Habicht in a Nutshell

Der 3.277 Meter hohe Habicht in den Stubaier Alpen ist ein Aussichtsgipfel erster Güte. Rückt man ihm zum Sonnenaufgang im Trailrunning-Modus auf den Pelz, entfaltet sich ein ganz besonderer Zauber… 

Der Mond spiegelt sich auf der silbrig schimmernden Oberfläche des Walchensees. Kein Mensch ist um diese Uhrzeit auf der B11 Richtung Tiroler Grenze unterwegs. In Scharnitz dann ein Zeitungsausträger, auf der Inntalautobahn ein paar Nachtschwärmer, dann bin ich wieder mit meinen Gedanken allein….welcher Dreitausender soll es sein?

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Sonnenaufgang an Heimgarten und Herzogstand

Da kann man eigentlich nur eins sagen – ein Traum! In gesamt drei Stunden vom Kochelsee über den Pionierweg auf den Herzogstand, am Grat rüber zum Heimgarten und wieder runter zum Ausgangspunkt.

Den GPS-Track gibt es hier:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1322769631

Vorderer Brochkogel, 3565 Meter

Der Vordere Brochkogel in den Ötztaler Alpen ist nicht nur vergleichsweise einfach zu besteigen, sondern erstaunlicherweise auch vergleichsweise selten besucht. Im Rahmen eines Geburtstagsbiwaks war der 3.565 Meter hohe Berg nun fällig. 

Um viertel nach sechs Uhr abends starten wir die Tour in Vent. Es wölkt, es nebelt – keine Ahnung, ob das mit dem Wetter so klappen wird wie wir uns das vorstellen. Wenigstens zum Fotos schießen ist die Stimmung einmalig!

Eine nette Vierertruppe ist das heute, mein Bruder Urs, mein Cousin Martin und Gunther, ein alter, guter Freund aus Kindergartentagen. So stiefeln wir in Gespräche vertieft hinauf „auf Stablein“, lassen die verwaiste Bergstation des Sessellifts links liegen und erspähen bald die Breslauer Hütte. Am „Basecamp“ der Wildspitze ist etwas mehr los, doch wir lassen die beeindruckend große Hütte rechts liegen. Es steht ein anderer Gipfel auf dem Plan.

Für gemütliche Gipfelschau ist keine Zeit, denn wir wollen vor dem Eindunkeln einen schönen Biwakplatz finden. So queren wir über den Seufertweg die blockige Moränenlandschaft des Mitterkars. Auch hier wabern die Nebel, und wir queren fast das komplette Kar, um fast unmittelbar neben der Abzweigung des Pfads zum Vorderen Brochkogel auf ca. 2.820 Metern unser Biwak aufzuschlagen.

Zwei schlafen im Zelt, zwei schlafen im Freien im Biwaksack. Ein Kilo Nudeln muss daran glauben, zum Nachtisch gibt es Mousse au Chocolat. Schwechater und Ottakringer runden den Abend ab, nachdem ich heute Geburtstag habe, wird auch noch ein Piccolo geköpft!

Gipfeltag

Bald liegen wir mehr oder weniger intensiv schnarchend in den warmen Schlafsäcken – natürlich nicht ohne vorher den Sternenhimmel eingehend bewundert zu haben. Hat es in der ersten Nachthälfte noch unter Null Grad, steigt die Temperatur im Nachtverlauf spürbar. Als ich gegen 5 Uhr aufwache, stecken wir in dichtem Nebel.

Eine kurze Sondierungsrunde bis auf 2.950 Meter bringt mich jedoch schon in sonnige Gefilde, und die Atmosphäre des anbrechenden Morgens raubt uns allen den Atem. Mit Kaffee aus der Espressomaschine (!), Kuchen und Birchermüsli sind wir schnell startklar und stiefeln bereits um 7:20 Uhr gen Berg.

Die Meinungsverschiedenheiten vom Vortag über die korrekte Routenfindung lösen sich schnell auf. Die Route führt die gewaltige 1870er Seitenmoräne des Mitterkarferners hinauf, ehe sie nach Westen abbiegt und durch Wannen und durch Blockgelände den unten recht breiten Südsüdostgrat des Vorderen Brochkogels erreicht. Steinmanndln erleichtern die Orientierung, das aufklarende Wetter gibt uns ungeahnte Motivationsschübe!

Was für eine Sicht!

Für meinen Bruder ist es die erste Hochtour seit langer Zeit, Martin und ich haben vor einem Jahr mit dem Wilden Freiger die letzte gemacht, allein Gunther ist ein Ötztal-Routinier.

Schälte sich zunächst nur die Talleitspitze aus dem Nebel, kommt langsam alles zum Vorschein, was Rang und Namen hat. Bei einer Pause auf 3300 Metern kommen wir aus dem „Ah“ und „Oh“ gar nicht mehr heraus: die Ramolkögel, Spiegelkögel, Firmisanschneide, Schalfkogel, Similaun, Fineilspitze – alle liegen sie unter einem wolkenlosen Himmel, leicht bestäubt vom letzten Schneefall.

Wir kraxeln weiter den anregenden, nie schwieriegen Gratrücken hinauf, erreichen den Vorgipfel mit Stange und über ein kleines, ungefährliches Firnfeld den Südgipfel. Auf Höhenlinie geht es schließlich hinüber zur „Schlüsselstelle“, einer etwas ausgesetzten 1-, ehe wir nach rund 2 1/4 Stunden am Gipfel des Vorderen Brochkogels auf 3565 Metern ankommen. Auch hier: Stehen und Staunen. Speziell die Sicht auf Weißkugel, Hochvernagtspitze, Hinteren Brochkogel und Wildspitze ist bezaubernd.

Verbogener Abstieg

Nachdem wir zusammengerechnet 6 Kinder zu versorgen haben und zügig wieder Zuhause sein wollen, fällt die Gipfelrast recht kompakt aus. Bald turnen wir wieder hinab, treffen ein paar andere Bergsteiger, die offensichtlich von der Vernagthütte gestartet sind, und steuern unseren Biwakplatz an.

An einer eigentlich harmlosen Stelle löst sich ein größerer Block und rollt im Zeitlupentempo über meinen Trekkingstock, der sich unter ihm verkeilt hatte. Ich bekomme gerade noch rechtzeitig die Hand aus der Handschlaufe, ehe das ordentlich schwere Ungetüm aus meinem Stock Kleinholz macht. Er schaut jetzt eher aus wie eine Banane, der Griff mit Schlaufe ist abgebrochen. Adieu, Black Diamond-Stock!

Der Schreck sitzt tief, und etwas verdattert stolpere ich hinab zum Biwakplatz, packe Zelt, Kochausrüstung und Schlafsack und muss mich erstmal wieder einkriegen. Ich sah meine Hand schon von 100 kg Fels „verformt“.

Es ist immer noch ein strahlend schöner Tag, und entsprechend viele Leute wandern von der Sesselbahn „Auf Stablein“ die rund 500 Höhenmeter hinauf zur Breslauer Hütte. Was hier auffällt, ist die Internationalität. Ist bei uns im Tölzer Land ein Engländer oder Asiate schon echt „exotisch“, ist die Touri-Zusammensetzuung im hintersten Ötztal doch weit internationaler. Die Berge sind hier einfach spektakulärer, können mit mehr Superlativen aufwarten und werden mit einem Budget vermarktet, das wahrscheinlich dem BIP des gesamten Tölzer Landkreises entspricht. 😉

Zum Glück können wir den breit ausgetrampelten (und durch den Bau eine Abwasserkanals künstlich verbreiterten) Normalweg zur Breslauer bald verlassen und gehen den steilen Pfad hinab zu den Rofenhöfen. Martin und ich überlegen, wann wir hier das erste Mal zur Wildspitze rauf sind. 1999? Kann das sein? Wir einigen uns auf 2000. Ist wenigstens nicht ganz so lange her…

Wir nehmen noch die beeindruckende Hängebrücke über die Rofenache mit und erreichen gegen 14 Uhr wieder das Auto am Ortseingang von Vent.

Abschließende Gedanken:

  • Der Vordere Brochkogel ist ein wunderbarer, bis auf die ausgesetzte 1- Stelle nie schwieriger „Trekking“-Dreitausender
  • Mangels Gletscherkontakt kann das Gewicht der Ausrüstung ordentlich reduziert werden
  • 1 kg Nudeln reicht für vier Leute 😉
  • Die Tourimassen in Sölden im August hauen einen inzwischen echt von den Socken (aber streng genommen sind wir ja selbst welche…)

Technische Daten zur Tour:

  • Anstieg: Normalweg über den Südgrat
  • Schwierigkeiten: eine Stelle 1-, sonst einfacher Blockgrat
  • Benachbarte Gipfel: Wildspitze, Hinterer Brochkogel, Fluchtkogel, Petersenspitze, Hochvernagtspitze u.v.m.
  • Übernachtungsmöglichkeit: Breslauer Hütte, Vernagthütte
  • Gehzeiten: Vent-Breslauer Hütte ca. 2-2,5h; Breslauer Hütte-Vorderer Brochkogel ca. 2,5-3h

Ausrüstung u.a.:

GPS-Track vom Aufstieg ab Biwak und vom Abstieg:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1292830252

Rappenspitzrunde am Morgen

Die Rappenspitze (2223m) ist ein vergleichsweise selten besuchter Wanderberg zwischen Achensee und Inntal. Im Rahmen einer gut dreistündigen Berglauf-Runde lässt sie sich zügig bezwingen.

Kurz nach fünf Uhr Aufbruch an der Karwendelbahn in Pertisau. Rauf über den Tunnelweg zur Bärenbad- und Weißenbachalm (beide links liegen gelassen), dann steil hinauf zur Abzweigung zum Stanser Joch.

Dichter Nebel, unzählige – ich schätze insgesamt mehr als 200 – Bergsalamander. Unglaublich, hier sind sie alles andere als selten…dazu noch einige Gamsrudel. Schließlich via Ochsenkopf (2148 m) und an der Gamskarspitze und dem Kaserjoch vorbei ins Nauderer Kar.

Lehmige Wege, ich schlittere herum. Die Wolkenlücken werden indes größer. Kein einziger Mensch unterwegs. Mystische Stimmung!

Aus dem Nauderer Kar steil und teils weglos links rauf zum „Normalweg“. Steiler Steig ganz zum Schluß, nie schwierig. Gipfel Rappenspitze Punkt sieben Uhr. Die Sonne zeigt sich – das hätte ich nach dem Nebel am Stanser Joch nicht erwartet.

Kleines Päuschen und wieder hinab über Dristlalm und steil zur Falzthurnalm. Nach 20k um viertel nach acht wieder am Auto.

Den GPS-Track auf Strava gibt es hier:

Gelaufen mit:

Linder- statt Zugspitze

Statt einer Biwaktour an der Zugspitze wurde es eine schroffe Laufrunde im westlichen Karwendel. Dem Regen sei Dank!

Samstag Morgen, 2:30 Uhr. Ich liege 200 Höhenmeter oberhalb des Eibsees im Schlafsack und überlege, ob ich dem Wetter noch eine Chance gebe. Wider Erwarten hat es zu gießen begonnen. Und wie! Ich ziehe den Schlafsack über’s Gesicht, setze auf die DWR-Imprägnierung und nicke wieder ein.

Als das Wasser aber durch den Reißverschluss dringt und mir am Bein entlang rinnt, gebe ich den Versuch auf, der Zugspitze zu früher Morgenstunde über den Stopselzieher auf’s Haupt zu laufen. Um 7 wollte ich spätestens oben sein. Ein ambitionierter Plan, das schon – ursprünglich sah das Wetter auch recht verlässlich aus. Reichlich gefrustet hatsche ich zurück nach Hammersbach.

Dann halt ein anderer Berg!

Die sechs Kilometer kommen mir endlos lang vor. Auf Laufschritt habe ich keinen Bock. Eher schlurfe ich zurück. Doch was ist das? Durch die Baumwipfel dringt langsam Dämmerlicht. Es wird hell – und Richtung Osten zeigt sich eine große Wolkenlücke! Hurra!

Gegen halb fünf bin ich wieder am Hammersbacher Wanderparkplatz. Erste Bergsteiger machen sich bereit für den Höllental-Anstieg auf die Zugspitze. Vor einer halben Stunde wollte ich eigentlich nur noch eins: heim ins Bett. Angesichts des klaren Himmels hat sich die Stimmung aber komplett gedreht.

Wörner – oder nicht?

Ich setze mich ins Auto und fahre etwas übermüdet Richtung Mittenwald. Mit dem Wörner habe ich doch eigentlich noch eine Rechnung offen….

Schnell einen Riegel in die Hosentasche – außer Shirt, Short und Stirnband habe ich nichts dabei. Wenn man von den Laufstöcken einmal absieht. Ich wähle den Weg über die „Arzgrube“, um den Auslauf des Dammkars zu erreichen. Kehre reiht sich an Kehre reiht sich an Kehre, die Höhenmeter sind hier schnell vernichtet.

Mittenwald wirkt in der Tiefe immer kleiner, ich tauche ein in die graue Gebirgswelt des Karwendel. Ein Zwischenabstieg unter der Kreuzwand, und schon erreiche ich nach rund 40 Minuten die Abzweigung zur Hochlandhütte.

Dammkar rauf….

Völlig spontan laufe ich nicht weiter zur Hochlandhütte, sondern steil rechts rauf zur Dammkarhütte. Ich will „Neuland“ entdecken, das Dammkar bin ich noch nie gelaufen.

Okay, genauer betrachtet schon: Es ist ewig her, dass ich das Kar im Rahmen eines Rennens zusammen mit meinem Bruder mit dem Splitboard raufgehechelt bin.

Bis zur Hütte ist der Pfad wunderbar laufbar. Ein Hund begrüßt mich, sonst liegt das steinerne Haus einsam da. Noch niemand wach.

Beinah laufe ich vor lauter Elan in das Vodere Dammkar, kratze aber rechtzeitig die Kurve und erreiche über eine mühsame Reißn die Bergwachthütte auf rund 1800 Meter.

Jetzt wird’s steil – und schneedurchsetzt! Laufgenuß ist das jetzt keiner mehr – eher Quälerei. Aber was tut man nicht alles! Die schroffe Szenerie entschädigt für alles, die Stapf-Passagen verleihen der Route echte Würze.

…und durch den Tunnel

Schließlich steh‘ ich ganz oben im Kar, vor mir der rund 400 Meter lange Tunnel zur Bergstation der Karwendelbahn. Es ist grad mal 7 Uhr, im Tunnel brennt kein Licht und es ist stockfinster. Zum Glück habe ich mein Smartphone dabei und damit eine notdürftige Taschenlampe.

Siehe da – am anderen Ende des Tunnels ist noch alles verriegelt. Zum Glück von innen, sonst hätte ich ein echtes Problem. Ich habe gar nicht mit der Option gerechnet, den Tunnel über die Westliche Karwendelspitze umgehen zu können – das fällt mir erst nach dem Tunnel auf. Egal.

Die Seilbahnstation ist wie ausgestorben. Irgendwo brummt ein Generator. Der Einfacheit halber laufe auf die Linderspitze – der Weg führt in gut laufbaren Serpentinen bis auf den Gipfel auf 2374 Metern. Geschafft! Ich freue mich über den Erfolg nach dem Wassereinbruch in der Nacht.

Steiler Karwendelsteig

Hinunter geht es über den Karwendelsteig. Ich habe mir die Route nur kurz auf der Karte angeschaut und kann nur erahnen, was mich erwartet. Steilgelände!

Hurtig geht es hinab, Seilversicherungen entschärfen knifflige Stellen. Schnee liegt zum Glück keiner mehr, sonst wäre es sicher spannender geworden.

Der Steig führt anregend über gut 700 Höhenmeter hinab zur Mittenwalder Hütte. Eine schöne Turnerei, die nur von absolut Trittsicheren in Laufschuhen „belaufen“ werden sollte. Konzentration ist hier alles!

Die Mittenwalder Hütte lasse ich links liegen und laufe um Punkt neun Uhr nach ingesamt dreieinhalb Stunden (inkl. Pausen) wieder am Auto ein. Jetzt noch Einkaufen und heim zur Family! 🙂

Hier der GPS-Track bei Strava:

https://www.strava.com/activities/627159444

Gelaufen mit:

Soiern Solo

Ein lang gehegtes Laufprojekt im Karwendel wurde heute in die Tat umgesetzt: Die ganze Kette ab Galgenstangenkopf bis zur Gumpenkarspitze am Gratrücken entlang ablaufen, dann Soiernspitze mitnehmen und über die Reißende Lahnspitze und die Schöttelkarspitze zum Soiernhaus. Zurück über das Fischbachtal. Das ganze recht kompakt als Früh- und Vormittagstour.

Rauf auf den Kopf

Die Laufrunde gurkte mir schon lange im Kopf herum. Der Versuch, sie noch zu Zeiten vor meiner „Laufkarriere“ als Bergtour zu bewältigen, endete im Soiernkessel in einem Gewitter. Doch heute habe ich die Zeit und hoffentlich auch das Wetter auf meiner Seite. Jedenfalls glitzern die Sterne am Himmel, als ich um 3 Uhr aufstehe.

Ein Kaffee im Auto fährt den Hirnrechner hoch, und um kurz nach halb fünf treffe ich schon am Ausgangspunkt ein. Kurze Parkplatzsuche, schnell einen Jäger-Jeep geschickt umgangen (wer weiß, was der mir heute früh gehustet hätte), und schon geht es los. Ich bin voll auf Adrenalin.

Zunächst muss ich erstmal 1.000 Höhenmeter hinauf auf den ersten Gipfel. In exakt einer Stunde nach dem Start stehe ich um sechs knapp unterhalb des Galgenstangenkopfs.

Ich lasse ihn der Einfachheit halber rechts liegen, denn heute gibt es noch wichtigere Gipfel abzuhaken. Es ist bereits hell. Beeindruckend, wie die großen Karwendelgipfel langsam aufwachen!

Im Frühtau am Gratrücken

Ich starte gleich durch und laufe den kleinen Pfad am oder knapp unterhalb des Gratrückens entlang. Der Fermerskopf ist ein recht zahmer Mugel, danach wird es etwas sportlicher. Schließlich jogge ich über den steilen aber wunderbar laufbaren Südostrücken auf dem Gipfel der Baierkarspitze ein. Was für ein Laufrausch hier oben, das Ambiente beflügelt!!! Ich stehe und staune…dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt.

Nun muss ich etwas vom Gas gehen, denn der Weg wird anspruchsvoller. Steil geht es hinab in eine schrofige Einschartung. Ein riesiges Gamsrudel liegt in der Morgensonne – bereits das zweite heute.

Am Gipfel der Dreierspitze wird das Gelände felsiger, man muss kurz die Hände zu Hilfe nehmen. Ich nehme alle Kraft zusammen, um über das Neulahnerkar den Gipfelaufbau des ersten Höhepunktes, der 2.109 Meter hohen Krapfenkarspitze, zu erreichen. Eine kurze 1er-Kletterstelle, und schon bin ich oben. Zeit für eine Pause – es ist jetzt zwanzig vor 7 Uhr.

Leider schaut das Wetter etwas seltsam aus der Wäsche. Wolken haben die Sonne verhüllt. Ich traue dem ganzen nicht recht, ich entschließe mich trotzdem die große Runde vollzumachen und nicht gleich via Soiernhaus abzubrechen. Bin ja nicht zum Spaß hier!

Über Schnee zur Soiernspitze

Also löse ich mich vom „Krapfen“ und turne hinüber zum nächsten Gipfel, der Gumpenkarspitze. Ein Eintrag ins Gipfelbuch, und schon befinde ich mich auf dem Downhill zur knapp 1900 Meter hohen „Jägersruh“, dem Sattel zwischen Soiernkessel und Fermersbachtal.

Der gut ausgetretene Weg zur Soiernhütte wird schnell wieder verlassen, und ich quere etwas mühsam die schrofigen Reißen unterhalb der Soiernspitze hinüber zur Soiernlache, dem normalerweise recht kleinen Tümpel oberhalb der Soiernseen. Heute hat die „Lache“ aber durchaus den Namen „See“ verdient, so voll ist sie mit Schmelzwasser.

Auf dem gut ausgetrampelten Normalweg auf die Soiernspitze geht es schließlich recht steil hinauf zum 2122 Meter hohen Sattel zwischen Soiern- und Reißender Lahnspitze. Ab 2000 Meter gehts über ein recht mühsames Schneefeld, die „Schlüsselstelle“ der Tour. Mit Bergschuhen wäre das Schneefeld nicht der Rede wert, mit Laufschuhen ist es unterhaltsam bis spannend….

Zehn Minuten später sitze ich schon auf dem höchsten Punkt der Runde, der 2257 Meter hohen Soiernspitze. Es ist viertel vor Acht. Gute drei Stunden sind bis hier seit dem Loslaufen vergangen.Ich gönne mir einen Riegel und nuckle mein Flascherl leer.

Rüber zur Schöttlkarspitze und runter

Jetzt folgt eigentlich schon der entspannte Teil der Laufrunde – zumindest rede ich mir das ein. Ich renne wieder hinab zum eben erwähnten Sattel, nehme mit mehr oder weniger kleinen Gegenanstiegen die Reißende Lahnspitze, die Soiernschneid und den Feldernkopf mit (bzw. passiere die Gipfel auf dem schön laufbaren Hauptweg knapp unterhalb) und erreiche schließlich die etwas ausgesetzte Passage am Feldernkreuz. Wider Erwarten liegt in der Querung hinüber zur Schöttelkarspitze gar kein Schnee mehr. Umso besser!

 

Gute vier Stunden nach dem Start erreiche ich schließlich den letzten Gipfel der Runde, die Schöttelkarspitze. Je nach Zählweise habe ich jetzt 10 Gipfel eingesackt. Und das mit gerade mal 2.300 Höhenmetern!

Es hält mich hier nicht lange, ein zweites Frühstück auf dem Soiernhaus klingt einfach zu verlockend. Also nichts wie hinab über den hübschen Reitsteig. Am Soiernhaus werden dann drei Skiwasser, russischer Zupfkuchen und Kaffee inhaliert. Ich bin bereit für den Homerun!

Weglos zurück

Am Soiernhaus ist Aufbruchsstimmung – ich habe hingegen mein Tagespensum erfüllt. Bis zur Schöttelkarspitze habe ich keinen einzigen Menschen, dafür aber geschätzt 150 Gemsen gesehen. Um kurz nach 9:30 Uhr mache ich mich bereit für den Rückweg zum Ausgangspunkt.

Zunächst geht es den Normalweg hinab zur verfallenen Hundstall-Hütte und von dort direkt ins gleichnamige Tal. Zuerst nutze ich den Fahrweg, breche dann durch steiles Gelände hinab zum Bach und laufe ca. 2 km weglos am rauschenden Bach entlang, ehe rechts die Möglichkeit besteht, über einen Steig den Fahrweg zur Mösl-Alm zu erreichen (ich kenne die Route von einer Tour in entgegengesetzter Richtung).

Leider leiste ich mir einen bösen Verhauer und lande auf einem Wildwechsel, der sich im Steilhang verliert. Bei der Aktion zerstöre ich auch noch einen meiner Stecken. Arrgghh! Ich will doch eigentlich schnell heim, um zu Mittag zu grillen!

Also wieder zurück zum Bach. Eine Biegung weiter wäre der richtige Abzweig gewesen…verdammt! Hauptsache, ich bin auf der richtigen Route, denn die Alternativen sind hier recht übersichtlich.

Die Gegenanstiege zur Möslalm ziehen nochmal ordentlich Energie. Nach insgsamt sieben Stunden (davon knapp 5 1/2 Laufstunden) komme ich um halb zwölf wieder am Auto an. Projekt abgehakt! 🙂

HINWEISE:

  • Der Pfad/Steig über den Galgenstangenkamm/joch ist bis zur Baierkarspitze recht einfach, wenn auch nicht markiert
  • ab der Baierkarspitze bis zur Gumpenkarspitze ist ein wenig Orientierungssinn und Trittsicherheit gefragt (steiles Schrofengelände, kurze Kletterstellen bis UIAA I)
  • die Belaufung der Soiernspitze über den Normalweg von Norden kann durch das Schneefeld bis in den Juli hinein verschwierigt werden – schlauer ist in diesem Fall der Anstieg/Anlauf über den Südostrücken
  • die Umlaufung des Soiernkessels ist mit kurzen ausgesetzten Stellen am Feldernkreuz verbunden
  • Zeitaufwand für die gesamte Runde im Wandertempo: etwa 12-14 Stunden; hier bietet sich eine Übernachtung im Soiernhaus an
  • ACHTUNG: Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Route durch das Fischbachtal nur von gut ausgerüsteten Bergsportlern mit gutem Orientierungssinn gewagt werden sollte. Es handelt sich um keinen offiziell markierten Weg!

EINKEHRMÖGKICHKEIT:

GPS-Track auf Strava

https://www.strava.com/activities/612918001/embed/6ad89927aacff57582c4c74a70006cb6b11605dc

Mittenwalder Höhenweg auf Speed

Ende der Laufstrecke - Beginn des Mittenwalder Höhenwegs

Im Rahmen eines Klettersteigset-Tests ging es auf die Schnelle den Mittenwalder Höhenweg entlang. Bis mich der Schnee ausbremste.

Jetzt schon aufstehen? Nein. Ich schalte den Wecker um vier Uhr wieder aus. Heute wird es nichts mit dem Sonnenaufgang, heute bin ich zu müde. So schwinge ich mich erst um viertel vor sieben ins Auto und fahre nach Mittenwald, wo ich kurz nach halb acht am Parkplatz der Brunnsteinhütte losstarte.

Das Ziel: mindestens Kirchlspitze, eventuell Sulzleklammspitze, vielleicht sogar der ganze Mittenwalder Höhenweg. Im Gepäck: ein funkelnagelneues Edelrid Klettersteigset, das ich kurz für meinen Arbeitgeber Bergzeit testen werde. Der Clou: Um zügig oben zu sein, werde ich das ganze mit einem ausgewachsenen Berglauf kombinieren, von daher ist die restliche Ausrüstung sehr leicht.

Entsprechend schnell geht’s die Serpentinen rauf zur Brunnsteinhütte, wo ich nach einer guten halben Stunde durchlaufe. Zwei Leute sitzen mit Kaffee auf der Terrasse, ich grüße und renne gleich durch. Möge der Kaffee mit Euch sein! Die Kehren werden länger und flacher – optimales Laufgelände hier oben. Erst ganz zum Schluß, kurz unter dem Brunnsteinanger, wird der Lauffluß durch schrofige Abschnitte durchbrochen. Eineinviertel Stunden nach dem Start am Auto komme ich am Beginn des Mittenwalder Klettersteigs auf ca. 2250 Metern Höhe an, ein weiterer Aspirant gesellt sich dazu. Toller Blick Richtung Osten ins Karwendeltal!

Nach kurzer Umrüstung gehen wir gemeinsam los. Ich schieße immer wieder Bilder meines „Testgeräts“ und munter geht es über Gratkuppen, versicherte Stellen und Gehgelände hinauf zur Kirchlspitze auf 2301 Meter. Wir sind guten Mutes, dass wir den kompletten Steig packen können, und so turnen wir gleich auf der anderen Seite steil hinab zur Einschartung Richtung Sulzleklammspitze, deren 2321 Meter hohen Gipfel wir wenig später erreichen. Halbzeit, wenn man so will – denn ab hier strukturiert sich der Steig Richtung Linderspitzen, das Ziel liegt greifbar nahe.

Als wir uns jedoch an den Abstieg von der Sulzleklammspitze machen, werden erste steilere Schneefelder gequert. Die von Süden her erste Klettersteig-Leiter führt in eine breite Rinne, die noch gänzlich von tiefem, sulzigem Schnee ausgefüllt ist. Schnell ist die Entscheidung gefallen, hier nicht weiterzugehen. Erstens ist unklar, was danach noch an Hindernissen folgen könnte, zum anderen ist die Gewitterneigung heute nicht zu unterschätzen. Und drittens habe ich nicht das nötige Schuhwerk dabei, um so eine Stelle mit der nötigen Sicherheitsreserve queren zu können.

So turnen wir zurück Richtung Süden, verabschieden uns und ich laufe zügig wieder hinab zum Parkplatz, wo ich noch vor 12 Uhr mittags eintreffe. Bis zur Brunnsteinhütte begegne ich nicht einer einzigen Person, zwischen Hütte und Parkplatz sind es ungefähr 50 (!). Alles in allem eine gelungene Aktion mit zwei hübschen Zweitausendern!

Hier gibt’s die GPS-Tracks:

Website der Brunnsteinhütte: http://www.brunnsteinhuette.de