Münchner Winterlaufserie 10k

Der Nikolauslauf am 05.12. war der Auftakt zur dreiteilligen Münchner Winterlaufserie 2015/16. Die klimafreundliche Anreise per Rad machte den Lauf zu einer konditionellen Herausforderung!

Alle reden vom Klimaschutz, und trotzdem fährt die Menschheit Auto, als ob es kein Morgen und keinen Klimawandel gäbe. Es liegt speziell an uns Sportlern und im Besonderen an den Radfahrern, für eine Minimierung des CO²- und Feinstaubaustoßes einzutreten, denn wir sind es, die den giftigen Qualm, den der Kfz-Verkehr verursacht, Tag für Tag inhalieren dürfen.

Mit diesen Gedanken schwinge ich mich um kurz nach 12 Uhr Mittags auf’s frisch reparierte Tourenrad und steuere den Münchner Olympiapark an. Gelebter Klimaschutz während des UN-Klimagipfels – was gibt es schöneres!

Teil 1: Anreise per Rad

Absurd warm ist es an diesem 5. Dezember, und ich muss sogar eine Schicht Oberbekleidung ablegen, um nicht zu sehr zu schwitzen… Auf dem Radweg Richtung Wolfratshausen ist heute reger Verkehr, erst auf der B11 Richtung Icking dünnen die Radler aus.

Ich hole aus meiner Nexus 8 Nabenschaltung raus, was ich kann, flitze den abwechslungsreichen Radweg über Hohenschäftlarn, Baierbrunn und Höllriegelskreuth nach Pullach und finde mich schließlich bei den Siemenswerken wieder. Altbekanntes Laufgelände aus meinen Münchner Jahren…

Zum Glück muss ich mich nicht zu sehr beeilen, denn der Startschuss zu den 10km knallt erst um 15 Uhr. So genieße ich ein wenig das Stadtflair, schwelge in Erinnerungen und zirkle durch Mittersendling. Bald habe ich Harras, Westpark und das Feierwerk passiert und begebe mich über die Donnersberger Brücke auf die Zielgerade zum Olympiapark. Zahlreiche Sportler in Läuferkluft machen auf das nahende Großereignis mit immerhin 1.700 Teilnehmern aufmerksam.

Schließlich erreiche ich nach knapp 50 km Radlstrecke das Olympiastadion und begebe mich nach Abholung der Startnummer gleich in den Umziehbereich, um vom Rad- in das Laufdress zu wechseln.

Teil 2: Der Lauf

Warmlaufen muss ich mich nicht, und so mache ich nur ein wenig Gymnastik, um die leicht vorbelasteten Muskeln auf die andersartige Belastung vorzubereiten.

Eigentlich bin ich der Annahme, ich hätte mich weit genug vorne eingeordnet. Als jedoch der Startschuss knallt, strömen so viele Läufer aus den beiden Starttoren auf die erste Rechtskurve zu, dass es zu einem Gerangel kommt, wie ich es selten bei einem Lauf erlebt habe…Adrenalin liegt in der Luft!

Nach 200 Metern habe ich mich jedoch freigelaufen und erschrecke direkt, als ich auf den (für mich) absurd hohen Schnitt von 3:30 min/h aufmerksam werde, den mir mein Test-Forerunner 630 meldet. Der übliche übermotivierte erste Kilometer…

Die 5km-Runde um den Olympiasee mit Abstecher zum Radstadion, die es heute zweimal zu durchlaufen gilt, zeigt sich einmal wieder von ihrer kurzweiligen Seite. Dieses Jahr wurde sie leicht modifiziert und um einen Mini-Anstieg erweitert. Nach rund 19 Minuten bin ich das erste Mal durch und merke langsam, dass ich heute schon 50 zügig gefahrene Radkilometer in den Haxn habe. Also Zähne zusammenbeissen!

Die finalen 2 km werden zu einem echten Kraftakt, und nach 38:55 min laufe ich glücklich im Ziel ein und gleich durch zum Tee im Verpflegungsbereich und weiter unter die warme Dusche, die ich heute besonders genieße. Mit dieser Zeit bin ich nach der „Radbelastung“ sehr zufrieden, schließlich war das heute ein Experiment!

Teil 3: Zurück nach Hause

Es dämmert, als ich mich um 16:30 Uhr wieder auf’s Rad Richtung Heimat schwinge. Bald habe ich den Olympiapark hinter mir gelassen, passiere die Donnersberger Brücke Richtung Süden, lasse den betriebsamen Harras hinter mir und fahre Richtung Pullach. Was mir als „Landei“ massiv auffält: Diese Ampeln! Ich hatte schon ganz vergessen, wie sehr sie einen in der Stadt ausbremsen und nerven. Echt zum Abgewöhnen…..von traumhaften Rad-Zuständen wie in Kopenhagen ist München noch Lichtjahre entfernt. Der Vorrang, der Autos nach wie vor eingeräumt wird, ist für Radler schlicht frustrierend. Immerhin, an kleinen Details wird gefeilt, so zum Beispiel am Radweg auf der Trasse der ehemaligen Isartalbahn zwischen Thalkirchen und Solln, wo ein ärgerlicher „Ausbremser“, die Einmündung auf die Heilmannstraße, endlich beseitigt wurde.

Die Temperatur bewegt sich rasant Richtung 0°C-Grenze, und nach 17,5 Kilometern beschließe ich von Höllriegelskreuth bis nach Wolfratshausen die S-Bahn zu nutzen. Auf der 20-minütigen Fahrt schlafe ich fast ein und kann die Beine soweit erholen, dass sich die finalen 12,5 km von WOR nach Hause fast wie von selbst radeln.

Fazit:

  • schöner erster Lauf der Münchner WLS mit perfekter Orga
  • im Winter per Rad an- und abzureisen verleiht dem Lauf eine besondere Würze
  • in Sachen Radfahren vermisse ich München kein bisschen
  • Leute, lasst’s ab und an einfach mal die Autos stehen

Hier die Tracks:

 

 

 

 

Gipfelbiwak auf dem Hochmiesing

Der Hochmiesing bei Bayrischzell eignet sich aufgrund der isolierten, aussichtsreichen Lage und des flachen Gipfelaufbaus perfekt als Biwakplatz. Nachdem ich bei der Premiere vor zwei Jahren alleine unterwegs war, ging es dieses Mal mit meinem Bruder bei zauberhafter Hochnebelstimmung auf den 1883 Meter hohen Voralpenberg.

Ein freitäglicher Feierabend der besonderen Art. Heute mal nicht Sofa und häuslicher Komfort, sondern Biwaksack und Schlafsack auf dem Hochmiesing. Entsprechend groß ist die Vorfreude, denn als alter Pfadfinder muss man dem Ruf der Wildnis ab und zu folgen, damit die zivilisatorische Prägung nicht Überhand nimmt…

Los geht’s mit dem MTB im völlig vernebelten, stockfinsteren Geitau. Unsere Lampen schneiden helle Kegel in’s graue Nichts, zum Glück kenne ich das Eck inzwischen ganz gut und wir finden den Weg, ohne einmal auf die Karte zu schauen. Allein Waldarbeiten inklusiver querliegender Bäume sorgen für Verwirrung.

Der Fahrweg windet sich durch den steilen Hangwald, wir sind schnell am Anschlag. Nach einigen knackig steilen Rampen klart es schließlich auf. Ab 1300 Meter Seehöhe sind erste Sterne zu erkennen, dann „geht der Mond auf“. Was für eine Optik!!! Bei dem Ausblick, der sich Richtung Wendelstein öffnet, bleibt uns die Luft weg. Wie ein gigantisches Schiff mit Beibooten liegen Wendelstein und Trabanten im Hochnebelmeer, darüber der unendlich weite Sternenhimmel und der Mond. Doch zum Schauen und Staunen bleibt wenig Zeit, der Weg hinauf in den Kessel unter der Rotwand verlangt weiterhin nach koordinierter Haxnkraft und außerdem wollen wir zügig auf den Gipfel.

Um viertel vor neun kommen wir an der Kleintiefentalalm an und starten bzw. schieben gleich durch zum Miesingsattel, wo wir die Radln hinter ein paar Latschen verstecken. Nun sind es nur noch knapp 200 Höhenmeter einen harmlosen Latschensteig hinauf zum Gipfel, den wir exakt zwei Stunden nach dem Aufbruch in Geitau erreichen. Dort stehen erstmal und staunen erneut l- der Ausblick ist einfach zauberhaft. Man kommt sich vor wie in einem Paralleluniversum…das Flachland versinkt in der Suppe, um uns nur die herausspitzenden Berge. Nach etlichen Fotos und Momenten echter Rührung bequemen wir uns schließlich gegen 22 Uhr in unsere Biwaksäcke und verbringen eine etwas windige, aber trotzdem geruhsame Nacht unter dem Sternenhimmel.

Um 5:30 Uhr schrecke ich hoch. Direkt neben meinem Ohr hat etwas geraschelt! Im Dämmerlich erkenne ich gerade noch, wie ein Fuchs im flauschigen Winterfell unser „Frühstück“, einen Mohnkuchen, wegzerrt und zwischen den Latschen verschwindet. So ein Gauner! Ich renne ihm noch strumpfsockert hinterher, doch Fuchs und Kuchen sind schon im Latschendickicht verschwunden….Zefix!

So fällt unser Frühstück etwas karg aus – immerhin haben wir genug Riegel, ein kleines Müsli und Instant-Kaffee dabei. Und dann noch der Sonnenaufgang, der für alles entschädigt. Die Sonne steigt hinter dem Kaiser empor, taucht die Bergwelt in herbstlich gedämpftes Morgenlicht. Wir stehen einfach nur mit dampfender Kaffeetasse am Gipfelkreuz und lassen uns von den Sonnenstrahlen berauschen..

Gegen viertel nach sieben nehmen wir schon wieder Abschied vom Miesinggipfel, steigen hinunter zu den Rädern und, weil wir so hochmotiviert sind, in hurtigen 20 Minuten auf der anderen Seite wieder hinauf auf den Rotwandgipfel, den wir ebenfalls ganz für uns alleine haben. Kurz in die Runde geschaut, und schon geht es den anregend steilen „Kriegersteig“ wieder zurück zu den Rädern und die Ostseite des Miesingsattels hinab zur Großtiefentalalm.

Die folgende Abfahrt lässt sich durchaus unter dem Überbegriff „rasant“ zusammenfassen. Am Soinsee schießen wir noch ein paar Fotos, unterhalten uns an einer Alm kurz mit dem Senn, weichen ersten Wanderern und Mountainbikern aus und erreichen durch morgendlich eingenebelten Wald um kurz nach neun Uhr morgens wieder unseren Ausgangspunkt in Geitau. Fazit: Mit unbedingtem Wiederholungscharakter!

Fockenstein by fair Means

Die erste Oktoberhälfte zeigt sich grau in grau. Mangels schönem Wetter muss man eben schöne Lauf-Aktionen starten – zum Beispiel den 1564 Meter hohen Fockenstein von zu Hause belaufen.

Wieder einmal ist der Badepark in Bad Wiessee das endgültige Ziel und die Aussicht, dort meine Frau und meine Tochter zu treffen, die Hauptmotivation. Anstatt aber wie bei den letzten beiden Wiessee-Läufen über Gaißach und Marienstein an den Tegernsee zu gelangen, will ich heute die „hochalpine Variante“ über den Fockenstein unter die Sohlen nehmen.

Los geht’s wie schon so oft über die nie langweilig werdende Route via Hinterrothenrain, Fischbachmühle und an Vogelsang vorbei Richtung Tölz. Die Wolken hängen tief, hüllen den Wald in ein geisterhaftes Gewand. Die Kälte reduziert die Zahl der Spaziergänger auf einige wenige, erst in Tölz an der Isarlände begegnen mir eine Handvoll Gassigeher…

Das erste Mal biege ich in Tölz nicht nach links Richtung Marktstraße und Gaißach ab, sondern verharre auf dem Wanderweg Richtung Lenggries, den ich vom Tölzer Isarlauf gut kenne. Immerhin ein Läufer begegnet mir bis Schlegldorf, wo ich nach rund 17 Kilometern eine Pause einlege und mir die weitere Route auf der Karte einpräge. Die Sonne kommt raus und ich genieße die wärmenden Strahlen, denn das Thermometer kratzt heute Vormittag gerade mal an der 5° Grad-Marke.

Wenig später habe ich schon die Isar über- und die Schnellstraße unterquert und befinde ich mich auf kleineren Pfaden, die Obergries mit Lenggries verbinden. Die Sonne hat einige Spaziergänger aus ihren Häusern gelockt und ich freue mich direkt, nicht mehr ganz so alleine unterwegs zu sein!

Am Steinbach angekommen schlage ich einen kleinen Haken nach Osten und laufe schließlich in einem Bogen an einem riesigen Pferdegestüt vorbei über einen Feldweg zum Trattenbach, dem ich am südlichen Ufer bergauf folge. Langsam wird’s ernst! An der Wegkreuzung mit dem Fahrweg zur Denkalm rüste ich auf dünnere Bekleidung um, denn jetzt geht’s zur Sache.

Der Nordwestanstieg Richtung Fockenstein/Geierstein ist Neuland für mich. Steil geht es einen stark erodierten Waldpfad hinauf, immerhin kann ich bis zum Punkt 1313 auf der Karte ungefähr 80 Prozent laufen. Nur ganz zum Schluß machen mir die steilen Wurzelstufen derart zu schaffen, dass ich gehen muss…

Nasskalt ist es hier oben, Nebel wabert über Nassschneeresten. Ich versuche, die Körpertemperatur zu halten und mache nur eine kurze Gel-Pause. Auf dem abwechslungsreichen Weiterweg hinüber zum Fockenstein merke ich jedoch den hohen Energieverbrauch, zudem habe ich einfach nicht genug zum Essen eingepackt. So wechsle ich zwischen Laufen und Gehen hin- und her und verliere ganz ordentlich Zeit – schließlich wollte ich eigentlich spätestens um 12 in Bad Wiessee ankommen.

Der 1564 Meter hohe Gipfel des Fockenstein liegt heute verlassen da und ich halte mich nur kurz auf, auf dem Weg hinab zur Aueralm kommen mir schließlich ein paar Wanderer entgegen. Auf den Fahrwegen geht es endlich wieder schneller vorwärts, glitschiger Lehm hat mich am Gipfelaufbau ordentlich ausgebremst. An der Aueralm vorbei will ich eigentlich die Route über den Sonnenbichl nehmen, lasse mich aber von einem Schild abschrecken, das in dieser Richtung eine Sackgasse prophezeit. Vor drei Jahren kam man doch hier noch durch?!!?

Also laufe ich etwas verdattert die Standardauffahrt zur Aueralm hinunter in’s Söllbachtal und werde schließlich an der Hauptstraße Richtung Wiessee ausgespuckt, der ich die finalen Kilometer bis ins Ortszentrum folge. Am Ende bin ich eine ganze Stunde später dran als geplant aber trotzdem glücklich, diese ca. 36 Kilometer lange Strecke mit 1100 Höhenmetern ohne größere Einbrüche bewältigt zu haben….jetzt aber nichts wie ab in’s warme Wasser! 🙂

Hier der Link zum (etwas fehlerhaften) GPS-Track:

https://connect.garmin.com/modern/activity/931128022

Gelaufen mit:

Raiffeisen Oberland Challenge (ROC) – Mooshamer Waldlauf und Wolfratshauser Stadtlauf

FINALE! Mit dem Mooshamer Waldlauf (8km) und dem Wolfratshauser Stadtlauf (10 km) geht meine erste Teilnahme an der zehnteiligen Raiffeisen Oberland Challenge (ROC) 2015 durchaus erfolgreich zu Ende. Fazit: Nächstes Jahr wieder!

Samstag, 26.09.2015, Mooshamer Waldlauf. Irgendwie habe ich heute keine rechte Lust auf Laufen. Jedenfalls habe ich das (trügerische) Gefühl, dass es heute mit einem guten Platz nicht klappen wird. Umso überraschter bin ich, als sich der Mooshamer Waldlauf (der dieses Jahr zum vierzigsten Mal stattfindet) nach dem Startschuß als echtes ROC-Schmankerl entpuppt und soviel Schmalz in den Haxn ist, dass die beiden abwechslungsreichen 4 km-Runden wie im Flug vergehen..

Nach dem Start auf der freien Wiese sortiert sich das Feld schnell. Ich reihe mich hinter einem flinken Läufer der LG Tölzer Land ein, den ich sogar nach circa zwei Kilometern abhängen kann. Es wird fleißig taktiert, Grüppchen bilden sich, lösen sich wieder auf – und nach dem ersten „Durchlauf“ sehe ich mich plötzlich in der glücklichen Position, einen der schnellsten Läufer des SC Moosham in meinem Nacken zu wissen. Es ergibt sich eine „zielführende“ Mischung aus angespornt fühlen und mitziehen, und so laufen wir im Schlepptau die zweite 4 km-Runde gemeinsam. Feldwege, Pfadabschnitte, Forststraßen und der Rand eines abgeernteten Feldes – langweilig wird’s nicht, zudem warten pro Runde ca. 70 Höhenmeter auf die inzwischen laufhungrigen Beine.

Zum Ziel hin zieht der Mann vom SC Moosham an mir vorbei und ich kann meine mehr als 80 kg nicht mehr an ihn heranwuchten. Am Ende reicht’s aber mit einer 31:10 min für den vierten Platz in der AK und den elften (wenn ich richtig gerechnet habe) in der Gesamtwertung. Viel stolzer bin ich jedoch darauf, den durchaus kniffligen Kurs mit einem km-Schnitt von unter 4 min gelaufen zu sein. Hätte ich heute wirklich niemals gedacht! Fazit: Hirn ausschalten und die Beine einfach machen lassen macht beim Laufen echt viel aus!

Gelaufen mit:

Wolfratshauser Stadtlauf – zehnter und letzter Lauf der ROC 2015

Vier Runden von je 2,5 Kilometer durch die Wolfratshauser Innenstadt – der Blick auf den Streckenplan des Wolfratshauser Stadtlaufs lässt einen kurzweiligen, abwechslungsreichen Lauf erwarten. Ich kenne jeden Meter – allerdings nicht, weil ich hier schon einmal mitgelaufen wäre, sondern weil ich meine MS-kranke Mutter, die im AWO-Pflegeheim in Wolfratshausen untergebracht war, unzählige Male im Rollstuhl über die Wege der Loisachstadt geschoben habe, die heute belaufen werden. Ich will den heutigen Lauf und meine erste ROC-Teilnahme daher auch meiner Mutter widmen, die vor 16 Jahren an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben ist.

Nasskalt präsentiert sich der Wolfratshauser Marienplatz am Rennsonntag. Ich hab‘ mich zu weit hinten eingereiht und muss mich nach dem Startschuss ein wenig nach vorne durchmogeln. Wenn man unter die Top 15 läuft, sollte man sich auch unter den Top 15 am Start einreihen. Andererseits fördert Überholen ja die Kampfmoral…

Mit einem wechselhaften Gefühl im Bauch suche ich mir eine Gruppe, der ich gerade noch folgen kann. Überdrehe ich? Oder kann ich das Tempo um die 3:40 min/km einigermaßen durchziehen? Der Kurs ist wie erwartet schön und vor allem unübersichtlich, was mir sehr entgegenkommt, denn ewig lange Geraden mag ich nicht so gerne. Zudem herrscht an der Strecke eine tolle Stimmung und die Sonne verjagt die Wolken. Nach der ersten 2,5 km-Runde ist die Überraschung groß, als ich auf die Uhr blicke: erst 9 Minuten sind durch! Wenn ich das auch nur einigermaßen durchziehen kann, könnte eine neue persönliche Bestleistung im 10 km-Wettkampf herausspringen (die bei 38:33 Minuten beim Geretsrieder Stadtlauf 2015 liegt).

Ich kann in den folgenden drei Runden meine Position super verteidigen, hänge sogar ein paar Läufer ab, lasse mich kaum überholen und laufe schließlich nach einer doch recht anstrengenden vierten Runde als Dritter in der AK und 13. in der Gesamtwertung nach 37 Minuten und 26 Sekunden im Ziel ein. Das bedeutet eine neue PB und, wenn ich richtig gerechnet habe, den dritten Platz in der Altersklasse in der Gesamtwertung der Raiffeisen Oberland Challenge bei meiner ersten Teilnahme. Jippie, was für ein Auftakt!

Gelaufen mit:

ROC 2015 – Gaißacher Berglauf und Tölzer Isarlauf

Langsam aber sicher neigt sich die Raiffeisen Oberland Challenge 2015 dem Ende zu. Mit dem Gaißacher Berglauf und dem Tölzer Isarlauf gingen die letzten beiden Läufe der Wertungsklasse „Extrem“ über die Bühne.

Nervös stehe ich am Start des Gaißacher Berglaufs. Der Start wurde um wenige Minuten nach hinten verschoben, das Adrenalin ist in der Zwischenzeit wieder in den Keller gegangen und das Kribbeln in den Fingern lässt nach. Dafür, dass ich nur fünf Minuten vor dem regulären Start leicht gehetzt meine Startnummer abgeholt habe, ist jetzt viel Zeit zum Gedanken schweifen lassen und andere Läufer mustern…

Das wechselhafte Wetter der letzten Wochen verleitet die einen zum extrem sparsamen Dress, wohingegen andere dick eingemummelt mit langer Bekleidung, Halstuch und Mütze starten. Es ist auch wirklich schwierig heute die richtige Klamottenwahl zu treffen – auf der anderen Seite kann man bei 480 Höhenmetern und nicht einmal fünf Kilometern auch nicht viel falsch machen.

Klein, aber knackig

Endlich geht es los! Keine Ahnung, wie es heute laufen wird. Der 52 km lange Karwendelmarsch ist erst vor eine Woche über die Bühne gegangen, zudem habe ich die ganze Woche kein bisschen Sport gemacht. Ich befinde mich quasi im Standby-Modus und so fühle ich mich auch. Mitmachen ist alles!

Zu Beginn geht es hurtig mit unter 4 min/km los, beim ersten Anstieg sortiert sich das Feld. Ich kann in etwa die Position halten, überhole am Anfang fleißig, werde dann aber auch ebenso fleißig überholt. Es ist meine erste Teilnahme am Gaißacher Berglauf, und an die Strecke kann ich mich trotz gelegentlicher Bewanderung kaum erinnern – bis auf den obersten Teil im Bereich der Abzweigung zur Sunntratn.

An den steileren Rampen kann ich das Idealtempo nicht ganz halten und habe ständig das Gefühl, dass da auch mehr drin wäre. Die Lunge fühlt sich leicht belegt an, den vollen Durchzug habe ich heute nicht. Aber egal, gegen Ende hin kann ich sogar noch ein paar Plätze gutmachen und laufe nach respektablen 25 Minuten und 25 Sekunden an der Schwaigeralm durch’s Ziel und direkt zum heißen Tee, denn heute ist es ganz schön zugig da heroben. Ergebnis: ein nicht ganz glücklich machender zwölfter Platz in der AK und ein ebenfalls nicht ganz zufriedenstellender 34. Gesamtrang. Aber was soll’s – es war die erste Teilnahme, und es gibt nichts Dankbareres als Zeiten, die man noch verbessern kann!

Gelaufen mit:

Tölzer Isarlauf 2015

Eine Woche später ist mal wieder Zeit für einen Halbmarathon! Ausnahmsweise ist es der einzige, an dem ich dieses Jahr (zumindest im Wettkampfmodus) teilnehme. Meine Schwester und mein Bruder sind auch mit von der Partie – Familientreffen auf der Hausstrecke!

Das Ziel: Irgendwas zwischen 1:24 h und 1:27 h. Eine neue HM-Rekordzeit steht heute nicht zur Diskussion. Dafür müsste ich schneller laufen als meine 1:24:19 h vom Isarlauf 2013 – und dafür habe ich diese Saison einfach zu wenig hohe Geschwindigkeiten trainiert. Die erste Hälfte bis zur Lenggrieser Isarbrücke geht jedoch recht locker von der Hand – pardon, vom Fuß. Ich kann recht easy einen 4er Kilometerschnitt halten und durchlaufe die 10 km – Marke bei exakt 40 Minuten.

Geschwister im Ziel!
Geschwister im Ziel!

Die schnelle Vierergruppe, die ich über mehrere Kilometer bis zur Isarbrücke gezogen habe, muss ich leider ab der Verpflegungstelle bei Kilometer 11 ziehen lassen. Die Jungs haben ihre Hausaufgaben gemacht, ich nicht. Das rächt sich nun, denn ich kann nur noch 4:15er Schnitte und schlechter einfahren.

Dann kommen die knüppelharten Kilometer zwischen Kilometer zwölf und 18, die bei mir jedes Jahr wieder dern Knackpunkt des Tölzer Isarlaufs darstellen. Die Strecke mag zwar landschaftlich schön sein, trotzdem liegen mir verwinkelte Kurse wie der des Münchner Stadtlaufs eher als die langen Psycho-Geraden in den Isarauen.

Zum Glück überholen mich auf dem Rückweg nach Tölz nur noch magere zwei Läufer (verhältnismäßig schwaches Teilnehmerfeld dieses Jahr?!?) und ich kann als Gesamt-Vierzehnter und einer 1:27:07 h ganz zufrieden sein.

Gelaufen mit:

Mehr Infos zur ROC gibt es hier:

http://oberland-challenge.de/

Ein Tag in der Rieserfernergruppe

Eigentlich hätte es auf den Schneebigen Nock (3359 m) in der Südtiroler Rieserfernergruppe gehen sollen. Der viele Neuschnee und das wechselhafte Wetter bremsten mich jedoch rund 30 Höhenmeter unter dem Gipfel aus. Zum Glück ist auf dem Gipfel stehen nicht alles und die Rieserfernergruppe zeigte sich trotz (oder gerade wegen) gelegentlicher Schneeschauer von ihrer fotogensten Seite!

Rein in Taufers, halb acht Uhr morgens. Ich starte mit leichtem Gepäck Richtung Kasseler Hütte. Wegen des „späten“ Aufbruchs nehme die die Füße in die Hand und stehe bereits eine gute Stunde nach dem Start vor der heute recht einsamen Hütte. Nur der Hüttenwirt ist da, keine Übernachtungsgäste, niemand….

Einen Kaffee später stiefle ich bereits den Weg Richtung Malersee hinauf. Beinahe hätte ich mich verstiegen, meiner Kompass-Karte sei Dank. Habe ich bereits erwähnt, dass eigentlich alle Kompass-Karten in den Papiermüll gehören? Falsche Höhenangaben, falsche Wegverläufe…aber ich bin ja selbst schuld. Tabacco hätte es sicher besser gewusst und der Hüttenwirt wies mich lautstark von unten auf die richtige Route.

Eine Bachschlucht querend geht es langsam steiler werdend in das breite Hochtal, das einst das Schneebige-Nock-Kees zierte. Von ihm ist nur Toteis, ein beeindruckender Gletschersee und ein kleiner Rest oberhalb einer Geländekante geblieben. Sah es in der Früh noch nach Aufklarung aus, pressen nun Schlechtwetterreste über den Hauptkamm und hüllen die Rieserfernergruppe in gespenstisch wirkende Schneeschauer.

Hinauf in die Einsamkeit

Ich lasse die Abzweigung zum Malersee rechts liegen und steige steil die alte Randmoräne das Hochtal hinauf. Ab 2700 Metern herrscht eine geschlossene Schneedecke und ich lege so gut als möglich eine schöne Spur durch das grobe Blockgelände. Hie und da verliere ich die Markierungen völlig aus den Augen und verbringe einige Zeit mit der Routenfindung. Nachdem sich die Sonne jedoch einige Male durch die Wolkendecke bohrt bin ich guter Dinge. Zudem soll der „Schneebige“ ja ein recht einfacher Dreitausender sein…

Eine Scharte wird durchschritten, ich habe die 3000 Meter-Grenze hinter mir gelassen. Groberes Blockwerk verlangt den sicheren Tritt, eine kurze seilversicherte Passage entschärft eine leicht ausgesetzte und heute etwas rutschige Stelle. Wieder setzt dichtes Schneetreiben ein, ein strenger Wind pfeift von Norden her und nimmt mir zeitweise die Luft.

Schließlich neigt sich das Gelände zurück, an einem großen Steinmann vorbei erreiche ich die Stelle, wo noch bis vor kurzem der Rest des Schneebigen Nock-Kees gequert werden musste. Die Steigeisen bleiben jedoch im Rucksack, denn trotz der ca. 15 Zentimeter hohen Schneeauflage ist gut zu erkennen, dass man hier inzwischen völlig gletscherfrei zum Gipfelrücken des Nocks queren kann…tempora mutantur.

Umdrehen will gelernt sein

Nun geht es Richtung Ostansatz des Gipfelrückens, wo glücklicherweise ein kleines Fähnchen im Wind auf die richtige Ausfstiegsroute aufmerksam macht. Ich quere vom Gletscher völlig plattgeschliffene, rutschige Platten und hangle mich schließlich hinauf zu den letzten Aufschwüngen in Richtung Gipfel.

Wolken und Sturmböen machen das Vorankommen mühsam, ich verliere jedoch (noch) nicht den Mut und taste mich langsam vor. Eine kleine Verschneidung wird gequert, schließlich stehe ich an einer „Schlüsselstelle“ unter den Gipfelfelsen. Eine etwas schmalerer Gratabschnitt muss passiert werden, ein Ausrutschen hätte unangenehme Folgen. Bei trockenen Verhältnissen, Windstille und „motivierendem“ Wetter ist das wahrscheinlich kein Problem, heute entscheide ich mich jedoch zur Umkehr. Zwar könnte ich noch die Steigeisen anlegen – auf der anderen Seite ist es aber völlig egal, ob ich bei Null Sicht auf dem Gipfel sitze und dafür ein gewisses Risiko in Kauf nehmen muss oder 30 Höhenmeter unterhalb bei Null Sicht umdrehe und dafür eine risikofreie Tour habe…

Also nichts wie wieder runter vom Berg zur Kasseler Hütte, die ich bereits um 13 Uhr erreiche. Nach einem weiteren Kaffee samt Apfelstrudel (sehr empfehlenswert!) entschließe ich mich, noch den Arthur-Hartdegen-Höhenweg Richtung Ursprungtal und Lenkstein zu gehen. Vielleicht ergibt sich ja noch ein „Absackergipfel“. Das Wetter hat sich deutlich gebessert, Hochgall und Konsorten präsentieren ihr eingeschneites Antlitz in frühwinterlicher Pracht. Der Höhenweg ist ein echter Traum, quert Gletscherschliffe hier und Bächlein da und bietet abwechslungsreiche Blicke in alle Richtungen.

Weg mit Ausblick

Während ich so unterwegs bin spiele ich mit dem Gedanken, dem 3236 Meter hohen Lenkstein noch einen Besuch abzustatten. Als ich jedoch bei der Abzweigung des Weges in der Nähe der Ursprungalm feststellen muss, dass Richtung Lenksteinjoch heute niemand unterwegs war, ist mir das 800 Höhenmeter-Unterfangen (samt erneuter Spurarbeit) einfach zuviel. Stattdessen folge ich weiter dem Höhenweg, der das gesamte Bachertal auf einer Höhe zwischen 2200 und 2400 Meter umrundet.

Hier mangelt es nicht an Impressionen und schönen Wegabschnitten. Zwar ist der Gipfel „meines“ Schneebigen Nock immer noch in Wolken, Hochgall, Wildgall, Magerstein und viele andere 3000er hat der Wind jedoch freigeblasen. Ich komme aus dem Schauen und Fotografieren gar nicht mehr raus!

Weidende Kühe, ein einsamer Esel, plätschernde Bachläufe, kleine sumpfige Tümpel und der bezaubernde Ausblick – auf solchen Höhenwegen fühlt sich die Seele wohl. Fast wünsche ich mir, ich wäre mehere Tage unterwegs. Bei einer Alm unterhalte ich mich kurz mit dem Senn. Nur noch drei Tage sind die Kühe hier heroben auf gut 2200 Metern, dann ist Abtrieb und Saisonende.

Zum Schluß geht es einen abwechslungsreichen Pfad durch wilden Zirbenwald hinab nach Rein in Taufers. Beinahe leiste ich mir am Ende noch einen Verhauer, lande aber nach gut zehn Stunden in den Bergschuhen dann doch im örtlichen Gasthaus bei einer großen Ladung Spaghetti!

Technische Daten (inkl. Abstecher Richtung Lenkstein):

  • Länge ca. 30 Kilometer
  • Höhenmeter ca. 2400
  • Ausgangspunkt Rein in Taufers (1538 Meter)
  • Höchster erreichter Punkt ca. 3320 Meter am Schneebigen Nock (3359 Meter)

Unterkunftsmöglichkeit: Kasseler Hütte

Karwendelmarsch 2015 – Am Ende alles gut

Jubiläum! Dieses Jahr ging meine fünfte Teilnahme am Karwendelmarsch über die Bühne. Eigentlich wollte ich auf der 52 km langen Strecke meine bisherige Bestzeit von 5:15 Stunden aus dem Jahr 2012 knacken. Doch es kam wieder einmal alles anders.

Um vier Uhr klingelt der Wecker, doch ich liege sowieso schon wach. Der fast volle Mond hat die Nacht im Biwaksack zu einer recht seichten gemacht. Immerhin – das Wetter scheint es diesmal recht gut mit den Läufern zu meinen.

Nach Kaffee vom Kocher, Frühstücksbrei und Banane gehe ich mit Hauke, der die Nacht mit mir unter den Sternen verbracht hat, in zwanzig Minuten zum Startbereich des Ultra-Marathons in Scharnitz. Unterwegs treffen wir weitere Freunde, plaudern ein wenig, holen die Startunterlagen und geben das Gepäck für den Transfer nach Pertisau ab.

Karwendelmarsch – ein Trail-Ultra?

Der Startplatz ist heute aufgrund des verlegten Starts deutlich größer, das Gedränge hält sich daher in Grenzen. Um Punkt sechs Uhr wird die wilde Meute auf das Karwendeltal losgelassen.Auf geht’s Richtung Achensee, für mich ist es bereits das fünfte Mal.

Ich überhole ein paar Läufer und pendle mich schließlich bei km-Schnitten um die 4:30 min/km ein. Für einen Trail-Ultra recht schnell – aber der Karwendelmarsch hat im Grunde nicht besonders viel mit Trail zu tun. Ein Gutteil der Strecke verläuft auf Fahrstraßen  – speziell vom Start weg und zum Ziel hin. Zum Schluß werden sogar fast 7 Kilometer auf Teer zurückgelegt, was man stets im Hinterkopf behalten sollte. Dazwischen gibt es jedoch einige Trail-Abschnitte, der Steilanstieg zum Binssattel hat schon so manchen überambitionierten Läufer in die Schranken verwiesen.

Das Karwendeltal bis zum Karwendelhaus vergehen wie im Rausch. Die Körperdrogerie ist auf Touren, ich halte die Position, überhole sogar ein wenig, überhole sogar den Bene Böhm von Dynafit. Doch für wie lange?

Hochgefühle zwischen Karwendelhaus und Falkenhütte

An der Labestation am Hochalmsattel ruft ein Bergwachtler den Läufern die Positionierungen zu. Nur eineinhalb Stunden haben wir von Scharnitz bis hierher gebraucht. Ich befinde mich auf Platz 12! Wie genial ist das denn! Dass es so gut klappt, hätte ich nie gedacht. Hoch motiviert nehme ich den Downhill zum kleinen Ahornboden unter die Füße. Die Saucony Nomad TR laufen sich etwas schwammig, doch nach etwa zwei Kilometern bergab habe ich mich daran gewöhnt und kann meinen Platz sehr gut behaupten, ja sogar souverän verteidigen. Trotzdem ist der ausgewaschene Fahrweg erneut eine Herausforderung, weil man stets gut darauf achten muss, wo man den Fuß hinsetzt. Bei hoher Geschwindigkeit hat man sich hier schnell eine Verstauchung eingefangen.

Fersengeld

An der Falkenhütte nehme ich Getränk, Banane und Riegel zu mir und den Schwung gleich mit in die schottrigen Abschnitte unter den Laliderer Wänden. Doch was ist das? Nach einem Kilometer verspüre ich an beiden Fersen ein Stechen, als ob ich spitze Steinchen eingesammelt hätte. Schnell anhalten, Schuh ausziehen, überprüfen, weiter geht’s. Das Stechen will jedoch nicht aufhören, daher nach einem Kilometer das gleiche Spielchen. Nichts zu finden. Mehr recht als schlecht mache ich mich schließlich auf den Downhill Richtung Eng und werde schon von rund 10 Läufern überholt – was ist da los??

Ab der Eng beginnt das Leid

Das Zwischenziel Engalmen und damit die 35 Kilometer-Marke erreiche ich immerhin nach 3 Stunden und 9 Minuten – nicht schlecht im Vergleich zu den letzten Teilnahmen. Das sollte doch eigentlich klappen mit einer Zeit unter 5h 15min?!

Doch irgendwie soll es heute (wieder) nicht sein mit der neuen persönlichen Bestmarke. Mein Schuh macht mir weiter zu schaffen – an der linken und an rechten Ferse fühlt es sich an, als hätte ich mir Reißzwecken reingerammt. Ich schone daher ein wenig die Füße und gehe langsam hinauf zur Binsalm, stecke die Haxn sogar kurz vor der Alm zur Kühlung in den Bach und gönne mir an der Labestation drei Becher Hollerschorle.

Mit den Füßen wird und wird es jedoch nicht besser, und die beißende Hitze macht mir hinauf zum Binssattel ebenfalls ordentlich zu schaffen. Ein echtes Martyrium beginnt. Spätestens ab der Abzweigung vom Weg zum Lamsenjoch zu den steilen Kehren spiele ich mit dem Gedanken, den Karwendelmarsch abzubrechen.

Am 1903 Meter hohen Sattel angekommen, versuche ich wieder ein wenig zu laufen, aber es will einfach nicht gehen. Nicht nur die Füße, auch die Psyche rebelliert. Der Gramai-Alm Hochleger kommt daher wie gerufen, und ich saufe ganze 9 Becher Hollerschorle weg…

Noch bin ich der Illusion erlegen, dass es sich mit der Bestzeit auf wundersame Weise ausgehen könnte. Doch die Steilstücke hinab ins Falzthurntal muss ich ebenfalls im Gehtempo absolvieren, meine Fersen schmerzen nach wie vor wie nach Nadelstichen.

Erst vor der Querung des großen Bachgrabens, wo ich mir eine ordentliche Portion Wasser über den Kopf laufen lasse, probiere ich es mit dem Laufen, und langsam komme ich wieder rein. Nach mehr als 50 Läufern, die mich überholt haben, kann ich endlich, endlich, endlich wieder meine Position halten!

Am Gramai-Niederleger gibt es wieder Flüssigkeitsnachschub, dann beginnen die finalen 9 Kilometer, die ich mir im Kopf in 3×3 km einteile. Drei kleine mickrige Happen – das schaffe ich auch noch!

Wenigstens unter sechs Stunden

Am letzten Verpflegungspunkt frage ich nach der Uhrzeit. „11 Uhr 17!“, ruft jemand. Damit ist klar – das wird zwar eine ganz akzeptable Zeit, aber weit von dem entfernt, was ich mir erträumt habe. Trotzdem gebe ich nochmal alles und fahre ganz anständige Kilometerschnitte ein.

Wie immer ziehen sich die finalen zwei Kilometer in Pertisau wie Kaugummi in die Länge. Entsprechend froh bin ich, als die knapp 52 Kilometer und 2300 Höhenmeter des diesjährigen Karwendelmarschs nach rund 5 Stunden und 39 Minuten bei großer Hitze zu Ende gehen.

Vorsätze und Denkanstöße

  • ohne Wasserrucksack zu laufen, war in meinem Fall bei den Temperaturen (bis um die 30 Grad) dieses Jahr ein Fehler
  • nach fünf Karwendelmarschteilnahmen in Folge setze ich nächstes Jahr (vielleicht) einmal aus
  • der KWM ist und bleibt ein hervorragend organisierter Lauf mit einer großartigen Berg- und Publikumskulisse
  • wenn ein Schuh auf Strecken bis 30 Kilometer Länge super funktioniert heißt das noch lange nicht, dass es auf 52 km auch so ist
  • wenn es bis 35 Kilometer ausgezeichnet läuft, kann auch danach noch ein totales Motivationsloch kommen
  • Durchbeissen lohnt sich immer, auch wenn man zwischendurch meint, es geht gar nichts mehr

Hier geht es zum GPS-Track (meine Garmin FENIX 3 hatte einige Aussetzer, daher die abweichende Zielzeit):

http://connect.garmin.com/modern/activity/881905137/share/0?lang=Deutsch&t=1441045405321

Gelaufen mit:

  • Saucony Nomad TR
  • Arc’teryx Soleus Pant

Auf den Wilden Freiger

Der Wilde Freiger (3.418 m) ist einer der facettenreichsten 3000er in den Stubaiern Alpen in Tirol. Gletscher, Seen, Grate, mehr als vier Anstiegsmöglichkeiten – wir haben uns letztes Wochenende eine überaus schönes Set aus dem Freiger-Baukasten zusammengestellt.

Wilder Freiger, die dritte! War ich das erste Mal 1995 mit meiner Schwester und meinem Schwager von der Müllerhütte aus oben und habe die Tour das zweite Mal 2000 mit einem Alpenvereinskollegen von der Nürnberger Hütte aus gemacht, geht es heute wieder einmal mit meinem Cousin Martin und Gunther in’s Hochgebirge. Wir wollen den Freiger vom Stubaital aus angehen und an einem kleinen See oberhalb des Grünausees biwaken.

Los geht’s an der Ruetz

Parkplatz vor der Grawa-Alm, ca. 1.500 Meter Seehöhe. Um viertel nach elf Uhr ist alles gepackt, und wir wuchten unsere recht beeindruckenden Rucksäcke auf den Rücken. Eine Holzbrücke leitet uns über die Ruetz, danach geht es den WildeWasserWeg Richtung Grawa-Wasserfall hinauf. Erstaunlich, was hier heute los ist – und es wird bis zur Sulzenauhütte auch nicht weniger. Wanderer reiht sich an Wanderer, besonders viele Italiener sind unterwegs. Auf ein „Servus!“ folgt ein „Salve!“, irgendwann sind wir des Grüßens fast schon überdrüssig. An der Aussichtsplattform am Wasserfall genießen zahlreiche Erholungssuchende den Blick auf die beeindruckenden Wassermassen und lassen sich von der Gischt besprenkeln…

Wir halten jedoch nur kurz inne und nehmen nach dem Wasserfall scharf links den neu angelegten Weg hinauf Richtung Sulzenauhütte. Die Art und Weise, wie der aus zahlreichen Brettern und Bohlen durch den steilen Bergwald führende Weg angelegt wurde, gibt mir zu denken. Nachhaltig ist etwas anderes – die zum Teil recht filigran wirkenden „Bauteile“ müssen sicher oft ausgetauscht werden, zudem ist der Untergrund zum Teil von den vielen Wanderern schon übelst in Mitleidenschaft gezogen worden…Berg-Vermarktung und Umweltschutz sind zwei nahezu unvereinbare Größen. Doch ich will ja nichts sagen – denn auch wir profitieren heute von diesem Weg-Ungetüm.

Im Zickzack geht’s bergauf, wir schwitzen uns ordentlich einen ab und sind direkt froh, als wir auf den „alten“ Hüttenanstieg ausgespuckt werden, der uns hinauf in den wunderschönen Kessel der Sulzenaualm führt. An einem weiteren beeindruckenden Wasserfall vorbei zirkeln wir die unzähligen Kehren hinauf zur Sulzenauhütte (2191 m), wo wir uns nach den ersten knapp 700 Höhenmetern kurz vor 14 Uhr ein feines Mittagessen schmecken lassen und die Sonne genießen.

Aufstieg zum Biwakplatz

Nach kurzer Zeit zieht es uns jedoch weiter, und wir wandern entlang des Stubaier Höhenwegs hinüber Richtung Grünausee. Die Mägen haben ordentlich zu arbeiten, und so wird dieser Abschnitt eher zum Fresskoma-Spaziergang….

Vorbei am grünblau schimmernden Grünausee und zahlreichen Schafen steuern wird ein Gebiet mit kleineren Seen und Tümpeln an, wo wir auf ca. 2500 Meter Höhe ein nettes Plätzchen auf einem Hügel ausfindig machen, das Zelt aufstellen und eineinhalb Stunden in der Sonne vor uns hindösen.

Gegen 18 Uhr ringen wir uns zu einer kleinen Feierabendtour auf die Mairspitze (2775 Meter) durch, dem Hausberg der Nürnberger Hütte. Wellige Wiesenhänge und Schrofen querend erreichen wir ein weiteres Seengebiet, schließlich geht es in Kehren und über seilversicherte Schrofen hinauf zum Gipfel, der einen schönen Rundumblick mit Inntal-Tiefblick, Feuersteinen, Freiger, Zuckerhütl und Ruderhofspitze bietet. Leider befinden sich die meisten höheren Gipfel in Wolken…trotzdem genießen wir den Rundumblick in vollen Zügen und können uns nur aufgrund des wachsenden Hungers vom Ausblick trennen.

Hochtour ohne Seilbenutzung

Zurück beim Zelt gibt’s eine feine Abendmahlzeit (Reis&Gemüse) samt Nachspeise, wenig später verkriechen wir uns im Zelt bzw. in den Biwaksäcken. Die sternenklare Nacht wird durchbrochen von starken Windböen, die uns hin und wieder wachrütteln, trotzdem kommt jeder auf ein ausreichendes Pensum Schlaf. Als um fünf Uhr der Wecker klingelt, sind wir schnell wieder auf den Beinen – denn noch liegen rund 1.000 recht abwechslungsreiche Höhenmeter vor uns.

Nach Kaffee (Espresso aus der Espressomaschine!), Müsli und Kuchen geht es um viertel nach sechs auch schon los. Um den markierten Weg auf die Seescharte zu erreichen, müssen wir zunächst recht mühsam eine halbe Stunde lang einen steilen Blockhang queren – immerhin sparen wir uns dadurch mehr als 100 Höhenmeter. Dann geht es den kleinen, unscheinbaren Pfad hinauf Richtung Scharte. Unterwegs erspähen wir einen schönen Biwakplatz nach dem anderen, allerdings allesamt ohne „Wasseranschluss“. Vom kleinen Ferner kurz unterhalb der Scharte sind nur klägliche (Toteis)Reste geblieben, und schon nach einer Stunde stehen wir oben in der Seescharte auf 2762 Metern und lassen uns vom aufkommenden Nebel umwabern.

Durch Wolken zum Gipfel

Der Weg, der von der Nürnberger Hütte kommt, ist jedoch mehr als gut markiert. Trotz dichtem Nebel geht es daher zügig hinauf zum kleinen Selen-See und zur Abzweigung zum Gamsspitzl. Und siehe da – blauer Himmel! Hin und wieder reisst es auf und unsere Motivation steigt. Wir sind uns sicher, dass es mit dem Gipfel des Wilden Freiger heute klappen wird.

Über einen weiteren Gletscherrest erreichen wir einen felsdursetzten Steilhang, der uns hinauf zum Punkt 3.127m leitet. Das erste Mal erblicken wir andere Bergsteiger, die sich im Aufstieg Richtung Grüblferner und Signalgipfel befinden. Sie scheinen unentschlossen, denn oben Richtung Signalgipfel verschwinden alle Konturen in dichten Wolken.

Nach einer kleinen Stärkung kraxeln wir unbeirrt weiter hinauf. Zwei entgegenkommende Bergsteiger, die am Becherhaus aufgebrochen sind, berichten von einem problemlosen Anstieg, ein entgegenkommendes Pärchen hat jedoch angesichts des Nebels umgedreht. Schließlich betreten wir auf ca. 3.220 Metern den obersten Teil des Grüblferners. Seil, Gurt und Steigeisen lassen wir heute im Rucksack. Die Aufstiegsspur befindet sich sehr nah am Westrand des Gletschers, die Spaltengefahr ist gering, eine dünne Neuschneedecke hat die Oberfläche recht griffig gemacht.

Wir überholen im dichten Nebel eine größere Jugendgruppe aus Neustift und verlassen auf gut 3300 Metern den Gletscher wieder, um über harmloses Gehgelände und ein verfallenes Zollhüttchen den Gipfelgrat des Freiger knapp westlich des Signalgipfels (3392 Meter) zu betreten. Harmlose Kraxelei mit dem ein- oder anderen Tiefblick zum Übeltalferner auf der Südtiroler Seite leitet uns zum 3418 Meter hohen Hauptgipfel, wo wir um 9:15 Uhr, exakt 3 Stunden nach dem Aufbruch am Biwak, ankommen. Jippie, geschafft!

2000 Meter Abstieg

Nach zwanzig Minuten Wolkenlücken abwarten und Brotzeit inhalieren überlassen wir den Gipfel des Wilden Freiger wieder sich selbst. Der Blick nach Süden auf das Becherhaus blieb uns leider verwehrt, auch der Blick auf den höchsten Stubaier Gipfel, das Zuckerhütl, und den benachbarten Wilden Pfaff bleiben uns verwehrt.

Auf dem Normalweg von der Nürnberger Hütte ist jetzt etwas mehr los, ein paar Bergsteiger erkundigen sich nach den Bedingungen, wir können Entwarnung geben. Trotzdem kommen uns einige entgegen, denen wir angesichts des Wetterberichts (am Nachmittag soll es gewittern) am liebsten zur Umkehr raten würden. Doch darf man das allein wegen eines „unfitten“ Aussehens und einer späten Aufbruchzeit?

Die ein- oder andere Rutschpartie über Firnfelder beschleunigt unsere „Abfahrt“, und gegen 12 Uhr mittags treffen wir wieder am Basislager ein. Ein kurzer Snack, ein paar Fotos, Zelt abbauen – und schon geht es runter zur Sulzenauhütte, wo erneut Schnitzel, Spaghetti, Bier und g’spritzter Holler auf hungrige und durstige Mäuler warten. Es fällt uns fast schon schwer, das Hochgebirge wieder hinter uns zu lassen….die Faszination Zentralalpen-Dreitausender hat einen schnell gepackt!

Aber es hilft alles nix – wir müssen wieder runter ins Stubaital. Zur Feier des Tages nehmen wird den kleineren Steig, der näher an den großen Wasserfall unterhalb der Sulzenauhütte heranführt, lassen uns von der Gischt benetzen und steuern wieder den Talgrund des Stubaitals an. Wenigstens ist auf dem Holzbohlen-Weg (der mich an einen Westcoast-Trail erinnert) hinab zur Grawa-Alm weniger los als am Tag zuvor, und es macht direkt Spaß, die unzähligen Stufen hinabzutänzeln. Um 16:30 Uhr geht eine schöne, anstrengende und inspirierende Hochtour zu Ende.

Infos zum Wilden Freiger (3.418m)

  • Lage: Stubaier Alpen, Tirol, Österreich
  • Ausgangspunkt: Grawa-Alm, Stubaital
  • Benachbarte Touren: Stubaier Höhenweg, Zuckerhütl, Habicht u.v.m.
  • Karte: AV-Karte Hochstubai (bei bergzeit.de)
  • Gehzeit: Grawa-Alm-Sulzenauhütte: 2,5 h; Sulzenauhütte-Gipfel: 4h
  • Im Bergzeit Magazin findet sich ein spannender Bericht über eine Solo-Besteigung des Wilden Freiger über die italienische Südseite.

Raiffeisen Oberland Challenge – Hohenburger Schloßlauf 2015

Der Hohenburger Schloßlauf, sechster Teil der Raiffeisenbank Oberland Challenge (ROC), war ein anspruchsvoller Fetzen Spaß. Acht Kilometer und 270 Höhenmeter durch den Wald um den Hohenburger Schloßweiher waren zu bewältigen.

Der sechste Teil der Raiffeisenbank Oberland Challenge war für mich dieses Jahr eigentlich erst der vierte, hatte ich doch aus urlaubstechnischen Gründen Schäftlarn läuft und den Sachsenkamer Dorflauf ausgelassen. Entsprechend motiviert war ich, einige Punkte in der Ergebnisliste gutzumachen und das BERGZEIT Running Team wieder unter den Top 3 der Altersklasse zu verankern!„Raiffeisen Oberland Challenge – Hohenburger Schloßlauf 2015“ weiterlesen

Piz Queder und Munt Pers – der Trailrun-Aussichtsbalkon in der Bernina

Die Bernina ist berühmt für ihre Gletscherberge. An der östlichen Peripherie gibt es jedoch auch erstklassiges Trailrunning-Terrain – und zwei aussichtsreiche Dreitausender, die sich perfekt in einer Aktion abhaken lassen.

Camping Morteratsch, halb fünf Uhr morgens. Ich knipse die Stirnlampe an und werfe mich in’s nächste Trailrunning-Abenteuer dieses Urlaubs. Nach der Belaufung des Monte Vioz vor einer Woche will ich heute zwei weitere Ostalpen-Dreitausender belaufen – Piz Queder (3066 Meter) und Munt Pers (3207 Meter). Beide sind Bernina-Experten sicherlich ein Begriff, liegen sie doch in greifbarer Reichweite der Diavolezza-Bergstation und eignen sich daher perfekt als kleine Akklimatisationshügel. Ich verzichte natürlich auf Bergbahn und starte zudem noch direkt vom Campingplatz aus, wodurch sich eine mehr als 24 Kilometer lange Strecke mit rund 1500 Höhenmetern ergibt.

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