 3 Uhr aufstehe.

Ein Kaffee im Auto fährt den Hirnrechner hoch, und um kurz nach halb fünf treffe ich schon am Ausgangspunkt ein. Kurze Parkplatzsuche, schnell einen Jäger-Jeep geschickt umgangen (wer weiß, was der mir heute früh gehustet hätte), und schon geht es los. Ich bin voll auf Adrenalin.

Zunächst muss ich erstmal 1.000 Höhenmeter hinauf auf den ersten Gipfel. In exakt einer Stunde nach dem Start stehe ich um sechs knapp unterhalb des Galgenstangenkopfs.

Ich lasse ihn der Einfachheit halber rechts liegen, denn heute gibt es noch wichtigere Gipfel abzuhaken. Es ist bereits hell. Beeindruckend, wie die großen Karwendelgipfel langsam aufwachen!

Im Frühtau am Gratrücken

Ich starte gleich durch und laufe den kleinen Pfad am oder knapp unterhalb des Gratrückens entlang. Der Fermerskopf ist ein recht zahmer Mugel, danach wird es etwas sportlicher. Schließlich jogge ich über den steilen aber wunderbar laufbaren Südostrücken auf dem Gipfel der Baierkarspitze ein. Was für ein Laufrausch hier oben, das Ambiente beflügelt!!! Ich stehe und staune…dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt.

Nun muss ich etwas vom Gas gehen, denn der Weg wird anspruchsvoller. Steil geht es hinab in eine schrofige Einschartung. Ein riesiges Gamsrudel liegt in der Morgensonne – bereits das zweite heute.

Am Gipfel der Dreierspitze wird das Gelände felsiger, man muss kurz die Hände zu Hilfe nehmen. Ich nehme alle Kraft zusammen, um über das Neulahnerkar den Gipfelaufbau des ersten Höhepunktes, der 2.109 Meter hohen Krapfenkarspitze, zu erreichen. Eine kurze 1er-Kletterstelle, und schon bin ich oben. Zeit für eine Pause – es ist jetzt zwanzig vor 7 Uhr.

Leider schaut das Wetter etwas seltsam aus der Wäsche. Wolken haben die Sonne verhüllt. Ich traue dem ganzen nicht recht, ich entschließe mich trotzdem die große Runde vollzumachen und nicht gleich via Soiernhaus abzubrechen. Bin ja nicht zum Spaß hier!

Über Schnee zur Soiernspitze

Also löse ich mich vom „Krapfen“ und turne hinüber zum nächsten Gipfel, der Gumpenkarspitze. Ein Eintrag ins Gipfelbuch, und schon befinde ich mich auf dem Downhill zur knapp 1900 Meter hohen „Jägersruh“, dem Sattel zwischen Soiernkessel und Fermersbachtal.

Der gut ausgetretene Weg zur Soiernhütte wird schnell wieder verlassen, und ich quere etwas mühsam die schrofigen Reißen unterhalb der Soiernspitze hinüber zur Soiernlache, dem normalerweise recht kleinen Tümpel oberhalb der Soiernseen. Heute hat die „Lache“ aber durchaus den Namen „See“ verdient, so voll ist sie mit Schmelzwasser.

Auf dem gut ausgetrampelten Normalweg auf die Soiernspitze geht es schließlich recht steil hinauf zum 2122 Meter hohen Sattel zwischen Soiern- und Reißender Lahnspitze. Ab 2000 Meter gehts über ein recht mühsames Schneefeld, die „Schlüsselstelle“ der Tour. Mit Bergschuhen wäre das Schneefeld nicht der Rede wert, mit Laufschuhen ist es unterhaltsam bis spannend….

Zehn Minuten später sitze ich schon auf dem höchsten Punkt der Runde, der 2257 Meter hohen Soiernspitze. Es ist viertel vor Acht. Gute drei Stunden sind bis hier seit dem Loslaufen vergangen.Ich gönne mir einen Riegel und nuckle mein Flascherl leer.

Rüber zur Schöttlkarspitze und runter

Jetzt folgt eigentlich schon der entspannte Teil der Laufrunde – zumindest rede ich mir das ein. Ich renne wieder hinab zum eben erwähnten Sattel, nehme mit mehr oder weniger kleinen Gegenanstiegen die Reißende Lahnspitze, die Soiernschneid und den Feldernkopf mit (bzw. passiere die Gipfel auf dem schön laufbaren Hauptweg knapp unterhalb) und erreiche schließlich die etwas ausgesetzte Passage am Feldernkreuz. Wider Erwarten liegt in der Querung hinüber zur Schöttelkarspitze gar kein Schnee mehr. Umso besser!

 

Gute vier Stunden nach dem Start erreiche ich schließlich den letzten Gipfel der Runde, die Schöttelkarspitze. Je nach Zählweise habe ich jetzt 10 Gipfel eingesackt. Und das mit gerade mal 2.300 Höhenmetern!

Es hält mich hier nicht lange, ein zweites Frühstück auf dem Soiernhaus klingt einfach zu verlockend. Also nichts wie hinab über den hübschen Reitsteig. Am Soiernhaus werden dann drei Skiwasser, russischer Zupfkuchen und Kaffee inhaliert. Ich bin bereit für den Homerun!

Weglos zurück

Am Soiernhaus ist Aufbruchsstimmung – ich habe hingegen mein Tagespensum erfüllt. Bis zur Schöttelkarspitze habe ich keinen einzigen Menschen, dafür aber geschätzt 150 Gemsen gesehen. Um kurz nach 9:30 Uhr mache ich mich bereit für den Rückweg zum Ausgangspunkt.

Zunächst geht es den Normalweg hinab zur verfallenen Hundstall-Hütte und von dort direkt ins gleichnamige Tal. Zuerst nutze ich den Fahrweg, breche dann durch steiles Gelände hinab zum Bach und laufe ca. 2 km weglos am rauschenden Bach entlang, ehe rechts die Möglichkeit besteht, über einen Steig den Fahrweg zur Mösl-Alm zu erreichen (ich kenne die Route von einer Tour in entgegengesetzter Richtung).

Leider leiste ich mir einen bösen Verhauer und lande auf einem Wildwechsel, der sich im Steilhang verliert. Bei der Aktion zerstöre ich auch noch einen meiner Stecken. Arrgghh! Ich will doch eigentlich schnell heim, um zu Mittag zu grillen!

Also wieder zurück zum Bach. Eine Biegung weiter wäre der richtige Abzweig gewesen…verdammt! Hauptsache, ich bin auf der richtigen Route, denn die Alternativen sind hier recht übersichtlich.

Die Gegenanstiege zur Möslalm ziehen nochmal ordentlich Energie. Nach insgsamt sieben Stunden (davon knapp 5 1/2 Laufstunden) komme ich um halb zwölf wieder am Auto an. Projekt abgehakt! 🙂

HINWEISE:

  • Der Pfad/Steig über den Galgenstangenkamm/joch ist bis zur Baierkarspitze recht einfach, wenn auch nicht markiert
  • ab der Baierkarspitze bis zur Gumpenkarspitze ist ein wenig Orientierungssinn und Trittsicherheit gefragt (steiles Schrofengelände, kurze Kletterstellen bis UIAA I)
  • die Belaufung der Soiernspitze über den Normalweg von Norden kann durch das Schneefeld bis in den Juli hinein verschwierigt werden – schlauer ist in diesem Fall der Anstieg/Anlauf über den Südostrücken
  • die Umlaufung des Soiernkessels ist mit kurzen ausgesetzten Stellen am Feldernkreuz verbunden
  • Zeitaufwand für die gesamte Runde im Wandertempo: etwa 12-14 Stunden; hier bietet sich eine Übernachtung im Soiernhaus an
  • ACHTUNG: Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Route durch das Fischbachtal nur von gut ausgerüsteten Bergsportlern mit gutem Orientierungssinn gewagt werden sollte. Es handelt sich um keinen offiziell markierten Weg!

EINKEHRMÖGKICHKEIT:

GPS-Track auf Strava

https://www.strava.com/activities/612918001/embed/6ad89927aacff57582c4c74a70006cb6b11605dc

Mittenwalder Höhenweg auf Speed

Ende der Laufstrecke - Beginn des Mittenwalder Höhenwegs

Im Rahmen eines Klettersteigset-Tests ging es auf die Schnelle den Mittenwalder Höhenweg entlang. Bis mich der Schnee ausbremste.

Jetzt schon aufstehen? Nein. Ich schalte den Wecker um vier Uhr wieder aus. Heute wird es nichts mit dem Sonnenaufgang, heute bin ich zu müde. So schwinge ich mich erst um viertel vor sieben ins Auto und fahre nach Mittenwald, wo ich kurz nach halb acht am Parkplatz der Brunnsteinhütte losstarte.

Das Ziel: mindestens Kirchlspitze, eventuell Sulzleklammspitze, vielleicht sogar der ganze Mittenwalder Höhenweg. Im Gepäck: ein funkelnagelneues Edelrid Klettersteigset, das ich kurz für meinen Arbeitgeber Bergzeit testen werde. Der Clou: Um zügig oben zu sein, werde ich das ganze mit einem ausgewachsenen Berglauf kombinieren, von daher ist die restliche Ausrüstung sehr leicht.

Entsprechend schnell geht’s die Serpentinen rauf zur Brunnsteinhütte, wo ich nach einer guten halben Stunde durchlaufe. Zwei Leute sitzen mit Kaffee auf der Terrasse, ich grüße und renne gleich durch. Möge der Kaffee mit Euch sein! Die Kehren werden länger und flacher – optimales Laufgelände hier oben. Erst ganz zum Schluß, kurz unter dem Brunnsteinanger, wird der Lauffluß durch schrofige Abschnitte durchbrochen. Eineinviertel Stunden nach dem Start am Auto komme ich am Beginn des Mittenwalder Klettersteigs auf ca. 2250 Metern Höhe an, ein weiterer Aspirant gesellt sich dazu. Toller Blick Richtung Osten ins Karwendeltal!

Nach kurzer Umrüstung gehen wir gemeinsam los. Ich schieße immer wieder Bilder meines „Testgeräts“ und munter geht es über Gratkuppen, versicherte Stellen und Gehgelände hinauf zur Kirchlspitze auf 2301 Meter. Wir sind guten Mutes, dass wir den kompletten Steig packen können, und so turnen wir gleich auf der anderen Seite steil hinab zur Einschartung Richtung Sulzleklammspitze, deren 2321 Meter hohen Gipfel wir wenig später erreichen. Halbzeit, wenn man so will – denn ab hier strukturiert sich der Steig Richtung Linderspitzen, das Ziel liegt greifbar nahe.

Als wir uns jedoch an den Abstieg von der Sulzleklammspitze machen, werden erste steilere Schneefelder gequert. Die von Süden her erste Klettersteig-Leiter führt in eine breite Rinne, die noch gänzlich von tiefem, sulzigem Schnee ausgefüllt ist. Schnell ist die Entscheidung gefallen, hier nicht weiterzugehen. Erstens ist unklar, was danach noch an Hindernissen folgen könnte, zum anderen ist die Gewitterneigung heute nicht zu unterschätzen. Und drittens habe ich nicht das nötige Schuhwerk dabei, um so eine Stelle mit der nötigen Sicherheitsreserve queren zu können.

So turnen wir zurück Richtung Süden, verabschieden uns und ich laufe zügig wieder hinab zum Parkplatz, wo ich noch vor 12 Uhr mittags eintreffe. Bis zur Brunnsteinhütte begegne ich nicht einer einzigen Person, zwischen Hütte und Parkplatz sind es ungefähr 50 (!). Alles in allem eine gelungene Aktion mit zwei hübschen Zweitausendern!

Hier gibt’s die GPS-Tracks:

Website der Brunnsteinhütte: http://www.brunnsteinhuette.de

Dufourspitze 4637 Meter

Mit der Dufourspitze im Wallis will will ich eine kleine Serie beginnen, in der ich alle Viertausender vorstelle, die ich zwischen dem 18. und 26. Lebensjahr bestiegen habe. Los geht es mit einer der schönsten Touren.

Im Jahr 2003 ging es Ende August/Anfang September mit meinem Cousin auf die Dufourspitze, den zweithöchsten Berg der Alpen. Wie bei uns üblich mit dem Zelt und auf eigene Faust.

Wir starten von der Station Rotenboden der Gornergratbahn. Sauteuer das Bähnli, aber den Luxus gönnen wir uns dann doch mit den fetten Rucksäcken. Dann geht es den langen, fast auf Höhenlinie verlaufenden Weg zum Gornergletscher entlang, fantastische Ausblicke auf Lyskamm, Breithorn und Zwillinge…

Schließlich die relativ harmlose Querung über den mächtigen Gletscher. Ein Mann mit einer Katze kommt uns entgegen. Ein Mann mit einer Katze auf dem Gletscher? Wir reiben uns die Augen. Sachen gibt’s in der Schweiz!

Die damals noch alte Monte Rosa-Hütte lassen wir links liegen und stiefeln hinauf Richtung Grenzgletscher. Unter einem gigantischen Steinblock errichten wir das Zelt auf ca. 2900 Meter. Blick in die Runde – umwerfend.

Wie in den Westalpen so üblich starten wir am kommenden Tag ordentlich früh – gegen drei Uhr geht es los. Immerhin liegen noch mehr als 1700 HM vor uns. Bis zum Beginn des Monte-Rosa-Gletschers finden wir den Weg leicht, dann verhauen wir uns jedoch übelst im Gletscherbruch. Wir finden den richtigen „Einstieg“ nicht, verlieren die Spur und sind nur am Fluchen. Ein echter Irrgarten! So geht eine knappe Stunde nur mit der Wegsuche flöten. Zum Glück finden wir dann aber doch die korrekte Spur Richtung Nordend und Dufour.

Wir sind die ersten heute – und werden es auch bleiben. Es wölkt und wettert – offensichtlich haben sie viele Seilschaften auf der Monte Rosa-Hütte entschlossen, nicht loszugehen. Langsam merken wir die Höhe, langsam geht es auch voran. Schließlich erreichen wir die zum Teil blank geblasenen Abschnitte rechts hinauf auf den Sattel (4359 Meter). Hier ist Vorsicht geboten, wir drehen auch mal eine Eisschraube für eine Durchlaufsicherung in das Blankeis.

Jetzt nur noch der Gipfelgrat. Uns wird ob der Einsamkeit mulmig zumute. Der Grat ist zwar kein ausgesetztes Monstrum, aber so ganz alleine bekommen wir ein wenig Muffensausen. Wir lassen daher alles zurück, was wir an Gewicht entbehren können – inklusive Kamera. Hier soll uns nichts meher behindern. Kletterstelle für Kletterstelle tasten wir uns vor – der Grat entpuppt sich als spannend, aber machbar. Sichern müssen wir nirgends.

Und dann – das Gipfelkreuz. Geschafft! Wir fallen uns in die Arme. Einen so bedeutenden 4000er ganz alleine für sich zu haben, kommt dann doch selten vor. Angenehm warm ist es hier oben, wie genießen die Sonne und Windstille. Doch siehe da – von der Zumsteinspitze kommen zwei Italiener zu uns rüber. Wir freuen uns über das gemeinsame Gipfelglück!

Das Wetter weiß nicht so genau, was es will. Zwar gibt es dann und wann den Blick frei, die dauerhafte Rundumsicht bleibt uns aber verwehrt. Nix für ungut. Beim Rückweg zum Zelt kommen uns noch zwei Schweizer entgegen, die einzige Seilschaft, die wir auf dem Normalweg Richtung Monte Rosa-Hütte heute treffen. Am Zelt angelangt steht schnell die Entscheidung fest, noch eine Nacht zu bleiben. Uns ist nach Entspannung zu Mute…und nach schlafen, viel schlafen. Zwölf Stunden werden es schließlich.

Tags drauf packen wird unsere Sachen, lauschen ganz verdattert den Bayern 3-Klängen an der Hütte (geht denn da kein Couleur 3 rein?!) und geben das allerletzte Geld für Ovomaltine und Kuchen aus. Schließlich hatschen wir wieder komplett bis runter nach Zermatt. Genialer Berg!

Technische Daten:

 

 

 

 

Läuferischer Jahresrückblick 2015

Verletzungsfrei, abwechslungsreich, neuer 10k-Rekord – so lässt sich das Laufjahr 2015 am besten zusammenfassen.

Krass, schon wieder ist es vorbei, das Jahr! An läuferischen Aktivitäten bestand kein Mangel – im Gegenteil. Abwechslungsreicher und experimentierfreudiger als in den Vorjahren – und keine Bänderrisse oder andere Wehwehchen. In der Nachsicht lassen sich aus dem Potpourri ein paar schöne Highlights herausarbeiten.

Spontaneität

Wenn ein Wort das Laufjahr 2015 kennzeichnet, ist es dieses. Keine Trainingspläne, keine Vorgaben, nichts.  Und trotzdem hat es geklappt mit dem Karwendelmarsch, mit der Raiffeisen Oberland Challenge und Schmankerln wie den kompletten hin&zurück-Belaufungen von Benediktenwand (mehr als 60 Kilometer) und Auerberg (ein knapper Ultra).

By fair means und für mich alleine – das mag für die einen unverständlich sein, mir gibt es jedoch unglaublich viel. Mehrere Stunden in der freien Natur für sich die Seele baumeln lassen und den Körper spüren, ohne an irgendwelche Fixpunkte gebunden zu sein…das kennzeichnet für mich das Laufen und macht die Faszination Laufen aus. Dass dabei das Auto so gut wie immer in der Garage bleibt – umso besser. Spontaner Aufbruch, unterwegs sein, ankommen – das bedeutet Glück und Bestätigung.

Nicht geklappt hat es allerdings mit dem größten sportlichen Projekt 2015: Der Belaufung der Birkkarspitze (höchster Berg des Karwendels) von zu Hause aus. Das Ding hätte etwa 80 Kilometer und mehr als 3000 Höhenmeter gehabt. Machbare Rohdaten – aber ein falsches Timing. Ich musste mir nach gut 40 gelaufenen Kilometern in der Jachenau eingestehen, dass man nach einer 40h-Arbeitswoche nicht einfach am Abend um 22 Uhr mit einem leidlich mit Proviant vollgepackten Laufrucksack zu Hause starten und auf einen 2749m-Berg in einem durchlaufen kann (obwohl mich mein Bruder mit einer Verpflegungstation nach ca. 50 km unterstützt hätte). Aber solche Niederlagen gehören dazu und das Projekt steht noch für 2016. Dann unter dem Motto: mindestens 5h schlafen, in der Früh spätestens um fünf starten, das Rucksackgewicht extrem nach unten korrigieren. Achja: Danke, Urs, für das leckere Frühstück! 🙂

Ein weiteres ambitioniertes Projekt, die Belaufung des 3645m hohen Monte Vioz, klappte hingegen wie am Schnürchen. War allerdings logistisch auch deutlich einfacher zu realisieren. Von dieser kompakten 5h-Aktion zehre ich immer noch….

Wettbewerbe

Das Laufjahr 2015 begann mit den 15 und 20k-Läufen der Münchner Winterlaufserie. Beide sehr spaßig – und beide schnell. Wäre die 20k-Strecke zu einem HM geworden, wäre meine bisherige Bestzeit von 1:24:24h fällig gewesen.

Weiter ging’s mit den Läufen der Raiffeisen Oberland Challenge, die Mitte April ihren Anfang nahmen. Die ROC beinhaltet von kurzen 5k-Waldläufen bis zum HM alles, was das Läuferherz begehrt. Und ist dabei noch extrem familienkompatibel, da keine weite Anreise, kurze Laufdauer, familiäres Ambiente…. Von den 10 ROC-Läufen habe ich 7 mitgemacht. Highlights waren für mich der Wolfratshauser Stadtlauf (neue 10k-Bestzeit von 37:26min) und der Mooshamer Waldlauf, enttäuschend hingegen der Tölzer Isarlauf, bei dem ich eigentlich eine neue HM-Bestzeit erreichen wollte…aber man kann ja nicht alles haben.

Neben den ingsesamt fünf alleine gelaufenen „Trainings-Ultras“ (drei mal in die Arbeit&zurück an einem Tag (je ca. 48 km), Benediktenwand hin&zurück (ca. 63 km) und Auerberg (ca. 44 km) lief ich das fünfte Mal mit hohen Erwartungen beim 52 Kilometer langen Karwendelmarsch mit – und wurde enttäuscht. Anstatt meine Bestzeit von 5:15h aus dem Jahr 2012 zu toppen, blieb ich unter der für mich magischen 5:30h-Marke. Bei der Ursachenforschung bin ich bei der falschen Schuhwahl und der Hitze hängen geblieben. Zwar liebe ich den Saucony Nomad TR auf Strecken bis 30 km – alles, was darüber hinausgeht, scheint jedoch für die Dämpfung too much zu sein. Noch nie, wirklich noch nie hat mir ein Schuh im Wettkampf soviel Schmerzen (seltsamerweise an der Ferse) bereitet. Von daher beim nächsten Mal: Keine Experimente – und wieder mit Trinkrucksack.

Training

Wie eingangs schon erwähnt, trainierte ich völlig chaotisch, eher längere Strecken und komplett aus dem Bauch heraus. Absolute Ausnahme waren Kurzstrecken und Sprinteinheiten unter 10km – Strecken zwischen 15 und 25 Kilometer mit leichter Tendenz zum „Standard-Halbmarathon“ hingegen die Regel. Insgesamt bin ich 2015 35 Mal im Training Strecken zwischen 15 und 35 Kilometer gelaufen. Das Knacken der 20k-Marke wurde im Laufe des Jahres zum Usus, alles was darunter lag, lohnte gefühlsmäßig das Loslaufen nicht. Die Anfang des Jahres noch so spektakuläre 24k-Strecke in die Arbeit wurde fast schon zu einer Standardstrecke.

Diese solide Laufbasis garnierte ich mit zahlreichen Radfahrten in die Arbeit. Diese Guerilla-Trainingstaktik hat für mich zwei entscheidende Vorteile: Sie gibt einem ein Gefühl der Freiheit – und sie lässt viel Gestaltungsspielraum. Natürlich ist sie nicht der richtige Weg, um die 34 Minuten bei den 10k zu knacken, dass sie jedoch zielführend ist, beweist jedoch der immerhin dritte Platz in der AK bei der ROC.

Pausen

Auch was die Regeneration angeht, habe ich 2015 eine Guerilla-Taktik gefahren. Mal so, mal so. Einen Tag ohne Sport zu verbringen, kam häufig vor, zwei oder gar drei Tage sehr selten. Spätestens nach dem dritten Tag ohne Laufen oder Radeln stellte sich sowieso wieder ein massives Bewegungsbedürfnis ein.

Aussicht 2016

2016 steht hauptsächlich eines an: Hausumbau und Familie. Alles andere ist nachgeordnet. Nachdem sich die ROC jedoch so schön in den Alltag integrieren lässt, werde ich sie wieder mitlaufen. Vielleicht kann ich meinen dritten Platz in der AK verteidigen. Weiteres Highlight ist der Salzburg-Marathon Anfang Mai, bei dem ich beim zweiten Anlauf und der dritten Teilnahme bei einem Straßen-Marathonwettkampf die 3h knacken will. Ob ich 2016 beim Karwendelmarsch dabei bin, weiß ich noch nicht. Wenn, dann spontan!

Schlußgedanken

Laufen ist für mich im Laufe von drei Jahren zur Sportart Nummer 1 geworden, und das hat hauptsächlich einen Grund: die Familienkompatibilität. Keine weite Anfahrt zum Berg (so wie früher, als ich mir ein Leben ohne Berge nicht vorstellen konnte) – der Abenteuerspielplatz liegt direkt vor der Haustür. Was man mit 1,5h Laufen trainingstechnisch bewirken kann, ist beeindruckend. Natürlich zieht es mich ab und an noch gewaltig in die Berge – aber eben nicht mehr so wie früher, als ich ungezählte Stunden im Auto saß, nur um dann eine 4- oder 5 Stunden-Bergtour zu machen. Nicht zuletzt ist also laufen verdammt klimafreundlich – wenn man nicht gerade auf eine Bohnen-Diät setzt. 😉

Ich wünsche allen, die diese Zeilen lesen, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und viel Erfolg bei ihren sportlichen Projekten! Möge es eine verletzungsfreie Saison mit vielen schönen Lauf- und Sporterlebnissen werden!

 

Mit der Kraxe auf das Satteljoch

Das Satteljoch ist ein eher unbekannter Karwendelgipfel, muss es sich doch gegen so prominente Nachbarn wie den Kompar, die Montscheinspitze und die Bettlerkarspitze behaupten. Trotzdem oder gerade deswegen ist es ein recht einsamer Wandergipfel, der auf einer schönen Runde überschritten werden kann!

Die Tour beginnt an den auf 1077 Metern gelegenen Hagelhütten im schönen Engtal. Gleich zu Beginn wird der Rißbach überschritten, nach 10 Minuten folgt man, will man die komplette Runde gehen, dem Schild Richtung Plumsjoch / Plumsjochhütte. Weiterlesen „Mit der Kraxe auf das Satteljoch“

Brunnensteinspitze spontan

Als ich am Scharnitzer Bahnhof die Laufschuhe schnüre, ist es noch stockfinster. Bei minus 4 Grad geht es um 5:30 Uhr schließlich los. Es war eine recht spontane Entscheidung, heute die Brunnensteinspitze zu „belaufen“. Die Strecke ist mir unbekannt, nur ein „recht steil“ als Prädikat für den Normalweg habe ich noch im Hinterkopf…  Weiterlesen „Brunnensteinspitze spontan“