Sportlicher Jahresrückblick 2016

Trailrunning, Hochtouren, Wettbewerbe – 2016 war sportlich wieder eine Menge geboten. Ein kompakter Rückblick.

2016 war geprägt von – der Geburt unserer zweiten Tochter und dem Umbau unseres Hauses. Trotzdem ging es sich mit rund 1.450 Lauf – und 4.300 Radkilometern aus, worüber ich selbst ein wenig überrascht bin.

Laufen und Radeln zu „abstrakten“ Tageszeiten – das ist es wohl, was 2016 gekennzeichnet hat. Stehe ich von Haus aus selten nach 6 Uhr auf, war es dieses Jahr oft schon fünf Uhr – um noch schnell eine Runde in den Laufschuhen zu drehen oder rechtzeitig für die Anfahrt in die Arbeit mit dem Rennrad „betriebsbereit“ zu sein.

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Münchner Winterlaufserie 15 und 20k

Die Teilnahme an der Münchner Winterlaufserie 2015/16 war am Ende kein Zuckerschlecken. Trotzdem haben die drei Läufe im Rückblick Spaß gemacht.

Lauf-Freud und Lauf-Leid liegen nah beieinander. Das wurde mir bei der Münchner WLS 2015/16 einmal wieder bewusst. Der erste Härtetest des Jahres ist jedenfalls Vergangenheit!

15k am 16.01.

Drei Runden mit je 5 Kilos durch den Olypark – keine große Aufgabe. Oder etwa doch? Nachdem meine Familie heute als Support anwesend ist, will ich mir keine Blöße geben. Und es läuft gleich vom Start weg – und läuft, und läuft. Kilometer um Kilometer stecke ich solide 3:58er und ähnliches ein, kämpfe ab und an mit dem inneren Schweinehund, zirkle um die Menschenschlange am Einlass zum Sea World und laufe schließlich mit einer ganz glücklich machenden 59:29 min und dem 46. Gesamtrang im Ziel ein.

20k am 13.02.

Heute heißt es vier Runden mit je 5 Kilometer durch den Olypark zu rocken. Ziel: 1:20 knacken oder, noch konkreter, meine Zeit von 2015 – 1:19:34h.

Die erste Runde läuft ausgezeichnet, ich liege mit 19 Minuten und ein paar zerquetschten genau auf Kurs. Dann beginnt jedoch ein echtes Martyrium. Ich fühle mich unwohl, kann nicht genug aus den Beinen holen. Die Schnitte werden immer schlechter. Kann ich von Zeit zu Zeit noch einen Sub-4er herausleiern, geht es spätestens ab der dritten Runde und der 10 km-Marke massiv bergab.

Verdammt, was ist bloß los? So einen Einbruch habe ich schon lange nicht mehr erlebt….4:30er wechseln sich mit noch langsameren Kilometern ab, die 1:20h Gesamtmarke zerrinnt mir zwischen den Fingern. Ich überlege ernsthaft, ob ich überhaupt noch Bock habe und weitermache. Zwar bin ich immer noch im Sub-1:30h-Bereich unterwegs – Spaß macht das jedoch nicht mehr so wirklich.

Am Ende steht eine 1:27:44 für die 20 Kilometer auf der Anzeigetafel. Härtetest bestanden, sage ich da, und mache mich auf die Suche nach der Fehlerquelle, die da wäre: falsche Klamottenwahl (ich habe mich an eine kurze Hose getraut, was bei um die Null Grad keinen Spaß gemacht hat, da bin ich Weichei), falsche Vorbereitung und falsche Psyche (ich hatte die ganze Zeit nagende Zweifel, ob es mit den 1:20h klappen wird). Letztes Jahr war ich hier 8 Minuten schneller – naja, nächstes Jahr dann wieder!

Infos zu den 10 k am 05.12.2015 gibt es in einem getrennten Artikel: https://arnoldzimprich.wordpress.com/2015/12/06/muenchner-winterlaufserie-10k/

Gesamtergebnis

Eigentlich hatte ich vor, für das BERGZEIT Running Team unter die Top 30 in der Gesamtwertung zu laufen. Leider ging es sich dann doch nur mit dem 43. Gesamtrang (von knapp 300 Läufern) aus – dem schwachen 20k sei Dank.

Hier gibt’s die Links zu den GPS-Tracks:

15k: https://connect.garmin.com/modern/activity/1016901043

20k: https://connect.garmin.com/modern/activity/1049399457

Läuferischer Jahresrückblick 2015

Verletzungsfrei, abwechslungsreich, neuer 10k-Rekord – so lässt sich das Laufjahr 2015 am besten zusammenfassen.

Krass, schon wieder ist es vorbei, das Jahr! An läuferischen Aktivitäten bestand kein Mangel – im Gegenteil. Abwechslungsreicher und experimentierfreudiger als in den Vorjahren – und keine Bänderrisse oder andere Wehwehchen. In der Nachsicht lassen sich aus dem Potpourri ein paar schöne Highlights herausarbeiten.

Spontaneität

Wenn ein Wort das Laufjahr 2015 kennzeichnet, ist es dieses. Keine Trainingspläne, keine Vorgaben, nichts.  Und trotzdem hat es geklappt mit dem Karwendelmarsch, mit der Raiffeisen Oberland Challenge und Schmankerln wie den kompletten hin&zurück-Belaufungen von Benediktenwand (mehr als 60 Kilometer) und Auerberg (ein knapper Ultra).

By fair means und für mich alleine – das mag für die einen unverständlich sein, mir gibt es jedoch unglaublich viel. Mehrere Stunden in der freien Natur für sich die Seele baumeln lassen und den Körper spüren, ohne an irgendwelche Fixpunkte gebunden zu sein…das kennzeichnet für mich das Laufen und macht die Faszination Laufen aus. Dass dabei das Auto so gut wie immer in der Garage bleibt – umso besser. Spontaner Aufbruch, unterwegs sein, ankommen – das bedeutet Glück und Bestätigung.

Nicht geklappt hat es allerdings mit dem größten sportlichen Projekt 2015: Der Belaufung der Birkkarspitze (höchster Berg des Karwendels) von zu Hause aus. Das Ding hätte etwa 80 Kilometer und mehr als 3000 Höhenmeter gehabt. Machbare Rohdaten – aber ein falsches Timing. Ich musste mir nach gut 40 gelaufenen Kilometern in der Jachenau eingestehen, dass man nach einer 40h-Arbeitswoche nicht einfach am Abend um 22 Uhr mit einem leidlich mit Proviant vollgepackten Laufrucksack zu Hause starten und auf einen 2749m-Berg in einem durchlaufen kann (obwohl mich mein Bruder mit einer Verpflegungstation nach ca. 50 km unterstützt hätte). Aber solche Niederlagen gehören dazu und das Projekt steht noch für 2016. Dann unter dem Motto: mindestens 5h schlafen, in der Früh spätestens um fünf starten, das Rucksackgewicht extrem nach unten korrigieren. Achja: Danke, Urs, für das leckere Frühstück! 🙂

Ein weiteres ambitioniertes Projekt, die Belaufung des 3645m hohen Monte Vioz, klappte hingegen wie am Schnürchen. War allerdings logistisch auch deutlich einfacher zu realisieren. Von dieser kompakten 5h-Aktion zehre ich immer noch….

Wettbewerbe

Das Laufjahr 2015 begann mit den 15 und 20k-Läufen der Münchner Winterlaufserie. Beide sehr spaßig – und beide schnell. Wäre die 20k-Strecke zu einem HM geworden, wäre meine bisherige Bestzeit von 1:24:24h fällig gewesen.

Weiter ging’s mit den Läufen der Raiffeisen Oberland Challenge, die Mitte April ihren Anfang nahmen. Die ROC beinhaltet von kurzen 5k-Waldläufen bis zum HM alles, was das Läuferherz begehrt. Und ist dabei noch extrem familienkompatibel, da keine weite Anreise, kurze Laufdauer, familiäres Ambiente…. Von den 10 ROC-Läufen habe ich 7 mitgemacht. Highlights waren für mich der Wolfratshauser Stadtlauf (neue 10k-Bestzeit von 37:26min) und der Mooshamer Waldlauf, enttäuschend hingegen der Tölzer Isarlauf, bei dem ich eigentlich eine neue HM-Bestzeit erreichen wollte…aber man kann ja nicht alles haben.

Neben den ingsesamt fünf alleine gelaufenen „Trainings-Ultras“ (drei mal in die Arbeit&zurück an einem Tag (je ca. 48 km), Benediktenwand hin&zurück (ca. 63 km) und Auerberg (ca. 44 km) lief ich das fünfte Mal mit hohen Erwartungen beim 52 Kilometer langen Karwendelmarsch mit – und wurde enttäuscht. Anstatt meine Bestzeit von 5:15h aus dem Jahr 2012 zu toppen, blieb ich unter der für mich magischen 5:30h-Marke. Bei der Ursachenforschung bin ich bei der falschen Schuhwahl und der Hitze hängen geblieben. Zwar liebe ich den Saucony Nomad TR auf Strecken bis 30 km – alles, was darüber hinausgeht, scheint jedoch für die Dämpfung too much zu sein. Noch nie, wirklich noch nie hat mir ein Schuh im Wettkampf soviel Schmerzen (seltsamerweise an der Ferse) bereitet. Von daher beim nächsten Mal: Keine Experimente – und wieder mit Trinkrucksack.

Training

Wie eingangs schon erwähnt, trainierte ich völlig chaotisch, eher längere Strecken und komplett aus dem Bauch heraus. Absolute Ausnahme waren Kurzstrecken und Sprinteinheiten unter 10km – Strecken zwischen 15 und 25 Kilometer mit leichter Tendenz zum „Standard-Halbmarathon“ hingegen die Regel. Insgesamt bin ich 2015 35 Mal im Training Strecken zwischen 15 und 35 Kilometer gelaufen. Das Knacken der 20k-Marke wurde im Laufe des Jahres zum Usus, alles was darunter lag, lohnte gefühlsmäßig das Loslaufen nicht. Die Anfang des Jahres noch so spektakuläre 24k-Strecke in die Arbeit wurde fast schon zu einer Standardstrecke.

Diese solide Laufbasis garnierte ich mit zahlreichen Radfahrten in die Arbeit. Diese Guerilla-Trainingstaktik hat für mich zwei entscheidende Vorteile: Sie gibt einem ein Gefühl der Freiheit – und sie lässt viel Gestaltungsspielraum. Natürlich ist sie nicht der richtige Weg, um die 34 Minuten bei den 10k zu knacken, dass sie jedoch zielführend ist, beweist jedoch der immerhin dritte Platz in der AK bei der ROC.

Pausen

Auch was die Regeneration angeht, habe ich 2015 eine Guerilla-Taktik gefahren. Mal so, mal so. Einen Tag ohne Sport zu verbringen, kam häufig vor, zwei oder gar drei Tage sehr selten. Spätestens nach dem dritten Tag ohne Laufen oder Radeln stellte sich sowieso wieder ein massives Bewegungsbedürfnis ein.

Aussicht 2016

2016 steht hauptsächlich eines an: Hausumbau und Familie. Alles andere ist nachgeordnet. Nachdem sich die ROC jedoch so schön in den Alltag integrieren lässt, werde ich sie wieder mitlaufen. Vielleicht kann ich meinen dritten Platz in der AK verteidigen. Weiteres Highlight ist der Salzburg-Marathon Anfang Mai, bei dem ich beim zweiten Anlauf und der dritten Teilnahme bei einem Straßen-Marathonwettkampf die 3h knacken will. Ob ich 2016 beim Karwendelmarsch dabei bin, weiß ich noch nicht. Wenn, dann spontan!

Schlußgedanken

Laufen ist für mich im Laufe von drei Jahren zur Sportart Nummer 1 geworden, und das hat hauptsächlich einen Grund: die Familienkompatibilität. Keine weite Anfahrt zum Berg (so wie früher, als ich mir ein Leben ohne Berge nicht vorstellen konnte) – der Abenteuerspielplatz liegt direkt vor der Haustür. Was man mit 1,5h Laufen trainingstechnisch bewirken kann, ist beeindruckend. Natürlich zieht es mich ab und an noch gewaltig in die Berge – aber eben nicht mehr so wie früher, als ich ungezählte Stunden im Auto saß, nur um dann eine 4- oder 5 Stunden-Bergtour zu machen. Nicht zuletzt ist also laufen verdammt klimafreundlich – wenn man nicht gerade auf eine Bohnen-Diät setzt. 😉

Ich wünsche allen, die diese Zeilen lesen, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und viel Erfolg bei ihren sportlichen Projekten! Möge es eine verletzungsfreie Saison mit vielen schönen Lauf- und Sporterlebnissen werden!

 

Münchner Winterlaufserie 10k

Der Nikolauslauf am 05.12. war der Auftakt zur dreiteilligen Münchner Winterlaufserie 2015/16. Die klimafreundliche Anreise per Rad machte den Lauf zu einer konditionellen Herausforderung!

Alle reden vom Klimaschutz, und trotzdem fährt die Menschheit Auto, als ob es kein Morgen und keinen Klimawandel gäbe. Es liegt speziell an uns Sportlern und im Besonderen an den Radfahrern, für eine Minimierung des CO²- und Feinstaubaustoßes einzutreten, denn wir sind es, die den giftigen Qualm, den der Kfz-Verkehr verursacht, Tag für Tag inhalieren dürfen.

Mit diesen Gedanken schwinge ich mich um kurz nach 12 Uhr Mittags auf’s frisch reparierte Tourenrad und steuere den Münchner Olympiapark an. Gelebter Klimaschutz während des UN-Klimagipfels – was gibt es schöneres!

Teil 1: Anreise per Rad

Absurd warm ist es an diesem 5. Dezember, und ich muss sogar eine Schicht Oberbekleidung ablegen, um nicht zu sehr zu schwitzen… Auf dem Radweg Richtung Wolfratshausen ist heute reger Verkehr, erst auf der B11 Richtung Icking dünnen die Radler aus.

Ich hole aus meiner Nexus 8 Nabenschaltung raus, was ich kann, flitze den abwechslungsreichen Radweg über Hohenschäftlarn, Baierbrunn und Höllriegelskreuth nach Pullach und finde mich schließlich bei den Siemenswerken wieder. Altbekanntes Laufgelände aus meinen Münchner Jahren…

Zum Glück muss ich mich nicht zu sehr beeilen, denn der Startschuss zu den 10km knallt erst um 15 Uhr. So genieße ich ein wenig das Stadtflair, schwelge in Erinnerungen und zirkle durch Mittersendling. Bald habe ich Harras, Westpark und das Feierwerk passiert und begebe mich über die Donnersberger Brücke auf die Zielgerade zum Olympiapark. Zahlreiche Sportler in Läuferkluft machen auf das nahende Großereignis mit immerhin 1.700 Teilnehmern aufmerksam.

Schließlich erreiche ich nach knapp 50 km Radlstrecke das Olympiastadion und begebe mich nach Abholung der Startnummer gleich in den Umziehbereich, um vom Rad- in das Laufdress zu wechseln.

Teil 2: Der Lauf

Warmlaufen muss ich mich nicht, und so mache ich nur ein wenig Gymnastik, um die leicht vorbelasteten Muskeln auf die andersartige Belastung vorzubereiten.

Eigentlich bin ich der Annahme, ich hätte mich weit genug vorne eingeordnet. Als jedoch der Startschuss knallt, strömen so viele Läufer aus den beiden Starttoren auf die erste Rechtskurve zu, dass es zu einem Gerangel kommt, wie ich es selten bei einem Lauf erlebt habe…Adrenalin liegt in der Luft!

Nach 200 Metern habe ich mich jedoch freigelaufen und erschrecke direkt, als ich auf den (für mich) absurd hohen Schnitt von 3:30 min/h aufmerksam werde, den mir mein Test-Forerunner 630 meldet. Der übliche übermotivierte erste Kilometer…

Die 5km-Runde um den Olympiasee mit Abstecher zum Radstadion, die es heute zweimal zu durchlaufen gilt, zeigt sich einmal wieder von ihrer kurzweiligen Seite. Dieses Jahr wurde sie leicht modifiziert und um einen Mini-Anstieg erweitert. Nach rund 19 Minuten bin ich das erste Mal durch und merke langsam, dass ich heute schon 50 zügig gefahrene Radkilometer in den Haxn habe. Also Zähne zusammenbeissen!

Die finalen 2 km werden zu einem echten Kraftakt, und nach 38:55 min laufe ich glücklich im Ziel ein und gleich durch zum Tee im Verpflegungsbereich und weiter unter die warme Dusche, die ich heute besonders genieße. Mit dieser Zeit bin ich nach der „Radbelastung“ sehr zufrieden, schließlich war das heute ein Experiment!

Teil 3: Zurück nach Hause

Es dämmert, als ich mich um 16:30 Uhr wieder auf’s Rad Richtung Heimat schwinge. Bald habe ich den Olympiapark hinter mir gelassen, passiere die Donnersberger Brücke Richtung Süden, lasse den betriebsamen Harras hinter mir und fahre Richtung Pullach. Was mir als „Landei“ massiv auffält: Diese Ampeln! Ich hatte schon ganz vergessen, wie sehr sie einen in der Stadt ausbremsen und nerven. Echt zum Abgewöhnen…..von traumhaften Rad-Zuständen wie in Kopenhagen ist München noch Lichtjahre entfernt. Der Vorrang, der Autos nach wie vor eingeräumt wird, ist für Radler schlicht frustrierend. Immerhin, an kleinen Details wird gefeilt, so zum Beispiel am Radweg auf der Trasse der ehemaligen Isartalbahn zwischen Thalkirchen und Solln, wo ein ärgerlicher „Ausbremser“, die Einmündung auf die Heilmannstraße, endlich beseitigt wurde.

Die Temperatur bewegt sich rasant Richtung 0°C-Grenze, und nach 17,5 Kilometern beschließe ich von Höllriegelskreuth bis nach Wolfratshausen die S-Bahn zu nutzen. Auf der 20-minütigen Fahrt schlafe ich fast ein und kann die Beine soweit erholen, dass sich die finalen 12,5 km von WOR nach Hause fast wie von selbst radeln.

Fazit:

  • schöner erster Lauf der Münchner WLS mit perfekter Orga
  • im Winter per Rad an- und abzureisen verleiht dem Lauf eine besondere Würze
  • in Sachen Radfahren vermisse ich München kein bisschen
  • Leute, lasst’s ab und an einfach mal die Autos stehen

Hier die Tracks:

 

 

 

 

Raiffeisen Oberland Challenge (ROC) – Mooshamer Waldlauf und Wolfratshauser Stadtlauf

FINALE! Mit dem Mooshamer Waldlauf (8km) und dem Wolfratshauser Stadtlauf (10 km) geht meine erste Teilnahme an der zehnteiligen Raiffeisen Oberland Challenge (ROC) 2015 durchaus erfolgreich zu Ende. Fazit: Nächstes Jahr wieder!

Samstag, 26.09.2015, Mooshamer Waldlauf. Irgendwie habe ich heute keine rechte Lust auf Laufen. Jedenfalls habe ich das (trügerische) Gefühl, dass es heute mit einem guten Platz nicht klappen wird. Umso überraschter bin ich, als sich der Mooshamer Waldlauf (der dieses Jahr zum vierzigsten Mal stattfindet) nach dem Startschuß als echtes ROC-Schmankerl entpuppt und soviel Schmalz in den Haxn ist, dass die beiden abwechslungsreichen 4 km-Runden wie im Flug vergehen..

Nach dem Start auf der freien Wiese sortiert sich das Feld schnell. Ich reihe mich hinter einem flinken Läufer der LG Tölzer Land ein, den ich sogar nach circa zwei Kilometern abhängen kann. Es wird fleißig taktiert, Grüppchen bilden sich, lösen sich wieder auf – und nach dem ersten „Durchlauf“ sehe ich mich plötzlich in der glücklichen Position, einen der schnellsten Läufer des SC Moosham in meinem Nacken zu wissen. Es ergibt sich eine „zielführende“ Mischung aus angespornt fühlen und mitziehen, und so laufen wir im Schlepptau die zweite 4 km-Runde gemeinsam. Feldwege, Pfadabschnitte, Forststraßen und der Rand eines abgeernteten Feldes – langweilig wird’s nicht, zudem warten pro Runde ca. 70 Höhenmeter auf die inzwischen laufhungrigen Beine.

Zum Ziel hin zieht der Mann vom SC Moosham an mir vorbei und ich kann meine mehr als 80 kg nicht mehr an ihn heranwuchten. Am Ende reicht’s aber mit einer 31:10 min für den vierten Platz in der AK und den elften (wenn ich richtig gerechnet habe) in der Gesamtwertung. Viel stolzer bin ich jedoch darauf, den durchaus kniffligen Kurs mit einem km-Schnitt von unter 4 min gelaufen zu sein. Hätte ich heute wirklich niemals gedacht! Fazit: Hirn ausschalten und die Beine einfach machen lassen macht beim Laufen echt viel aus!

Gelaufen mit:

Wolfratshauser Stadtlauf – zehnter und letzter Lauf der ROC 2015

Vier Runden von je 2,5 Kilometer durch die Wolfratshauser Innenstadt – der Blick auf den Streckenplan des Wolfratshauser Stadtlaufs lässt einen kurzweiligen, abwechslungsreichen Lauf erwarten. Ich kenne jeden Meter – allerdings nicht, weil ich hier schon einmal mitgelaufen wäre, sondern weil ich meine MS-kranke Mutter, die im AWO-Pflegeheim in Wolfratshausen untergebracht war, unzählige Male im Rollstuhl über die Wege der Loisachstadt geschoben habe, die heute belaufen werden. Ich will den heutigen Lauf und meine erste ROC-Teilnahme daher auch meiner Mutter widmen, die vor 16 Jahren an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben ist.

Nasskalt präsentiert sich der Wolfratshauser Marienplatz am Rennsonntag. Ich hab‘ mich zu weit hinten eingereiht und muss mich nach dem Startschuss ein wenig nach vorne durchmogeln. Wenn man unter die Top 15 läuft, sollte man sich auch unter den Top 15 am Start einreihen. Andererseits fördert Überholen ja die Kampfmoral…

Mit einem wechselhaften Gefühl im Bauch suche ich mir eine Gruppe, der ich gerade noch folgen kann. Überdrehe ich? Oder kann ich das Tempo um die 3:40 min/km einigermaßen durchziehen? Der Kurs ist wie erwartet schön und vor allem unübersichtlich, was mir sehr entgegenkommt, denn ewig lange Geraden mag ich nicht so gerne. Zudem herrscht an der Strecke eine tolle Stimmung und die Sonne verjagt die Wolken. Nach der ersten 2,5 km-Runde ist die Überraschung groß, als ich auf die Uhr blicke: erst 9 Minuten sind durch! Wenn ich das auch nur einigermaßen durchziehen kann, könnte eine neue persönliche Bestleistung im 10 km-Wettkampf herausspringen (die bei 38:33 Minuten beim Geretsrieder Stadtlauf 2015 liegt).

Ich kann in den folgenden drei Runden meine Position super verteidigen, hänge sogar ein paar Läufer ab, lasse mich kaum überholen und laufe schließlich nach einer doch recht anstrengenden vierten Runde als Dritter in der AK und 13. in der Gesamtwertung nach 37 Minuten und 26 Sekunden im Ziel ein. Das bedeutet eine neue PB und, wenn ich richtig gerechnet habe, den dritten Platz in der Altersklasse in der Gesamtwertung der Raiffeisen Oberland Challenge bei meiner ersten Teilnahme. Jippie, was für ein Auftakt!

Gelaufen mit:

ROC 2015 – Gaißacher Berglauf und Tölzer Isarlauf

Langsam aber sicher neigt sich die Raiffeisen Oberland Challenge 2015 dem Ende zu. Mit dem Gaißacher Berglauf und dem Tölzer Isarlauf gingen die letzten beiden Läufe der Wertungsklasse „Extrem“ über die Bühne.

Nervös stehe ich am Start des Gaißacher Berglaufs. Der Start wurde um wenige Minuten nach hinten verschoben, das Adrenalin ist in der Zwischenzeit wieder in den Keller gegangen und das Kribbeln in den Fingern lässt nach. Dafür, dass ich nur fünf Minuten vor dem regulären Start leicht gehetzt meine Startnummer abgeholt habe, ist jetzt viel Zeit zum Gedanken schweifen lassen und andere Läufer mustern…

Das wechselhafte Wetter der letzten Wochen verleitet die einen zum extrem sparsamen Dress, wohingegen andere dick eingemummelt mit langer Bekleidung, Halstuch und Mütze starten. Es ist auch wirklich schwierig heute die richtige Klamottenwahl zu treffen – auf der anderen Seite kann man bei 480 Höhenmetern und nicht einmal fünf Kilometern auch nicht viel falsch machen.

Klein, aber knackig

Endlich geht es los! Keine Ahnung, wie es heute laufen wird. Der 52 km lange Karwendelmarsch ist erst vor eine Woche über die Bühne gegangen, zudem habe ich die ganze Woche kein bisschen Sport gemacht. Ich befinde mich quasi im Standby-Modus und so fühle ich mich auch. Mitmachen ist alles!

Zu Beginn geht es hurtig mit unter 4 min/km los, beim ersten Anstieg sortiert sich das Feld. Ich kann in etwa die Position halten, überhole am Anfang fleißig, werde dann aber auch ebenso fleißig überholt. Es ist meine erste Teilnahme am Gaißacher Berglauf, und an die Strecke kann ich mich trotz gelegentlicher Bewanderung kaum erinnern – bis auf den obersten Teil im Bereich der Abzweigung zur Sunntratn.

An den steileren Rampen kann ich das Idealtempo nicht ganz halten und habe ständig das Gefühl, dass da auch mehr drin wäre. Die Lunge fühlt sich leicht belegt an, den vollen Durchzug habe ich heute nicht. Aber egal, gegen Ende hin kann ich sogar noch ein paar Plätze gutmachen und laufe nach respektablen 25 Minuten und 25 Sekunden an der Schwaigeralm durch’s Ziel und direkt zum heißen Tee, denn heute ist es ganz schön zugig da heroben. Ergebnis: ein nicht ganz glücklich machender zwölfter Platz in der AK und ein ebenfalls nicht ganz zufriedenstellender 34. Gesamtrang. Aber was soll’s – es war die erste Teilnahme, und es gibt nichts Dankbareres als Zeiten, die man noch verbessern kann!

Gelaufen mit:

Tölzer Isarlauf 2015

Eine Woche später ist mal wieder Zeit für einen Halbmarathon! Ausnahmsweise ist es der einzige, an dem ich dieses Jahr (zumindest im Wettkampfmodus) teilnehme. Meine Schwester und mein Bruder sind auch mit von der Partie – Familientreffen auf der Hausstrecke!

Das Ziel: Irgendwas zwischen 1:24 h und 1:27 h. Eine neue HM-Rekordzeit steht heute nicht zur Diskussion. Dafür müsste ich schneller laufen als meine 1:24:19 h vom Isarlauf 2013 – und dafür habe ich diese Saison einfach zu wenig hohe Geschwindigkeiten trainiert. Die erste Hälfte bis zur Lenggrieser Isarbrücke geht jedoch recht locker von der Hand – pardon, vom Fuß. Ich kann recht easy einen 4er Kilometerschnitt halten und durchlaufe die 10 km – Marke bei exakt 40 Minuten.

Geschwister im Ziel!
Geschwister im Ziel!

Die schnelle Vierergruppe, die ich über mehrere Kilometer bis zur Isarbrücke gezogen habe, muss ich leider ab der Verpflegungstelle bei Kilometer 11 ziehen lassen. Die Jungs haben ihre Hausaufgaben gemacht, ich nicht. Das rächt sich nun, denn ich kann nur noch 4:15er Schnitte und schlechter einfahren.

Dann kommen die knüppelharten Kilometer zwischen Kilometer zwölf und 18, die bei mir jedes Jahr wieder dern Knackpunkt des Tölzer Isarlaufs darstellen. Die Strecke mag zwar landschaftlich schön sein, trotzdem liegen mir verwinkelte Kurse wie der des Münchner Stadtlaufs eher als die langen Psycho-Geraden in den Isarauen.

Zum Glück überholen mich auf dem Rückweg nach Tölz nur noch magere zwei Läufer (verhältnismäßig schwaches Teilnehmerfeld dieses Jahr?!?) und ich kann als Gesamt-Vierzehnter und einer 1:27:07 h ganz zufrieden sein.

Gelaufen mit:

Mehr Infos zur ROC gibt es hier:

http://oberland-challenge.de/

Karwendelmarsch 2015 – Am Ende alles gut

Jubiläum! Dieses Jahr ging meine fünfte Teilnahme am Karwendelmarsch über die Bühne. Eigentlich wollte ich auf der 52 km langen Strecke meine bisherige Bestzeit von 5:15 Stunden aus dem Jahr 2012 knacken. Doch es kam wieder einmal alles anders.

Um vier Uhr klingelt der Wecker, doch ich liege sowieso schon wach. Der fast volle Mond hat die Nacht im Biwaksack zu einer recht seichten gemacht. Immerhin – das Wetter scheint es diesmal recht gut mit den Läufern zu meinen.

Nach Kaffee vom Kocher, Frühstücksbrei und Banane gehe ich mit Hauke, der die Nacht mit mir unter den Sternen verbracht hat, in zwanzig Minuten zum Startbereich des Ultra-Marathons in Scharnitz. Unterwegs treffen wir weitere Freunde, plaudern ein wenig, holen die Startunterlagen und geben das Gepäck für den Transfer nach Pertisau ab.

Karwendelmarsch – ein Trail-Ultra?

Der Startplatz ist heute aufgrund des verlegten Starts deutlich größer, das Gedränge hält sich daher in Grenzen. Um Punkt sechs Uhr wird die wilde Meute auf das Karwendeltal losgelassen.Auf geht’s Richtung Achensee, für mich ist es bereits das fünfte Mal.

Ich überhole ein paar Läufer und pendle mich schließlich bei km-Schnitten um die 4:30 min/km ein. Für einen Trail-Ultra recht schnell – aber der Karwendelmarsch hat im Grunde nicht besonders viel mit Trail zu tun. Ein Gutteil der Strecke verläuft auf Fahrstraßen  – speziell vom Start weg und zum Ziel hin. Zum Schluß werden sogar fast 7 Kilometer auf Teer zurückgelegt, was man stets im Hinterkopf behalten sollte. Dazwischen gibt es jedoch einige Trail-Abschnitte, der Steilanstieg zum Binssattel hat schon so manchen überambitionierten Läufer in die Schranken verwiesen.

Das Karwendeltal bis zum Karwendelhaus vergehen wie im Rausch. Die Körperdrogerie ist auf Touren, ich halte die Position, überhole sogar ein wenig, überhole sogar den Bene Böhm von Dynafit. Doch für wie lange?

Hochgefühle zwischen Karwendelhaus und Falkenhütte

An der Labestation am Hochalmsattel ruft ein Bergwachtler den Läufern die Positionierungen zu. Nur eineinhalb Stunden haben wir von Scharnitz bis hierher gebraucht. Ich befinde mich auf Platz 12! Wie genial ist das denn! Dass es so gut klappt, hätte ich nie gedacht. Hoch motiviert nehme ich den Downhill zum kleinen Ahornboden unter die Füße. Die Saucony Nomad TR laufen sich etwas schwammig, doch nach etwa zwei Kilometern bergab habe ich mich daran gewöhnt und kann meinen Platz sehr gut behaupten, ja sogar souverän verteidigen. Trotzdem ist der ausgewaschene Fahrweg erneut eine Herausforderung, weil man stets gut darauf achten muss, wo man den Fuß hinsetzt. Bei hoher Geschwindigkeit hat man sich hier schnell eine Verstauchung eingefangen.

Fersengeld

An der Falkenhütte nehme ich Getränk, Banane und Riegel zu mir und den Schwung gleich mit in die schottrigen Abschnitte unter den Laliderer Wänden. Doch was ist das? Nach einem Kilometer verspüre ich an beiden Fersen ein Stechen, als ob ich spitze Steinchen eingesammelt hätte. Schnell anhalten, Schuh ausziehen, überprüfen, weiter geht’s. Das Stechen will jedoch nicht aufhören, daher nach einem Kilometer das gleiche Spielchen. Nichts zu finden. Mehr recht als schlecht mache ich mich schließlich auf den Downhill Richtung Eng und werde schon von rund 10 Läufern überholt – was ist da los??

Ab der Eng beginnt das Leid

Das Zwischenziel Engalmen und damit die 35 Kilometer-Marke erreiche ich immerhin nach 3 Stunden und 9 Minuten – nicht schlecht im Vergleich zu den letzten Teilnahmen. Das sollte doch eigentlich klappen mit einer Zeit unter 5h 15min?!

Doch irgendwie soll es heute (wieder) nicht sein mit der neuen persönlichen Bestmarke. Mein Schuh macht mir weiter zu schaffen – an der linken und an rechten Ferse fühlt es sich an, als hätte ich mir Reißzwecken reingerammt. Ich schone daher ein wenig die Füße und gehe langsam hinauf zur Binsalm, stecke die Haxn sogar kurz vor der Alm zur Kühlung in den Bach und gönne mir an der Labestation drei Becher Hollerschorle.

Mit den Füßen wird und wird es jedoch nicht besser, und die beißende Hitze macht mir hinauf zum Binssattel ebenfalls ordentlich zu schaffen. Ein echtes Martyrium beginnt. Spätestens ab der Abzweigung vom Weg zum Lamsenjoch zu den steilen Kehren spiele ich mit dem Gedanken, den Karwendelmarsch abzubrechen.

Am 1903 Meter hohen Sattel angekommen, versuche ich wieder ein wenig zu laufen, aber es will einfach nicht gehen. Nicht nur die Füße, auch die Psyche rebelliert. Der Gramai-Alm Hochleger kommt daher wie gerufen, und ich saufe ganze 9 Becher Hollerschorle weg…

Noch bin ich der Illusion erlegen, dass es sich mit der Bestzeit auf wundersame Weise ausgehen könnte. Doch die Steilstücke hinab ins Falzthurntal muss ich ebenfalls im Gehtempo absolvieren, meine Fersen schmerzen nach wie vor wie nach Nadelstichen.

Erst vor der Querung des großen Bachgrabens, wo ich mir eine ordentliche Portion Wasser über den Kopf laufen lasse, probiere ich es mit dem Laufen, und langsam komme ich wieder rein. Nach mehr als 50 Läufern, die mich überholt haben, kann ich endlich, endlich, endlich wieder meine Position halten!

Am Gramai-Niederleger gibt es wieder Flüssigkeitsnachschub, dann beginnen die finalen 9 Kilometer, die ich mir im Kopf in 3×3 km einteile. Drei kleine mickrige Happen – das schaffe ich auch noch!

Wenigstens unter sechs Stunden

Am letzten Verpflegungspunkt frage ich nach der Uhrzeit. „11 Uhr 17!“, ruft jemand. Damit ist klar – das wird zwar eine ganz akzeptable Zeit, aber weit von dem entfernt, was ich mir erträumt habe. Trotzdem gebe ich nochmal alles und fahre ganz anständige Kilometerschnitte ein.

Wie immer ziehen sich die finalen zwei Kilometer in Pertisau wie Kaugummi in die Länge. Entsprechend froh bin ich, als die knapp 52 Kilometer und 2300 Höhenmeter des diesjährigen Karwendelmarschs nach rund 5 Stunden und 39 Minuten bei großer Hitze zu Ende gehen.

Vorsätze und Denkanstöße

  • ohne Wasserrucksack zu laufen, war in meinem Fall bei den Temperaturen (bis um die 30 Grad) dieses Jahr ein Fehler
  • nach fünf Karwendelmarschteilnahmen in Folge setze ich nächstes Jahr (vielleicht) einmal aus
  • der KWM ist und bleibt ein hervorragend organisierter Lauf mit einer großartigen Berg- und Publikumskulisse
  • wenn ein Schuh auf Strecken bis 30 Kilometer Länge super funktioniert heißt das noch lange nicht, dass es auf 52 km auch so ist
  • wenn es bis 35 Kilometer ausgezeichnet läuft, kann auch danach noch ein totales Motivationsloch kommen
  • Durchbeissen lohnt sich immer, auch wenn man zwischendurch meint, es geht gar nichts mehr

Hier geht es zum GPS-Track (meine Garmin FENIX 3 hatte einige Aussetzer, daher die abweichende Zielzeit):

http://connect.garmin.com/modern/activity/881905137/share/0?lang=Deutsch&t=1441045405321

Gelaufen mit:

  • Saucony Nomad TR
  • Arc’teryx Soleus Pant