Voralpenlauf zum Rabenkopf

Trotz Eisheiligen gab es vergangenen Samstag eine kurze Schönwetterlücke. Also schnell den Rucksack gepackt und um 15 Uhr von Königsdorf los gelaufen.

Rothenrainer Moor, Fischbachmühle – die altbekannte Einstiegsroute in die Berge zu Beginn. Sonne bohrt sich durch die Wolken, trotzdem bin ich froh, mit einer langen Hose losgelaufen zu sein.

Nach fünf Kilometern realisiere ich, dass ich das GPS nicht eingeschaltet habe. Egal, es gibt wichtigeres. Über Blombergbahn-Talstation geht es zügig rauf zum Haus. Grölende Liftfahrer stören die am Blomberg eh schon gestörte Bergruhe. Ein paar Wanderer, ein Mountainbiker – mehr ist auch hier an diesem unterkühlten Pfingstwochenende nicht los.

Temperatur sinkt unter fünf Grad. Flocken mischen sich zwischen die Tropfen. Das Schönwetterfenster schließt sich wieder. Ich laufe östlich am Zwiesel vorbei Richtung Gassenhofer-, Lehenbauern- und Melcherstefflalm und turne durch den Sumpf vor der Lexenhütte. Die Konzentration ist voll beim Laufen. Kaum Fotos, keine großen Pausen…einfach nur die Kraft fließen lassen. Hört sich irendwie nach Star Wars an..

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Schon bei der zweiten Furt ziehe ich die Schuhe nicht mehr aus. Ist sowieso schon alles pitschepatschenass und damit wurscht! Also ab durch die Bäche dass es nur so spritzt. Weiter geht’s über die Sattelalm Richtung Tutzinger Hütte, allerdings vorher schon rechts ab und an der Brandenberger Hütte vorbei zur Eibelsfleckalm. Auch hier gibt es einige Genuss-Furten. Eine schöne Route, wenn auch deutlich mehr Fahrweg als bei der Alternativroute zur Glaswandscharte über die Tutzinger Hütte. Ein freundlicher Mensch grinst an einer Alm zum Fenster raus. Da drinnen ist es sicher schön warm! Ich will aber gar nicht tauschen, denn das Laufen macht auch im Regen mordsmäßig Spaß.

Glaswandscharte

Das Wetter wird grimmiger. Kein Mensch mehr weit und breit. Ich versuche, die Ideallinie zur Glaswandscharte zu laufen. Zuerst an einem breit mäandernden Bach entlang, dessen Wasserstand heute wahrscheinlich die Jahreshöchstmarke erreicht, dann querbeet. Bin ich richtig? Das letzte Mal war ich hier vor ca. 15 Jahren unterwegs. Das Gelände steilt auf, durch Schrofen erreiche ich einen zusammengesunkenen Bauwagen oberhalb des sogenannten „Bauernwurfs“. Welcher Bauer wurde hier wohl einst geworfen? Oder hat es ihn nur „gewürfelt“? Bei der Steilheit vermute ich fast letzteres…und wie der Bauwagen wohl hierher gekommen ist?! Kommt einem vor wie der Bus No. 142 aus „Into the Wild“. Solches Gelände wirft eben Rätsel auf…

Schließlich erreiche ich wieder den „Normalweg“ zur Scharte. Was für ein zerworfenes Gelände! Große Altschneeflecken säumen den Weg. Endlich, langsam neigt sich der Hang zurück. Um halb sieben bin ich oben an der Glaswandscharte. Es stürmt.

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Dicke Wolken drücken von Süden in den Hangwald. Ich trinke etwas und nehme den direkten, steilen Steig hinab Richtung Jachenau. Und zögere – soll ich nicht lieber den Fahrweg nehmen? Nö, der ist langweilig. Also geht es weiter die „Naturtreppe“ hinab. Der Weg macht Spaß! Überall Wasser, Rinnsale, Bäche und Wasserfälle, Pfützen, Regen im Gesicht, patschpitschpatsch. Plötzlich ein gehörnter Fellkörper im Weg. Ein Steinbock, der gerade das Winterfell verliert. Er lässt sich von meiner Anwesenheit nicht groß beeindrucken. Ein zweiter gesellt sich noch dazu. Sehr nett!

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Am Lainbach-Wasserfall wägt man sich in Island, soviel Wasser hat er heute. Es gischtet und sprudelt. Schließlich geht’s rechts ab zur Alm, in der meine Geschwister schon Feuer gemacht haben. Wie ist das schön! Dazu gibt’s Kartoffelpfanne mit Käswurscht. Um halb zehn sind alle im Bett.

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Am nächsten Morgen geht’s noch zügig auf den Rabenkopf. Regen, Sonnenlücken, später dann Schneefall. Einsamkeit auf einem sonst viel frequentierten Voralpengipfel. Dann hinab in die Jachenau. Wenigstens hier ein paar tapfere Wanderer. Schade, schon wieder vorbei!

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Gesamt – km: ca. 47
Gesamt – hm: ca. 2.100

GPS-Tracks (verspätete Aufzeichnung beim ersten):

https://connect.garmin.com/modern/activity/1170387239?share_unique_id=1
https://connect.garmin.com/modern/activity/1170387261?share_unique_id=2
https://connect.garmin.com/modern/activity/1170387278?share_unique_id=3

Südbad Marathon

Heute spontan in die Stadt gerannt. Dass ein Marathon draus wurde – netter Nebeneffekt!

Sahara-Sand liegt in der Luft. Ungewöhnliche Wärme. Der Horizont verschwimmt in gelbgrauem Dunst. Ich laufe in kurzer Hose und Trikot über Berg und Schuß zum Malerwinkel. Die Isar glitzert in der Tiefe.

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Über die Tattenkofener Brücke geht’s Richtung Ascholding. Wasser, alte Mühlengebäude, plätschern. Weiter auf unbekannter Route an Trillionen von Fischteichen vorbei über Egling und Dettenhausen zum Deininger Weiher. Ausflügler trinken Kaffee und mampfen Kuchen. Ich knacke die Halbmarathonmarke.

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Jetzt gibt’s, was bei keinem längeren Lauf fehlen darf – einen kleinen Verhauer. Statt gleich Richtung Straßlach-Dingharting zu laufen, folge ich dem verlockend schönen Gleißenbachtal. Der Ausflugsrummel ist wie ausgeschaltet. Ein Fotograf nestelt an seiner Ausrüstung.

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Ich muß das Tal steil und weglos nach links verlassen, um wieder auf Kurs zu kommen. Es ist inzwischen sommerlich warm geworden. Nach Dingharting folge ich einem schwach ausgeprägten Feldweg und lande – auf der Trabrennbahn. Sorry, Jockeys, heute galoppiere hier ich!

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Nun wieder bekanntes Terrain – die stark befahrene Tölzer Straße nach Grünwald. Ich hake die 30km ab. Das Wasser wird knapp. Tankstopp? Jetzt nicht. Das Isartal mit seiner Nagelfluh-Landschaft lockt zu sehr. Also an der Burg vorbei hinab zum Fluß. Und nichts wie ab zur schon so oft besuchten Quelle vor der Großhesseloher Brücke, die auch heute erquickendes, kühles Wasser spendet.

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Schließlich das Finale. München pulsiert und spuckt immer mehr Menschen auf den Pfaden Richtung Süden aus. Ich renne unter der rumpelnden Großhesseloher Brücke durch. Dann Mariensteg, Hellabrunn, Thalkirchener Brücke – und Flaucher. Endspurt, wenn man so will – oder besser gesagt, Endgang, denn der Flaucher ist überlaufen von Erholungssuchenden.

Da, der rote Bau, das Südbad, meine Familie! Und Apfelschorle, Würstel und Kuchen. Und ein Fast-Marathon mit 41,64 km und immerhin 271 Höhenmetern geht nach 3:40 Stunden Laufzeit zu Ende.

GPS-Track:
https://connect.garmin.com/modern/activity/1112787048

185er mit dem Rennrad

Dass es lang werden würde, war klar. Dass die Strecke von Königsdorf nach Kaufbeuren mit dem Rad so schön abwechslungsreich sein kann, war etwas Neues. Dass die Menschheit kurz davor ist, dem Autowahn auch noch die letzten zauberhaften Ecken zu opfern, leider nicht…

Krach, die Tür fällt in’s Schloß. Kein zurück. Heute durch die Berge ins Allgäu zu radeln – eine sehr spontane Entscheidung.

Über die alte Tölzer Straße geht’s nach Tölz, dann via Arzbach nach Lenggries. Seltsame Windverhältnisse, um die Null Grad. Hoffentlich bleibt das nicht so, denn die Füße sind bereits nach 10k tiefgefroren.

Nach Wegscheid dann Schnee auf der Fahrbahn. Die Jachenau eingehüllt in Sonnenstrahlen und Wasserdampf. Langsam wird’s wärmer.

Am Walchensee nach 45 Kilometern ein erstes Päuschen. Angler sind die einzigen, die diesen frostigen Ostersamstag für einen Ausflug an den See nutzen. Ansonsten freie Fahrt auf der Mautstraße.

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Ich radle weiter über Einsiedl auf den Radweg nach Wallgau und kürze ab Richtung Klais. Wahnsinnsverkehr auf der B2. Bettenwechsel macht sich bemerkbar. Mühsam reihe ich mich ein, um mich herum schwer beladene Familiengefährte mit Berliner, Essener und Dortmunder Kennzeichen.

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Zügig geht’s runter nach Partenkirchen, das ich über gewundene Wege links liegen lasse. Nach Farchant dann die Ernüchterung. Mit dem Rennrad müsste man, um auf Teer nach Oberau zu kommen, durch den Gegenverkehr für kurze Zeit auf die B2 einfädeln. Bei der Blechkolonne ein Ding des Unmöglichen. Ich fahre kurz Retour um mir eine Alternative zu suchen.

Schließlich geht’s auf Schotter an der Loisach entlang. Dabei traumhaften Pausenplatz entdeckt mit Blick auf den Wetterstein. Kurze Verschnaufpause mit Cranberries und Schoki.

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Schließlich geht’s zügig rauf nach Ettal und gleich weiter ins Graswangtal nach Linderhof. Die Hoffnung, hinter dem Königssschloss möge sich die Autoflut ein wenig dezimieren, zerschlägt sich schnell. Vor allem die fetten SUVs machen einem als Radler auf der schmalen Bergstraße zu schaffen. Ein unangenehmes Gefühl, wenn ein mehr als zwei Tonnen schweres Ungetüm überholt, während parallel noch Gegenverkehr unterwegs ist.

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Dafür ist die Aussicht auf Kreuzspitze und Geierköpfe um so atemberaubender….das hat heute durch den Neuschnee eine zentralalpine Optik.

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Kurz hinter dem höchsten Punkt der Strecke, dem rund 1120 Meter hohen Ammersattel, mache ich nach 120 km eine Mittagspause und lasse die Blechlawine an mir vorbeirauschen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier noch vor zehn Jahren deutlich weniger los war.

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Dann geht es hinab über den Plansee nach Reutte. Ich kehre im Eurospar-Café ein und gönne mir eine schön salzige Bruschetta. Eine Flüchtlingsgruppe betritt den Laden und wünscht der Verkäuferin „Frohe Weihnachten“.

Schließlich geht’s via Pinswang Richtung Bayern. Ich bestaune den Lechfall und versuche, das gnadenlos überlaufene Füssen durch die Fußgängerzone zu durchqueren. Vergeblich.

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Über einen etwas chaotischen Hinterhof-Weg inklusive Geländeeinlage erreiche ich schließlich den schnellen Bahntrassen-Radweg und flitze an Stötten vorbei nach Kaufbeuren. Gegen Ende fühlt sich die Tour so richtig nach Frühling an!!

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Fazit:

Tolle Strecke mit mehr als 185km und immerhin 1500 Höhenmetern. Leider ist mir an diesem Ostersamstag erneut klar geworden, dass wohl nur wenige das Auto auch mal bewusst stehen lassen. Eine schmerzhafte Erkenntnis – denn das Ergebnis ist, dass „schwache“ Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger immer mehr an den Rand gedrängt werden. Klar, jeder will Spaß haben an Ostern. Dass man dafür aber nicht zwangsweise durch die halbe Weltgeschichte kutschieren muss…naja, anderes Thema.

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Einige autofahrende Zeitgenossen scheinen zudem nicht ganz zu verstehen, was ein Miteinander mit Radfahrern auf der Straße bedeutet. Frustrierend ist auch der (subjektiv) immer höhere Anteil an SUVs, raumverschlingenden Minibussen und Vans, die für schmale alpine Straßen denkbar ungeeignet sind. Wie haben das eigentlich unsere Eltern damals gemacht?!

Zwei Tage später ging’s dann eine etwas direktere Route über Ammer- und Starnberger See wieder zurück – immerhin nochmal gute 100 Kilometer.

Hier geht’s zum GPS-Track:
https://connect.garmin.com/modern/activity/1099669745

Und die Rückroute :
https://connect.garmin.com/modern/activity/1102165590

Laufwinter 2015 – Klimawandel im Alpenvorland

Ein eigenartiger Winter – aber vielleicht genau das, worauf wir uns die nächsten Jahre einstellen müssen. Längere Kältephasen sind die absolute Ausnahme, die Schneelage ist nur schwer vorauszusehen.

So kam es bei uns im Tölzer Land vor, dass innerhalb von nur einer Woche die Temperatur von minus 15 Grad Celsius auf plus 12 Grad Celsius stieg. Beim Laufen fallen die Temperaturschwankungen besonders drastisch auf.

Frost und Frühling

Am 22.01. lief ich bei frostigen -15 Grad in die Arbeit – beeindruckende Verhältnisse und der wohl schönste Winterlauf bisher. Ich habe den Eindruck, dass Winter-Fanatiker wie ich solche Kälteerlebnisse festhalten müssen wie einen Schatz!

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Link zum Lauf (leider musste ich den Lauf manuell eingeben, da die Datenübertragung meines Test-Forerunners gestreikt hat): http://connect.garmin.com

Eine Woche danach lief ich von Otterfing nach Bad Tölz – ein guter Halbmarathon. Der Schnee-Spuk war schon wieder komplett vorbei. Tauwetter auf einer Traumstrecke.

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Über Palnkam an den Teufelsgraben, diese sagenumwobene, ehemalige Ablaufrinne der Isar. Dann über den „Hochrain“, eine komplett bewaldete, über 750 Meter hohe Hochfläche, an die Verbindungsstraße Dietramszell-Holzkirchen. Schließlich durch den nicht minder beeindruckenden Zeller Wald hinauf zur „Grünen Marter“ und über verlassene Waldpfade zum Kogler Lack.

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Der Zeller Wald hat mich verzaubert. Definitiv einer der wildesten Flecken im Tölzer Landkreis. Man findet nur wenig darüber im Internet. Und das, was man findet, zeugt von der Wildheit des Geländes. Haberfeldtreiben, Schwedeneinfälle – ich muss glaube ich mal ins Dietramszeller Dorfarchiv gehen, um zu recherchieren.

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Schließlich Endspurt über Ellbach. Und das alles bei Temperaturen über zehn Grad! Ende Januar!

Link zum GPS-Track: http://connect.garmin.com

Nur zwei Tage später danach bei intensivem Nassschneefall ein knapper 30er via Fischbachmühle und Isarstausee rüber ans Isar-Ostufer. Dann über den „Ratzenwinkel“ und die „Sauhölle“ nach Schnaitt und Hechenberg. Runter nach Bairawies und Einöd. Retour über Tattenkofener Brücke, Malerwinkel, Schuß und Berg.

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Die Strecke war gut ausklamüsert und von anderen Läufen und Radfahrten größtenteils bekannt, trotzdem ärgerlicher Verhauer bei Schnaitt. Ich lief frei Schnauze und war schlicht zu faul um ordentlich zu navigieren. Ergebnis: Orintierungsschwierigkeiten und Wegverlust in einem Bachtälchen und später die Erkenntnis, dass ich in der verschneiten Landschaft Schnaitt mit Reut verwechselt habe. Peinlich, peinlich…da werden Erinnerungen an die Zeit der Winterausbildung bei den Pfadfindern wach!

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Die nasskalten Bedingungen machten den Lauf zudem maximal energieraubend. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Marathon mal so geschlaucht hat wie dieser 30 km-Lauf!

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Link zum GPS-Track (für die Spitzfindigen: im Ratzenwinkel hatte ich mit einem Signalverlust zu kämpfen): http://connect.garmin.com/

Was nach diesen völlig unterschiedlichen Läufen innerhalb von nur 9 Tagen bleibt, ist ein fahler Beigeschmack. Die Winter, wie sie hier im Alpenvorland typisch waren, scheinen passé zu sein. Mich macht das traurig und betroffen zugleich.

Das Absurde daran ist, dass die outdoorsportliche Menschheit (wenn überhaupt) nur sehr langsam dazu bereit zu sein scheint, Kompromisse einzugehen, sich zu bremsen, mal an einem halbscharigen (für die Nicht-Bayern: wettertechnisch nicht ganz optimalen) Wochenende daheim zu bleiben. Zwar sieht man (zumindest habe ich das Gefühl) ein paar mehr Läufer und Sportler, die bewusst ihre unmittelbare Umgebung zum Sporteln verwenden und kreativ sind, was das „Sporteln vor der Haustür“ angeht. Die klassische Skifahrer- und Skitourengeherfraktion scheint jedoch nach wie vor auch haarsträubende Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um dem Schneesport zu fröhnen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich damit eine ganze Szene langfristig ihr eigenes Grab gräbt und sehenden Auges nur noch verzweifelter weit entfernte Hänge hinunterkratzt.

Klar, Verzicht als Lifestyle ist nicht sexy. Aber klimaverwandelte Berge und Autokolonnen in die letzten verschneiten Täler sind noch viel weniger sexy.

Der Mensch war noch nie besonders gut darin zu schützen, was er liebt. Was denkt ihr? Ist Euch das zu pessimistisch? Ist alles gar nicht so schlimm? Sollen sich die Berge und die Teilzeit-Ökos mal nicht so haben? Ich freue mich über Kommentare.

Dufourspitze 4637 Meter

Mit der Dufourspitze im Wallis will will ich eine kleine Serie beginnen, in der ich alle Viertausender vorstelle, die ich zwischen dem 18. und 26. Lebensjahr bestiegen habe. Los geht es mit einer der schönsten Touren.

Im Jahr 2003 ging es Ende August/Anfang September mit meinem Cousin auf die Dufourspitze, den zweithöchsten Berg der Alpen. Wie bei uns üblich mit dem Zelt und auf eigene Faust.

Wir starten von der Station Rotenboden der Gornergratbahn. Sauteuer das Bähnli, aber den Luxus gönnen wir uns dann doch mit den fetten Rucksäcken. Dann geht es den langen, fast auf Höhenlinie verlaufenden Weg zum Gornergletscher entlang, fantastische Ausblicke auf Lyskamm, Breithorn und Zwillinge…

Schließlich die relativ harmlose Querung über den mächtigen Gletscher. Ein Mann mit einer Katze kommt uns entgegen. Ein Mann mit einer Katze auf dem Gletscher? Wir reiben uns die Augen. Sachen gibt’s in der Schweiz!

Die damals noch alte Monte Rosa-Hütte lassen wir links liegen und stiefeln hinauf Richtung Grenzgletscher. Unter einem gigantischen Steinblock errichten wir das Zelt auf ca. 2900 Meter. Blick in die Runde – umwerfend.

Wie in den Westalpen so üblich starten wir am kommenden Tag ordentlich früh – gegen drei Uhr geht es los. Immerhin liegen noch mehr als 1700 HM vor uns. Bis zum Beginn des Monte-Rosa-Gletschers finden wir den Weg leicht, dann verhauen wir uns jedoch übelst im Gletscherbruch. Wir finden den richtigen „Einstieg“ nicht, verlieren die Spur und sind nur am Fluchen. Ein echter Irrgarten! So geht eine knappe Stunde nur mit der Wegsuche flöten. Zum Glück finden wir dann aber doch die korrekte Spur Richtung Nordend und Dufour.

Wir sind die ersten heute – und werden es auch bleiben. Es wölkt und wettert – offensichtlich haben sie viele Seilschaften auf der Monte Rosa-Hütte entschlossen, nicht loszugehen. Langsam merken wir die Höhe, langsam geht es auch voran. Schließlich erreichen wir die zum Teil blank geblasenen Abschnitte rechts hinauf auf den Sattel (4359 Meter). Hier ist Vorsicht geboten, wir drehen auch mal eine Eisschraube für eine Durchlaufsicherung in das Blankeis.

Jetzt nur noch der Gipfelgrat. Uns wird ob der Einsamkeit mulmig zumute. Der Grat ist zwar kein ausgesetztes Monstrum, aber so ganz alleine bekommen wir ein wenig Muffensausen. Wir lassen daher alles zurück, was wir an Gewicht entbehren können – inklusive Kamera. Hier soll uns nichts meher behindern. Kletterstelle für Kletterstelle tasten wir uns vor – der Grat entpuppt sich als spannend, aber machbar. Sichern müssen wir nirgends.

Und dann – das Gipfelkreuz. Geschafft! Wir fallen uns in die Arme. Einen so bedeutenden 4000er ganz alleine für sich zu haben, kommt dann doch selten vor. Angenehm warm ist es hier oben, wie genießen die Sonne und Windstille. Doch siehe da – von der Zumsteinspitze kommen zwei Italiener zu uns rüber. Wir freuen uns über das gemeinsame Gipfelglück!

Das Wetter weiß nicht so genau, was es will. Zwar gibt es dann und wann den Blick frei, die dauerhafte Rundumsicht bleibt uns aber verwehrt. Nix für ungut. Beim Rückweg zum Zelt kommen uns noch zwei Schweizer entgegen, die einzige Seilschaft, die wir auf dem Normalweg Richtung Monte Rosa-Hütte heute treffen. Am Zelt angelangt steht schnell die Entscheidung fest, noch eine Nacht zu bleiben. Uns ist nach Entspannung zu Mute…und nach schlafen, viel schlafen. Zwölf Stunden werden es schließlich.

Tags drauf packen wird unsere Sachen, lauschen ganz verdattert den Bayern 3-Klängen an der Hütte (geht denn da kein Couleur 3 rein?!) und geben das allerletzte Geld für Ovomaltine und Kuchen aus. Schließlich hatschen wir wieder komplett bis runter nach Zermatt. Genialer Berg!

Technische Daten:

 

 

 

 

Münchner Winterlaufserie 15 und 20k

Lauf-Freud und Lauf-Leid liegen nah beieinander. Das wurde mir bei der Münchner WLS 2015/16 einmal wieder bewusst. Der erste Härtetest des Jahres ist jedenfalls Vergangenheit!

15k am 16.01.

Drei Runden mit je 5 Kilos durch den Olypark – keine große Aufgabe. Oder etwa doch? Nachdem meine Familie heute als Support anwesend ist, will ich mir keine Blöße geben. Und es läuft gleich vom Start weg – und läuft, und läuft. Kilometer um Kilometer stecke ich solide 3:58er und ähnliches ein, kämpfe ab und an mit dem inneren Schweinehund, zirkle um die Menschenschlange am Einlass zum Sea World und laufe schließlich mit einer ganz glücklich machenden 59:29 min und dem 46. Gesamtrang im Ziel ein.

20k am 13.02.

Heute heißt es vier Runden mit je 5 Kilometer durch den Olypark zu rocken. Ziel: 1:20 knacken oder, noch konkreter, meine Zeit von 2015 – 1:19:34h.

Die erste Runde läuft ausgezeichnet, ich liege mit 19 Minuten und ein paar zerquetschten genau auf Kurs. Dann beginnt jedoch ein echtes Martyrium. Ich fühle mich unwohl, kann nicht genug aus den Beinen holen. Die Schnitte werden immer schlechter. Kann ich von Zeit zu Zeit noch einen Sub-4er herausleiern, geht es spätestens ab der dritten Runde und der 10 km-Marke massiv bergab.

Verdammt, was ist bloß los? So einen Einbruch habe ich schon lange nicht mehr erlebt….4:30er wechseln sich mit noch langsameren Kilometern ab, die 1:20h Gesamtmarke zerrinnt mir zwischen den Fingern. Ich überlege ernsthaft, ob ich überhaupt noch Bock habe und weitermache. Zwar bin ich immer noch im Sub-1:30h-Bereich unterwegs – Spaß macht das jedoch nicht mehr so wirklich.

Am Ende steht eine 1:27:44 für die 20 Kilometer auf der Anzeigetafel. Härtetest bestanden, sage ich da, und mache mich auf die Suche nach der Fehlerquelle, die da wäre: falsche Klamottenwahl (ich habe mich an eine kurze Hose getraut, was bei um die Null Grad keinen Spaß gemacht hat, da bin ich Weichei), falsche Vorbereitung und falsche Psyche (ich hatte die ganze Zeit nagende Zweifel, ob es mit den 1:20h klappen wird). Letztes Jahr war ich hier 8 Minuten schneller – naja, nächstes Jahr dann wieder!

Infos zu den 10 k am 05.12.2015 gibt es in einem getrennten Artikel: https://arnoldzimprich.wordpress.com/2015/12/06/muenchner-winterlaufserie-10k/

Gesamtergebnis

Eigentlich hatte ich vor, für das BERGZEIT Running Team unter die Top 30 in der Gesamtwertung zu laufen. Leider ging es sich dann doch nur mit dem 43. Gesamtrang (von knapp 300 Läufern) aus – dem schwachen 20k sei Dank.

Hier gibt’s die Links zu den GPS-Tracks:

15k: https://connect.garmin.com/modern/activity/1016901043

20k: https://connect.garmin.com/modern/activity/1049399457

Herzogstandlauf

Unten herbstähnliche Verhältnisse, oben tiefster Winter – abwechslungsreicher, als dem Herzogstand derzeit über den „Pionierweg“ auf den Pelz zu rücken, kann ein Berglauf gar nicht sein.

Ich starte um kurz nach neun auf rund 620 Meter am Wanderparkplatz zwischen Schlehdorf und Raut. Eisig und glatt ist die Teerstraße, die mich den ersten Kilometer begleitet – von Schnee ist hier unten jedoch keine Spur.

Bald geht es scharf nach rechts direkt auf Heimgarten und Herzogstand zu, mit ihren 1732 und 1791 Metern die Wächter des Voralpenlandes hoch über dem Kochelsee. Der Fahrweg schlängelt sich steil in den Hangwald, kein Wunder, dass hier früher mal eine Rodelbahn war.

Eigentlich plane ich eine Überlaufung der beiden Gipfel, beginnend mit dem Heimgarten. Als ich jedoch auf rund 900 Meter Seehöhe am Abzweig des „Pionierweges“ Richtung Herzogstand ankomme, entscheide ich mich spontan, den besser erschlossenen Herzogstand zuerst zu belaufen. So gehe ich auf Nummer sicher, wenn die Verhältnisse nicht optimal sein sollten.

Der Pionierweg bereitet Lauffreude vom feinsten. Kehrenabschnitte wechseln mit kleinen Klammquerungen ab, der Weg ist für Trainierte problemlos laufbar. Bei Schneeauflage sollte man jedoch trittsicher sein, denn hie und da geht es recht steil hinab. Ab 900 Metern liegt vereinzelt, ab 1200 Metern durchgehend Schnee. Einsamkeit pur: Erst auf dem Hauptweg zum Herzogstandhaus treffe ich auf Spuren….

Zügig geht es die Kehren hinauf in den Kessel unter dem Fahrenberg. Ab 1400 Metern ist der Schnee ganz ordentlich verweht, der Fahrweg ist jedoch gut gewalzt, die Schuhe finden perfekt Halt. An Skifahren ist noch nicht zu denken, es sei denn, man hat die Steinski dabei und ist schmerzfrei was Kratzer angeht….

Das auf 1565 Metern gelegene Herzogstandhaus lasse ich links liegen, überhole auf den letzten Kehren unter dem Gipfel ein paar Schneewanderer und komme nach gut 1100 Höhenmetern, knapp 10 Kilometern und 1:25h Laufzeit am Gipfelpavillon an. Die Wolken geben sogar kurz den Blick auf den Walchensee frei!

Nach einer Pause mit heißem Tee sondiere ich kurz die Verhältnisse auf dem Gratrücken hinüber zum Heimgarten, der sogar gespurt ist. An zügiges Laufen wäre jedoch nicht zu denken, und ich will schnell wieder zu Hause sein. So laufe ich doch wieder die gleiche Route zurück zum Ausgangspunkt.

Zum GPS-Track geht es hier.

Technische Daten:

  • Laufzeit gesamt: 2:19:52 h
  • Streckenlänge: 19,53 km
  • Höhenmeter: 1137

Gelaufen (unter anderem) mit:

Läuferischer Jahresrückblick 2015

Verletzungsfrei, abwechslungsreich, neuer 10k-Rekord – so lässt sich das Laufjahr 2015 am besten zusammenfassen.

Krass, schon wieder ist es vorbei, das Jahr! An läuferischen Aktivitäten bestand kein Mangel – im Gegenteil. Abwechslungsreicher und experimentierfreudiger als in den Vorjahren – und keine Bänderrisse oder andere Wehwehchen. In der Nachsicht lassen sich aus dem Potpourri ein paar schöne Highlights herausarbeiten.

Spontaneität

Wenn ein Wort das Laufjahr 2015 kennzeichnet, ist es dieses. Keine Trainingspläne, keine Vorgaben, nichts.  Und trotzdem hat es geklappt mit dem Karwendelmarsch, mit der Raiffeisen Oberland Challenge und Schmankerln wie den kompletten hin&zurück-Belaufungen von Benediktenwand (mehr als 60 Kilometer) und Auerberg (ein knapper Ultra).

By fair means und für mich alleine – das mag für die einen unverständlich sein, mir gibt es jedoch unglaublich viel. Mehrere Stunden in der freien Natur für sich die Seele baumeln lassen und den Körper spüren, ohne an irgendwelche Fixpunkte gebunden zu sein…das kennzeichnet für mich das Laufen und macht die Faszination Laufen aus. Dass dabei das Auto so gut wie immer in der Garage bleibt – umso besser. Spontaner Aufbruch, unterwegs sein, ankommen – das bedeutet Glück und Bestätigung.

Nicht geklappt hat es allerdings mit dem größten sportlichen Projekt 2015: Der Belaufung der Birkkarspitze (höchster Berg des Karwendels) von zu Hause aus. Das Ding hätte etwa 80 Kilometer und mehr als 3000 Höhenmeter gehabt. Machbare Rohdaten – aber ein falsches Timing. Ich musste mir nach gut 40 gelaufenen Kilometern in der Jachenau eingestehen, dass man nach einer 40h-Arbeitswoche nicht einfach am Abend um 22 Uhr mit einem leidlich mit Proviant vollgepackten Laufrucksack zu Hause starten und auf einen 2749m-Berg in einem durchlaufen kann (obwohl mich mein Bruder mit einer Verpflegungstation nach ca. 50 km unterstützt hätte). Aber solche Niederlagen gehören dazu und das Projekt steht noch für 2016. Dann unter dem Motto: mindestens 5h schlafen, in der Früh spätestens um fünf starten, das Rucksackgewicht extrem nach unten korrigieren. Achja: Danke, Urs, für das leckere Frühstück! 🙂

Ein weiteres ambitioniertes Projekt, die Belaufung des 3645m hohen Monte Vioz, klappte hingegen wie am Schnürchen. War allerdings logistisch auch deutlich einfacher zu realisieren. Von dieser kompakten 5h-Aktion zehre ich immer noch….

Wettbewerbe

Das Laufjahr 2015 begann mit den 15 und 20k-Läufen der Münchner Winterlaufserie. Beide sehr spaßig – und beide schnell. Wäre die 20k-Strecke zu einem HM geworden, wäre meine bisherige Bestzeit von 1:24:24h fällig gewesen.

Weiter ging’s mit den Läufen der Raiffeisen Oberland Challenge, die Mitte April ihren Anfang nahmen. Die ROC beinhaltet von kurzen 5k-Waldläufen bis zum HM alles, was das Läuferherz begehrt. Und ist dabei noch extrem familienkompatibel, da keine weite Anreise, kurze Laufdauer, familiäres Ambiente…. Von den 10 ROC-Läufen habe ich 7 mitgemacht. Highlights waren für mich der Wolfratshauser Stadtlauf (neue 10k-Bestzeit von 37:26min) und der Mooshamer Waldlauf, enttäuschend hingegen der Tölzer Isarlauf, bei dem ich eigentlich eine neue HM-Bestzeit erreichen wollte…aber man kann ja nicht alles haben.

Neben den ingsesamt fünf alleine gelaufenen „Trainings-Ultras“ (drei mal in die Arbeit&zurück an einem Tag (je ca. 48 km), Benediktenwand hin&zurück (ca. 63 km) und Auerberg (ca. 44 km) lief ich das fünfte Mal mit hohen Erwartungen beim 52 Kilometer langen Karwendelmarsch mit – und wurde enttäuscht. Anstatt meine Bestzeit von 5:15h aus dem Jahr 2012 zu toppen, blieb ich unter der für mich magischen 5:30h-Marke. Bei der Ursachenforschung bin ich bei der falschen Schuhwahl und der Hitze hängen geblieben. Zwar liebe ich den Saucony Nomad TR auf Strecken bis 30 km – alles, was darüber hinausgeht, scheint jedoch für die Dämpfung too much zu sein. Noch nie, wirklich noch nie hat mir ein Schuh im Wettkampf soviel Schmerzen (seltsamerweise an der Ferse) bereitet. Von daher beim nächsten Mal: Keine Experimente – und wieder mit Trinkrucksack.

Training

Wie eingangs schon erwähnt, trainierte ich völlig chaotisch, eher längere Strecken und komplett aus dem Bauch heraus. Absolute Ausnahme waren Kurzstrecken und Sprinteinheiten unter 10km – Strecken zwischen 15 und 25 Kilometer mit leichter Tendenz zum „Standard-Halbmarathon“ hingegen die Regel. Insgesamt bin ich 2015 35 Mal im Training Strecken zwischen 15 und 35 Kilometer gelaufen. Das Knacken der 20k-Marke wurde im Laufe des Jahres zum Usus, alles was darunter lag, lohnte gefühlsmäßig das Loslaufen nicht. Die Anfang des Jahres noch so spektakuläre 24k-Strecke in die Arbeit wurde fast schon zu einer Standardstrecke.

Diese solide Laufbasis garnierte ich mit zahlreichen Radfahrten in die Arbeit. Diese Guerilla-Trainingstaktik hat für mich zwei entscheidende Vorteile: Sie gibt einem ein Gefühl der Freiheit – und sie lässt viel Gestaltungsspielraum. Natürlich ist sie nicht der richtige Weg, um die 34 Minuten bei den 10k zu knacken, dass sie jedoch zielführend ist, beweist jedoch der immerhin dritte Platz in der AK bei der ROC.

Pausen

Auch was die Regeneration angeht, habe ich 2015 eine Guerilla-Taktik gefahren. Mal so, mal so. Einen Tag ohne Sport zu verbringen, kam häufig vor, zwei oder gar drei Tage sehr selten. Spätestens nach dem dritten Tag ohne Laufen oder Radeln stellte sich sowieso wieder ein massives Bewegungsbedürfnis ein.

Aussicht 2016

2016 steht hauptsächlich eines an: Hausumbau und Familie. Alles andere ist nachgeordnet. Nachdem sich die ROC jedoch so schön in den Alltag integrieren lässt, werde ich sie wieder mitlaufen. Vielleicht kann ich meinen dritten Platz in der AK verteidigen. Weiteres Highlight ist der Salzburg-Marathon Anfang Mai, bei dem ich beim zweiten Anlauf und der dritten Teilnahme bei einem Straßen-Marathonwettkampf die 3h knacken will. Ob ich 2016 beim Karwendelmarsch dabei bin, weiß ich noch nicht. Wenn, dann spontan!

Schlußgedanken

Laufen ist für mich im Laufe von drei Jahren zur Sportart Nummer 1 geworden, und das hat hauptsächlich einen Grund: die Familienkompatibilität. Keine weite Anfahrt zum Berg (so wie früher, als ich mir ein Leben ohne Berge nicht vorstellen konnte) – der Abenteuerspielplatz liegt direkt vor der Haustür. Was man mit 1,5h Laufen trainingstechnisch bewirken kann, ist beeindruckend. Natürlich zieht es mich ab und an noch gewaltig in die Berge – aber eben nicht mehr so wie früher, als ich ungezählte Stunden im Auto saß, nur um dann eine 4- oder 5 Stunden-Bergtour zu machen. Nicht zuletzt ist also laufen verdammt klimafreundlich – wenn man nicht gerade auf eine Bohnen-Diät setzt. 😉

Ich wünsche allen, die diese Zeilen lesen, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und viel Erfolg bei ihren sportlichen Projekten! Möge es eine verletzungsfreie Saison mit vielen schönen Lauf- und Sporterlebnissen werden!

 

Auerberg Marathon

Die laue Weihnachtszeit machte die Verwirklichung eines lange gehegten Projektes möglich – die Belaufung des 1055 Meter hohen Auerbergs von Kaufbeuren aus.

Knack – die Haustür fällt in’s Schloß. Punkt halb acht starte ich im Süden Kaufbeurens wieder einmal einen längeren Lauf, der mir schon länger im Kopf herumschwirrte.

Richtung Berg

Der Auerberg ist mit seinen 1055 Metern der nördlichste „Tausender“, der einem in der Kaufbeurer Umgebung in die Quere kommt. Bisher lief ich maximal bis zur Bergmangalpe oder zum Elbsee, Rekord war eine 33,33 km Runde vor eineinhalb Jahren. Heute soll es jedoch mal wieder die magische 42,25 km-Marke sein. Bei idealer Routenwahl ist es ein guter Halbmarathon bis auf den sagenumwobenen Gipfel, zurück will ich eine etwas weitere, andere Strecke laufen, um eine abwechslungsreiche Runde vollzumachen.

Ich wähle zunächst die gut bekannte Strecke über das Kraftwerk am Bärensee hinauf auf den Freyberg. Nicht mal Gassigeher sind unterwegs, den meisten liegt Weihnachten wohl zu schwer im Magen. Richtung Mooshütte belaufe ich schließlich „terra incognita“. Nach einigen Kilometern im morgendlich verzauberten Wald kommt einem die fette B12 mit ihren vorbeihuschenden Autos fehl am Platz vor; kurz hinter der Mooshütte tauche ich jedoch wieder in die Stille des Gennachmoores ab…und genieße jeden Schritt auf dem eisig knirschenden Boden.

Leider leiste ich mir einen kleinen Verhauer und laufe nicht ganz die geplante Ideallinie nach Bernbach. Nicht weiter schlimm, die 500 Extrameter laufe ich heute gerne. Riesige Windräder stören mit ihrem Gefauche die Morgenstille, in Bernbach selbst ist keine Menschenseele zu sehen. Das Licht der aufgehenden Sonne taucht die Landschaft in einen goldenen Farbtopf. Ich atme die beeindruckende Stimmung mit jedem Laufschritt ein. Weiter geht es über einsame Feldwege und an Einsiedlerhöfen vorbei Richtung Korbsee und Gehren (Achtung, Aggro-Hund!) und weiter zum verwunschenen Zwölfpfarrenwald – mit seinen 900 Meter „Gipfelhöhe“ ein weiteres, etwas näher liegendes Laufprojekt…aber heute will ich mehr!

Bei Oberlöchlers erblicke ich schließlich das erste Mal in ca. 4 Kilometer Entfernung den Auerberg, der sich bisher geschickt versteckt hatte. Die Motivation erreicht ungeahnte Höhen, und bald erreiche ich mit Remnatsried den letzten Ort vor dem „Gipfelanstieg“. Eine wunderbare Gegend ist das hier, einsame Laufstrecken ohne Ende…

Die finalen drei Kilometer laufe ich einfach Luftlinie über die Felder und schließlich über mit Brombeer- und anderem Gestrüpp zugewucherte Pfade und Fahrwege steil hinauf zum Ostrücken des Berges. Römische Siedlungsreste (Erdwälle) zeugen von einer abwechslungsreichen Geschichte.

Nach gut 2 Stunden Laufzeit und 22 Kilometern Strecke erreiche ich schließlich die Gaststätte und Kirche auf dem Auerberg. Die Aussichtsplattform neben dem Kirchturm bietet eine perfekte Rundumsicht mit Hohem Peissenberg, Zugspitze, Forggensee, Grünten und vielen weiteren bekannten und unbekannten Gipfeln. Ich kann mich bei dem Traumwetter gar nicht satt sehen und dezimiere parallel zur Bergschau rasch mein Proviant. Zum Glück gibt es auch noch einen Getränkeautomaten: Ehe ich mich auf den Heimweg mache, gieße ich mir eine Cola hinter die Binde und betanke meine Trinkflasche mit Apfelschorle.

Zurück mit viel Asphalt

Lag das Verhältnis von Feldweg zu Asphalt beim Hinlauf bei etwa 3/1, kehrt es sich beim Rücklauf um. Statt wie ursprünglich geplant über Stötten laufe ich über kaum befahrene, einspurige Straßen via Settele und Burk nach Bertoldshofen. Hier zeigt sich das Allgäu von seiner schönsten Seite: Einsame Gehöfte, tolle Ausblicke ins Geltnach- und Wertachtal, dahinter die Alpen. Und das bei einer Temperatur, die sich eher nach Ostern anfühlt als nach Weihnachten! An kleinen Seen vorbei, durch kleine Tälchen und Waldstücke arbeite ich mich wieder nach Norden. Oft laufe ich mit gezückter Karte, um mir keine weiteren Verhauer zu leisten. Manchmal geht es zudem die Strecke des Auerberg-MTB-Marathons entlang, der durch kleine Pfeile deutlich markiert ist.

Von Bertoldshofen geht es schließlich via Kreen und an Altdorf vorbei nach Biessenhofen – sicher der fadeste Teil der Strecke, da auf der parallel laufenden B16 viel Verkehr herrscht. Ich kürze, um der Autoflut auszuweichen, wieder quer über die arg von Wühlmäusen zerpflügten Felder ab….Achtung Umknickgefahr!

Nachdem ich zur Weihnachtsgans zurück sein möchte, spare ich mir (schöner zu laufende) Umwege über die Feld- und Waldwege der Märzenburg und folge stattdessen von Biessenhofen dem etwas monotonen Radweg neben der Bahnstrecke zurück nach Kaufbeuren. Hier ist Schritte zählen angesagt, um das Ganze nicht zu fad werden zu lassen. Nochmal kurz beissen – dann ist das Ding geschafft. Jippie!

Technische Daten:

  • Streckenlänge: ca. 44 km
  • Höhenmeter: 600
  • Zeit unterwegs: 4:55h
  • Laufzeit: 4:05h

Zu den GPS-Tracks:

Ich nutzte während es Laufs meinen Test-Forerunner 630 von Garmin. Tolle Laufuhr, keine Frage – doch leider für lange Läufe in der Kälte, bei denen man die Klamotten häufig wechselt und Rucksack/Laufweste häufig ab- und aufsetzt nur bedingt geeignet. Ich betätigte mehrmals versehentlich den Touchscreen, was dazu führte, dass der Gesamttrack in drei Einzeltracks zerhackt ist und mir zwei Kilometer völlig durch die Lappen gegangen sind. Für „harte“ Läufe lobe ich mir daher Uhren wie die Fenix 3 mit physischen Knöpfen.

Track 1/2/3:

Gelaufen mit:

  • Brooks Pure Grit 2
  • inov-8 Race Ultra Vest

 

 

 

 

 

 

 

Delpsjoch 1945m

Der kleine Nachbar des Schafreuter. 1040 HM vom Parkplatz im Rißbachtal, 2-2,5h.

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